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Ethikfonds: Es grünt nicht ganz so grün

(c) APA/O…. Landesforstdirektion (O…. Landesforstdirektion)

Nachhaltige Investments machen gutes Geld mit gutem Gewissen. Aber Zweifel werden lauter. So wird auch in Holz aus Raubbau, Mega-Staudämme oder Windparks investiert.

Wien (gau). In der PR-Abteilung der „Pax“-Bank herrschte auch schon mal Krieg. Vorigen August schockte das katholische Institut mit schlimmen Schlagzeilen: In einem ihrer Ethikfonds fanden sich plötzlich Aktien von Waffen- und Tabakproduzenten. Zwar hat die Kölner Kirchenbank tätige Reue gezeigt und die Papiere eiligst verkauft. Aber die Zweifel an ethischen Investments wollen seither nicht mehr ganz verstummen.

Nahrung erhalten sie nun von einer Schweizer Studie. In ihr wurde ein großer Nachhaltigkeitsfonds mit einem normalen Aktienfonds verglichen - anhand des RepRisk-Index. Mit ihm schätzen Analysten das Reputationsrisiko einer Firma ein. Medienberichte werden danach bewertet, ob sie das soziale oder ökologische Image des Unternehmens fördern oder beschädigen. Das macht diese Kennzahl zu einem Indikator für die Nachhaltigkeit. Fatalerweise war das Spezialprodukt für das gute Gewissen nicht signifikant nachhaltiger als der Fonds, dessen Anlegern es nur um hohe Erträge geht.

Der Hintergrund des Unbehagens: In der Frühzeit des Nachhaltigkeitsbooms mussten sich die Fondsmanager gegen die Kritik wehren, dass die Renditen ihrer moralisch untadeligen Portfolios zwangsläufig mager ausfallen. Denn wenn wichtige Branchen wie Öl, Chemie oder Bergbau fehlen, lässt sich das Risiko schlechter streuen. Um es dennoch niedrig zu halten, wird in den verbleibenden Branchen sehr vorsichtig agiert– was wiederum die Rendite drückt.

Um diesen Effekt zu vermeiden, wendet ein knappes Drittel der Fondsmanager den „Best-of-Class“-Ansatz an. Sie investieren in alle Branchen, suchen sich dort aber jene Firma aus, die relativ am nachhaltigsten agiert. Gerne wird auch mit einer „Toleranzgrenze“ gearbeitet, damit breit aufgestellte Großkonzerne mit wenig volatilen Kursen nicht herausfallen: Bei fünf Prozent des Umsatzes wird ein Auge zugedrückt, in den betreffenden Sparten sind Sünden erlaubt – etwa Kinderarbeit in Entwicklungsländern.

Wem das nicht gefällt, kann als Alternative auf ökologische Themenfonds setzen. Sie investieren in eine einzige Branche, wie Wasserkraft, Wind, Solarenergie oder Holz, und erzielen dank des Booms grüner Technologien eine tolle Performance. Nur ist ein Thema keine Garantie für umweltverträgliche Geschäfte: auch Holz aus Raubbau, Mega-Staudämme oder Windparks in Naturschutzgebieten können ökologisch höchst bedenklich sein.

 

Zwei Indizien für sorgfältige Auswahl

Eine Beschäftigung mit den ausgewählten Titeln bleibt dem Anleger also nicht erspart. Das gilt schon deshalb, weil jeder etwas anderes unter ethischen oder nachhaltigen Investments versteht: Ist es Ausbeutung oder Entwicklungshilfe, wenn ein Konzern seine Produktion in ein Schwellenland verlagert? Ist genmanipuliertes Saatgut „gut“, weil man mit ihm weniger Dünger oder Schädlingsbekämpfungsmittel braucht? Ist Atomkraft „grün“, weil sie die CO2-Bilanz verbessert? Und wie steht es mit dem Biosprit?

Viele Anleger vertrauen darauf, dass ihnen die Fondsverwalter diese Fragen nach besten Wissen und Gewissen beantworten. Ob sie das wirklich tun, dafür gibt es zwei praktische Indizien: Der Europäische Dachverband für nachhaltige Geldanlagen (Eurosif) vergibt seit 2008 ein Transparenzsiegel für Fonds, die klar verständliche und nachvollziehbare Auswahlkriterien haben. Und ein gutes Zeichen ist auch, wenn die Fondsgesellschaft einen Ethikrat einsetzt, der kontrollieren und durchsetzen darf, dass diese Kriterien auch eingehalten werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2010)