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Interview: Nokias iPhone-Killer kommt Mitte 2010

Greig Williams
(c) Nokia
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Im Gespräch mit DiePresse.com erklärt der Zentraleuropa-Chef von Nokia, Greig Williams, warum sich jeder Hersteller am iPhone orientieren muss und was er vom iPad hält.

Die Presse.com: Nokia war immer bekannt für ein besonders großes Portfolio an Handy-Modellen. Auf der größten Handymesse der Welt, dem Mobile World Congress, gab es heuer keine neuen Geräte zu sehen. Warum nicht?

Greig Williams: Uns war bewusst, dass das Fehlen eines eigenen Nokia-Standes am Messegelände viele Fragen aufwerfen wird. Warum seid ihr nicht hier? Glaubt ihr nicht daran? Habt ihr nichts zu zeigen? Tatsächlich ist es aber ein Teil der ganzen Wandlung, die wir gerade durchmachen. Softwareseitig gab es eine gemeinsame Pressekonferenz mit Intel. Hardwareseitig haben wir nichts Neues angekündigt. In den vergangenen Monaten haben wir aber sehr wohl einige Geräte angekündigt, die in den nächsten Monaten kommen werden. Außerdem haben wir zum Beispiel Ovi Maps kostenlos gemacht.

Man kann nie so genau wissen, was bei den Konsumenten so richtig gut ankommt. Lange Zeit hätte niemand geahnt, dass man unbedingt Touchscreens haben muss. Das kam eher überraschend. Wir müssen also flexibler werden. Wenn wir weniger Geräte produzieren, können wir besser auf solche Trends reagieren.

Wann bringt Nokia endlich einen iPhone-Killer?

Williams: In der Mitte des Jahres wird es Neuigkeiten geben. Das Problem ist auch, einen Nutzer, der an seine beispielsweise 100 iPhone-Apps gewohnt ist, zum Umsteigen zu bewegen. Hier braucht es natürlich ein Gerät, das dasselbe bieten kann. Jeder muss das beachten, nicht nur Nokia, sondern auch Google und alle anderen.

Wird dieses Gerät auf Symbian oder dem neuen MeeGo basieren?

Williams: Es wird mit beiden Systemen neue Geräte geben. Wir stehen natürlich immer noch zu Symbian. Wir arbeiten hart daran etwas auf den Markt zu bringen, das mindestens so gut, wenn nicht besser als die Konkurrenz ist. Die intellektuellere Schicht ist aber stark auf Apple eingeschworen. Dann gibt es noch eine Menge Leute, die auf Android setzen. Wir wissen, dass wir ein bis zwei Schritte gehen müssen, um aufzuholen.

Meego ist das richtige System für diese Aufholjagd?

Williams: Ja. Bisherige Systeme, sind sehr ressourcenintensiv. Apple zum Beispiel kann Multitasking nicht bewältigen. Aber sie haben den App Store und ich glaube hier wird sich das Rennen entscheiden. Wir müssen also die Apps mit Lokalbezug ausbauen - das ist sehr wichtig. Wir haben Qt, eine Entwicklerplattform. Jeder Entwickler wird es zwar zuerst bei Apple versuchen, Apple weist aber viele Apps zurück. Wir bieten dann Symbian, das globale Reichweite hat. Apps erreichen so nicht nur das Publikum, das ein 500-Euro-Handy besitzt.

Meego wird im Vergleich zu Symbian, das Highend-Produkt?

Williams: Ja, definitiv. Basierend auf Linux.

Ist Meego nicht nur ein neuer Name für zwei existierende Systeme, Moblin von Linux und Maemo von Nokia?

Williams: Es ist eine gleichberechtigte Zusammenarbeit. Von dieser Kooperation wird natürlich auch die Hardware profitieren. Intel ist der größte Chiphersteller.

Wodurch wird sich MeeGo gegenüber iPhone und Co. behaupten können?

Williams: Zum Beispiel im Bereich der Rechenkraft. Das wird kein Vergleich sein. Wir haben das schon mit Geräten wie dem N900 mit Maemo gezeigt. Meego kann mit bis zu 20 Anwendungen gleichzeitig umgehen - das iPhone nur mit einer.

Was ist genau der Unterschied zwischen Symbian und Meego?

Williams: Meego ist auch für Computer geeignet. Es sollte kein Unterschied sein, auf welchem Gerät Meego läuft - bloß die Größe des Bildschirms. Symbian ist nur für Smartphones gedacht.

Meego ist also auch für Netbooks und Tablets gedacht?

Williams: Genau.