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Strolz: Vom Caféphilosophen zum Flügelheber

NATIONALRAT BUDGETDEBATTE: STROLZ
APA/HANS PUNZ
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Oft hatte Matthias Strolz mit dem Gedanken gespielt, eine neue Partei zu gründen. 2012 tat er es und führte die Neos mit markigen Sprüchen zweimal in den Nationalrat. Die Karriere eines Mannes, der mit dem Status Quo schon lange unzufrieden war.

Es sind 15 Leute aus dem bürgerlichen Umfeld, die sich rund um das Jahr 2006 gerne im Café Eulennest in Wien versammelten. Unter ihnen ein gewisser Matthias Strolz. Ein Jungunternehmer, der sich schon als Vorarlberger Landesschulsprecher und als ÖH-Vorsitzender der Uni Innsbruck politisch engagiert hatte. In den Jahren 2000 und 2001 werkte Strolz sogar als parlamentarischer Mitarbeiter und diente dem ehemaligen ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf. Doch mit der ÖVP war Strolz, so sehr er persönlich Kopf auch schätzte, nicht zufrieden.

Und diese Grundstimmung war damals im Café deutlich zu spüren. Es wurde geredet, philosophiert, politisiert. „Nach der dritten Flasche Wein haben wir angefangen, zu politisieren, nach der fünften haben wir gesagt, wir brauchen eine neue Partei“, sollte Strolz später einmal die Geschehnisse zusammenfassen. Als es im Jahr 2012 ernst werden sollte mit der Parteigründung, war alles generalstabsmäßig geplant. Sogar einen Studenten als Strohmann hatten Strolz und seine Mitstreiter ausgeschickt, damit diese die Partei beim Innenministerium anmeldete.

Am 27. Oktober 2012 wurde dann alles publik gemacht und die vom heute 44-jährigen Parteichef Matthias Strolz gegründete Bewegung „Das Neue Österreich “ (kurz Neos) offiziell aus der Taufe gehoben.

Von Polit-Karriere abgeraten

Dabei gab es prominente Politiker, die Strolz von einer Polit-Karriere abrieten. Im Oktober 2011 etwa kam es für einen Zeitungsartikel zu einem Streitgespräch zwischen dem damaligen SPÖ-Staatssekretär Josef Ostermayer und Strolz, der inzwischen sein Buch „Warum wir Politikern nicht trauen“geschrieben hatte. „Würden Sie Herrn Strolz raten, in die Politik zu gehen?“ , wurde Ostermayer dabei gefragt. Der Staatssekretär verneinte und riet Strolz, er solle besser weiterhin Politikberater bleiben. Das weckte den Ehrgeiz in Strolz endgültig: Noch am nächsten Tag telefonierte er mit Veit Dengler. Zusammen riefen sie die Partei ins Leben, auch wenn Dengler sich wegen eines Engagements als Medienmanager dann nicht bei der Nationalratswahl 2013 kandidierte.

Die Wahl lief für die Neos erfolgreich: Mit fünf Prozent der Stimmen gelang Strolz und seinen Neos der sofortige Einzug in den Nationalrat. Zu verdanken war das nicht nur dem Umstand, dass die Neos schon ein für eine Neugründung umfangreiches Parteiprogramm vorgelegt hatten. Vor allem die Person des Matthias Strolz lockte frühere Wähler der ÖVP, der Grünen und des Liberalen Forums an. Mit prägnanten Sprüchen wie „den Kindern die Flügel heben“ oder dem „Enkelfitmachen“ von Pensionen fiel Strolz auf.

Wie kaum ein anderer Politiker zuvor setzte Strolz auf Social-Media-Kanäle, in denen seine Auftritte auch schon einmal theatralisch ausfallen können. „Ich gestehe mir Emotionen zu. Weil ich mir sage, vielleicht verschaffe ich damit auch Gehör für meine Botschaft“, sagte Strolz erst vor wenigen Wochen im „Presse“-Interview.

Strolz gelang es, die Neos als Oppositionskraft zu verankern. Bei der Wahl 2017 gelang mit 5,3 Prozentpunkten neuerlich der Nationalratseinzug. Und Strolz konnte seither das weitgehende Vakuum in der Opposition nutzen (die SPÖ sucht dort noch ihren Weg, die Liste Pilz überhaupt eine Parteiführung), um erst recht mit seinen Reden aufzufallen.

In der Karwoche zurückgezogen

Der Ausbau zu einer größeren Partei misslang bisher aber, blieb Strolz doch immer eher etwas für ein elitäres Wählerspektrum. Innerhalb der Neos mit ihren Mitgliederversammlungen gab es auch immer wieder verschiedene Strömungen, die der pragmatische Parteichef nach außen und innen hin zusammenhalten musste. Strolz selbst ortet ein drei- bis viermal so großes Wählerpotenzial für seine Fraktion, wie sie es jetzt hat. Dafür brauche es aber noch Zeit, meinte der 44-Jährige kürzlich.

Zeit, in der jemand anderer die Neos anführen dürfte. Schon in der Karwoche hatte sich Strolz eine Auszeit genommen und war selbst für Parteifreunde nicht erreichbar. Nun steht er vor dem gänzlichen Ausscheiden aus der Politik.
[OFUC1]