Es ist eine alte Frage, wie stark Wetter und Stimmung zusammenhängen. Eine riesige US-Studie gibt nun eine klare Antwort – die freilich kaum überrascht.
Kennen auch Sie Zeitgenossen, die im Winter teilnahmslos sind, aber bei den ersten Sonnenstrahlen im Frühling aufblühen? Ich kenne freilich auch einige Menschen, die sich schon am dritten warmen Tag beschweren, dass es so unerträglich warm sei. Den Zusammenhang zwischen Wetter und Wohlbefinden bemerkten schon die alten Griechen – Hippokrates meinte im 4. Jh. v. Chr., dass sich die Laune mit dem Sonnenstand ändere.
Die Wissenschaft versucht dieses Verhältnis schon seit geraumer Zeit exakt zu fassen – doch die Befunde sind mager und widersprüchlich. Manche Studien fanden klare Zusammenhänge, andere hingegen nur sehr kleine (wenn überhaupt, spielte die Sonne eine Rolle). Wieder andere Studien bewerten den Wettereinfluss im Vergleich zu persönlichen Faktoren wie Erfolgserlebnissen oder Anerkennung als vernachlässigbar. Manche Untersuchungen bemerkten sehr starke individuelle Unterschiede – eine niederländische Gruppe unterschied vier Gruppen: neben jenen, bei denen das Wetter für die Stimmung egal ist, auch Sonnenliebhaber, Sonnenhasser und Regenhasser. Gezeigt wurde aber auch, dass Flirtversuche an sonnigen Tagen erfolgversprechender sind als bei trübem Wetter.
Das Thema lässt die Wissenschaft jedenfalls nicht los. US-Forscher haben nun einen neuen Zugang versucht: Sie haben 3,5 Mrd.(!) Textnachrichten auf Facebook und Twitter per automatischer Textanalyse hinsichtlich ihres emotionalen Gehalts bewertet, regional verortet und mit den lokalen Wetterlagen an jedem einzelnen Tag verglichen (PlosOne, 25. 4.). Das Ergebnis zeigt (im Durchschnitt) einen klaren Zusammenhang zwischen Temperatur und Stimmung: Diese ist zwischen 20 und 30 Grad am besten, darüber und darunter wird sie immer mieser. Als gleich stark erwies sich der Effekt der Bewölkung (Sonne macht glücklich), einen deutlich schwächeren Zusammenhang gab es mit dem Niederschlag (Regen trübt die Stimmung).
Das wirklich Interessante an dieser Studie ist, dass die Stärke des Wettereinflusses auf die Stimmung mit anderen Einflussfaktoren verglichen werden konnte. Frostiges Wetter z. B. drückt demnach ungefähr gleich stark aufs Gemüt wie die Nachricht von einem Erdbeben und beeinträchtigt die Stimmungslage doppelt so stark wie die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit.
Folgt man diesen Ergebnissen, ist der Einfluss des Wetters also nicht zu unterschätzen. Aber wie dem auch sei: Genießen Sie den sonnigen Sonntag!
Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum Magazins“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2018)