Marx in seinem Gemeindebau

Werner und Lilli Bauer mit Karl Marx im Waschsalon im Karl-Marx-Hof.
Werner und Lilli Bauer mit Karl Marx im Waschsalon im Karl-Marx-Hof.(c) Katharina F.-Roßboth
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Zum 200. Geburtstag des politischen Denkers beleuchten Lilli und Werner Bauer im Karl-Marx-Hof den Kurzbesuch von Karl Marx in Wien.

Der Ort ist zweifellos recht treffend: Der 200. Geburtstag von Karl Marx wird in Wien in dem nach ihm benannten Gemeindebau zelebriert: dem Karl-Marx-Hof in Heiligenstadt. Im Waschsalon – das ist das Museum über das Rote Wien über dem tatsächlichen Waschsalon, der sich mit dem Geruch nach frischer Wäsche bemerkbar macht – geht es dieser Tage besonders um Marx.
Die Ausstellung befasst sich freilich nur mit einem kleinen Ausschnitt aus dem Leben und Wirken von Marx (einem Ausschnitt, mit dem sich übrigens auch „Presse“-Archivar Günther Haller im Buch „Marx in Wien“ auseinandersetzt): mit den neun oder zehn Tagen, die der politische Denker im Sommer 1848 in Wien verbrachte und den Spuren, die er in der österreichischen Arbeiterbewegung hinterließ.

„Eine verdichtete Idealversion“

„Dass Karl Marx in Wien war, ist kein Geheimnis – aber trotzdem wissen es die meisten nicht“, sagt Werner Bauer, der das Museum über das Rote Wien im Waschsalon mit seiner Frau Lilli Bauer kuratiert. In Ermangelung von Fotos – es gebe von Marx überhaupt nur 15, sagt Lilli Bauer – wurden einige Szenen nachgezeichnet. So, wie sie passiert sind. Oder passiert sein könnten. „Es ist sozusagen eine verdichtete Idealversion der Realität“, sagt sie.

Sie hätten für die Bilder viel recherchiert, bis hin zu Details wie der Kleidung oder der Tatsache, dass es zur damaligen Zeit offenbar Usus war, neben dem Rednerpult eine Kiste für Fragen aufzustellen. Gleichzeitig wurden von Künstler P. M. Hoffmann etwa ins Bild eines der drei Vorträge, die Marx in Wien hielt, einige andere politische Zeitgenossen gezeichnet. Marx selbst stellt er an den Rand des Leichenzugs nach der sogenannten Praterschlacht – auch das ist künstlerische Freiheit. Die Nachwirkungen der laut den Kuratoren ersten Frauendemonstration in Österreich, die wenige Tage vor seiner Ankunft in Wien niedergeschlagen wurde, habe Marx aber jedenfalls mitbekommen.

„Er kam, um sich ein Bild vom Zustand der Revolution in Wien zu machen“, sagt Werner Bauer über seinen Besuch. Allerdings habe Marx kein sonderlich positives Bild von Österreich gehabt. So bezeichnete er das Land einst als das europäische China – ein despotisches, rückständiges Land, das selbst die französische Revolution nicht erschüttern könne. Der Wien-Besuch habe sich denn nicht in seinen Schriften niedergeschlagen. Marx mit seinen Theorien wirkte sich auf die österreichische Arbeiterbewegung aber sehr wohl aus. Auch das ist Thema der Ausstellung – neben der Dauerausstellung zum Roten Wien, die Werner und Lilli Bauer im Waschsalon vor acht Jahren geschaffen haben.

Ausgangspunkt dafür war ein Onlinelexikon über das Rote Wien, das die frühere Journalistin, die nunmehr in der SPÖ-Wien-Bildungsabteilung arbeitet, und der Kulturanthropologe, hauptberuflich bei der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung, 2005 erstellten. Bei der Recherche hätten sie unzählige SPÖ-nahe Organisationen kontaktiert, bei denen sie teils Kartons voller Material vorfanden. Und dann einen Ort gesucht, um dieses auch zugänglich zu machen und auszustellen.
Die nunmehrige Location – einst befanden sich hier im ersten Stock der Waschküche die Wannen- und Brausebäder des Karl-Marx-Hofs – war relativ schnell am Radar. Und obwohl ziemlich desolat, sei sehr rasch klar gewesen: „Es ist der ideale Ort. Einen besseren gibt es nicht“, schildern die Kuratoren. Dass Marx auch auf dem Bild der Eröffnung des nach ihm benannten Gemeindebaus zu sehen ist, ist übrigens wirklich nur ein Gag: Nicht nur, weil sein Wien-Besuch eine einmalige Sache blieb: Marx war im Oktober 1930 bereits fast 50 Jahre tot.

auf einen blick

Karl Marx wurde vor 200 Jahren, am 5. Mai 1818, in Trier geboren. Als 30-Jähriger besuchte er 1848 Wien, um sich ein Bild von der Revolution zu machen. Die neun oder zehn Tage, die er in der Stadt verbrachte, und die Auswirkungen Marx' auf die hiesige Arbeiterbewegung beleuchtet eine Ausstellung im Waschsalon im Karl-Marx-Hof, neben der Dauerausstellung zum Roten Wien. Halteraugasse 7, 1190 Wien. Donnerstag 13 bis 18 Uhr, Sonntag 12 bis 16 Uhr, sowie für Gruppen nach Voranmeldung. Alle Informationen: dasrotewien-waschsalon.at.

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