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EU jubelt: Erstmals erreichen alle Euroländer das Defizitziel

Reuters
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Die EU-Kommission hat Österreichs Wachstumsprognose 2018 und 2019 leicht nach unten korrigiert. Die Wachstumsaussichten bleiben stabil, bedroht wird der „solide“ Aufschwung in Europa durch die US-Handelspolitik werden.

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici hat bei der Präsentation der Frühjahrsprognose am Donnerstag betont, dass "erstmals seit Bestehen der Wirtschafts- und Währungsunion 1999 alle Mitgliedsländer der Eurozone unter dem 3-Prozent-Defizitziel" liegen. Moscovici jubelte, dass "alle Indikatoren wirklich leuchtend grün sind". Die Schlüsselbotschaft sei, dass "die europäische Wirtschaft robust und sehr gesund" sei. Für Österreichs Budgetdefizit prognostiziert die EU ein Absinken auf 0,5 Prozent im laufenden Jahr und eine weitere Reduktion auf 0,2 Prozent für 2019 vor. Die Staatsschuld fällt von 78,4 Prozent im Vorjahr somit auf 71,7 Prozent des BIP im kommenden Jahr.

Österreichs Wirtschaftswachstum wird nach der Frühjahrsprognose im laufenden Jahr mit 2,8 Prozent geringfügig schwächer ausfallen als noch in der Winterprognose vom Februar mit 2,9 Prozent vorausgesagt. Auch für 2019 gibt es eine kleine Herabsetzung - von 2,3 Prozent aus der Winterprognose auf 2,2 Prozent, wie die EU-Kommission am Donnerstag bekanntgab. Die EU-Frühjahrsprognose attestiert Österreich eine "positive Wachstumsdynamik". In dem Länderbericht heißt es, dass das Wirtschaftswachstum 2017 mit 2,9 Prozent des BIP ein Sechs-Jahres-Hoch erreicht habe. Die Wachstumsaussichten seien robust und stabil. Positiv hervorgehoben wird auch der solide Arbeitsmarkt und das kontinuierliche Sinken der Arbeitslosigkeit.

Insgesamt bleibt sowohl für die EU als auch die Eurozone die Erwartung unverändert. Die EU-28 und die Währungsunion können im laufenden Jahr wie bisher mit einem BIP von 2,3 Prozent rechnen, für 2019 ist die Prognose mit 2,0 Prozent in beiden Gebieten ebenfalls unverändert.

„Aufschwung mit solidem Tempo“

Die EU-Kommission spricht von einem "Aufschwung mit solidem Tempo". 2017 habe es mit 2,4 Prozent die höchsten Wachstumsraten für EU und Eurozone seit zehn Jahren gegeben. Dieser Trend dürfte sich 2018 fortsetzen. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, sowie EU-Währungskommissar Moscovici verwiesen darauf, dass der private Konsum nach wie vor stark sei. Gleichzeitig hätten Exporte und Investitionen zugenommen. Die Arbeitslosigkeit gehe weiter zurück und befinde sich auf Vorkrisenniveau.

Allerdings gebe es in höherem Maß externe Risikofaktoren, die sich verstärkt hätten und sich auch stärker negativ auswirkten. Dabei verwies die Brüsseler Behörde auf die zuletzt wachsende Finanzmarktvolatilität, die zu einem dauerhafteren Phänomen werden könnte, das zur Unsicherheit beitrage. Zu den USA heißt es, dass die Eskalation des Handelsprotektionismus "eindeutig eine Gefahr für die Entwicklungsperspektiven der Weltwirtschaft darstellt".

APA

Gleichzeitig wurde von der Kommission die positive Entwicklung beim weiteren Abbau der Defizite und der Schuldenstände in den Ländern verwiesen. So liege das Budgetdefizit im Euroraum im Durchschnitt derzeit bei weniger als einem Prozent des BIP und dürfte im laufenden Jahr in allen beteiligten Ländern der Währungsunion unter die 3-Prozent-Marke fallen. Mosocivi meinte, das Defizit in der Eurozone dürfte heuer auf 0,7 Prozent des BIP fallen.

Arbeitslosigkeit schrumpft

Die Kommission frohlockte auch angesichts des Rückgangs der Arbeitslosigkeit. Diese gehe weiter zurück und dürfte noch abnehmen. 2017 sei sie in der EU noch bei 7,6 Prozent gelegen, heuer gehe sie auf 7,1 Prozent zurück und nächstes Jahr werde eine weitere Reduktion auf 6,7 Prozent greifen. Für die Eurozone sei davon auszugehen, dass von 9,1 Prozent im Vorjahr ein Rückgang auf 8,4 Prozent 2018 und auf 7,9 Prozent 2019 erreicht werde.

Österreichs Arbeitslosigkeit sinkt von 5,5 Prozent 2017 über 5,2 Prozent für heuer auf 5,0 Prozent 2019. Die geringste Arbeitslosenquote im laufenden Jahr weist laut Prognose Tschechien mit 2,4 Prozent vor Deutschland mit 3,6 Prozent auf. Am höchsten liegt sie weiterhin in Griechenland (20,1 Prozent) und Spanien (15,3 Prozent).

Die Inflationsrate bleibt stabil. In der EU ist der Wert 2018 unverändert bei 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und wird 2019 auf 1,8 Prozent ansteigen. Österreichs Inflationsrate sinkt dagegen von 2,2 Prozent im Vorjahr über 2,1 Prozent heuer auf 1,9 Prozent 2019.

(APA)