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Secession: "Sex-Kultur" ist "nicht subventioniert"

Secession mit Swingerclub
(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
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Sex als Kunstprojekt im traditionsreichen Wiener Musentempel: Christoph Büchels Installation mit Swingerclub regt auf - vor allem, weil sie mit Steuergeld bezahlt sein soll. Stimmt nicht, wehrt sich die Secession.

Eine Ausstellung von Christoph Büchel in der Wiener Secession erhitzt in Wien die Gemüter:
Der Schweizer Künstler hat den Swingerclub "Verein der kontaktfreudigen Nachtschwärmer - Element6" eingeladen, während der Schau "Raum für Sex-Kultur" im Untergeschoß seinen Betrieb aufzunehmen. Die nicht jugendfreie Schau soll als Statement gegen gesellschaftliche Zustände verstanden werden.

Boulevardmedien, FPÖ und die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, Ursula Stenzel, kritisieren das Projekt jedoch aufs Schärfste. Die Gratiszeitung "Heute" fordert etwa "Schluss mit der 'Sexzession'". Ihr zufolge werde die Secession - und damit Büchels Ausstellung - mit 330.000 Euro im Jahr gefördert.

"Nicht durch öffentliche Gelder subventioniert"

Gegen den Vorwurf, dass die Ausstellung subventioniert sei, wehrt sich die Secession in einer Stellungnahme: "Das Projekt ist als wirtschaftlich autonome Veranstaltung vom Künstler konzipiert und wird nicht durch öffentliche Gelder subventioniert", heißt es dort. "Der Nachtclub wird auf Einladung des Künstlers vom 'Verein der kontaktfreudigen Nachtschwärmer - Element 6' betrieben. Die Secession stellt für den Aufbau und Abbau sowie für die Aufsicht infrastrukturelle Leistungen zur Verfügung."
 
Die SPÖ Wien schlägt in die gleiche Kerbe: Das Kunstprojekt des Nachtclubs werde nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert, so Ernst Woller (SPÖ), Vorsitzender des Kulturausschusses im Rathaus. "Es finanziert sich über die Eintrittsgelder selbst", sagt er. Die Secession erhalte von der Stadt eine Jahressubvention. An wen und wofür die Räume der Secession vermietet werden, entscheide einzig die "Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession".

Intendierter Skandal

Von 90.000 Euro Umbaukosten ist in der Tageszeitung "Österreich" die Rede. Diese Summe stamme aber zum überwiegenden Teil nicht aus Subventionen: Mehr als zwei Drittel ihres Jahresbudgets stelle die Secession selbst auf, heißt es aus dem Kunsthaus.
 
Die ausgelöste öffentliche Diskussion ist intendiert, sagte Secessions-Pressesprecherin Urte Schmitt-Ulms am Montag.: Der Künstler inszeniert in seinen Rauminstallationen und Projekten stets reale Gesellschaftszustände. So transportiere er soziale Situationen in den Kunstraum und spielt auch auf die Raumvermietung von Kulturinstitutionen, etwa für Betriebsfeiern, an. Eben diese Vermietungskonstellation schlägt sich auch in der in den Medien kritisierten Finanzierung der Schau in der Secession nieder, so Schmitt-Ulms.

Häupl: "Keine Freude"

"Natürlich habe ich keine Freude damit", beschied Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Er unterstrich zugleich, dass an eine Streichung der Subventionen keinesfalls gedacht sei - die Secession sei schließlich eine international anerkannte Kultureinrichtung. Grundsätzlich gelte: "Für Swingerclubs bin ich nicht zuständig und auch in keiner Weise interessiert", betonte der Bürgermeister. Und eigentlich gehe es ihn auch nichts an, denn schließlich sei die Secession keine Einrichtung der Stadt und erhalte lediglich Subventionen für den laufenden Betrieb. Er denke jedenfalls "nicht im Traum daran", diese zu kürzen, sondern verlasse sich auf die honorigen Vorstandsmitglieder.

"Der Künstler lebt von der Provokation - und Sie alle haben ihm jeden Gefallen getan", beschied Häupl der versammelten Presse. Der Schweizer Künstler Christoph Büchel wollte mit der ausgelösten Diskussion eine Parallele zu jener Debatte konstruieren, welche Gustav Klimts Beethovenfries im Untergeschoß des Baus einst ausgelöst hatte. Das Fries sei heute kein Skandal mehr, so eine Secessions-Sprecherin am Montag, die Installierung eines Swingerclubs hingegen der damaligen Situation ähnlich.

FPÖ: SPÖ Wien "völlig durchgeknallt"

Diese Provokation scheint jedenfalls funktioniert zu haben. Für den FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache müsse die SPÖ in Wien "völlig durchgeknallt sein, wenn sie öffentlichen Gruppensex mit 90.000 Euro, die der Umbau für die Realiserung der verschwitzten Phantasien eines 'Künstlers' aus der Schweiz verschlungen hat, unterstützt." Öffentliche Mittel würden "für Gruppensex-Orgien" hinausgeworfen.
 
Auch Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, Ursula Stenzel, will das Projekt stoppen: Denn es sei nie "von einer Gruppensex-Veranstaltung die Rede" gewesen, sondern lediglich von Stiptease im Rahmen der Kunstausstellung Büchels. Der Swingerclub habe somit keine Genehmigung vom ersten Bezirk.

"Neue Dimensionen für eigene Sexualität"

Auch der Swingerclub selbst hat sich zu Wort gemeldet: "Mit unserer Mitwirkung am Projekt in der Secession wollen wir jetzt möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben, eine Hemmschwelle zu überwinden und sich diesen Swingerclub einfach anzuschauen", so der "Verein der kontaktfreudigen Nachtschwärmer", der von vier Personen "aus unterschiedlichen Berufsbranchen" betrieben wird. "Wir bieten ein vielfältiges Showprogramm: Striptease, Bondage, SM, Body Painting, Tanz Performance usw., und DJs, um die Stimmung anzuheizen. Ob das alles der eigenen Sexualität neue Dimensionen öffnet, kann jeder (Volljährigkeit vorausgesetzt) im Rahmen dieser Ausstellung in der Secession für sich überprüfen. Wir erlauben uns also zu zitieren: 'Schau'n Sie sich das an!'"

(APA/her)