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Arbeitnehmer-Vertretung

Zaghafter Einzug von Gewerkschaften im Silicon Valley

(c) Pixabay

Hoch bezahlt und heiß begehrt - auf den ersten Blick wirkt die Hightech-Avantgarde des Silicon Valley nicht, als müsse sich eine Gewerkschaft für sie ins Zeug legen. Und doch wagen nun einige Angestellte zaghafte Solidaritäts- und Mitbestimmungsversuche. Dabei haben sie allerdings einen steinigen Weg vor sich.

Wer in der Technologie-Hochburg im US-Bundesstaat Kalifornien im Job Probleme hat, dem winkt meist bereits die nächste Softwareschmiede und lockt mit kostenlosen Mahlzeiten, Premium-Krankenversicherung oder einer Espresso-Flatrate. Im Silicon Valley sehen traditionell nicht nur viele Unternehmen, sondern auch zahlreiche Arbeitnehmer Gewerkschaften eher als Fortschrittsbremse denn als Interessenvertretung.

Alles in allem hatten auch die Tech-Arbeiter wenig Interesse an einer gewerkschaftlichen Vertretung. Im Jänner alllerdings wurde der Software-Entwickler Anders Bjorn Westergard mit rund einem Dutzend seiner Kollegen vom Start-up Lanetix gefeuert. 

Offiziell führt die Firma wirtschaftliche Gründe an. Aber die Geschassten sind sich sicher: Der wahre Grund ist, dass sie sich nur wenige Tage zuvor der Gewerkschaft Communication Workers of America anschließen wollten.

Facbook, Google und Co rollen roten Teppich aus

In den USA sind nach jüngsten Zahlen des Arbeitsministeriums rund 10,7 Prozent der Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert - nur rund halb so viele wie 1983. Die höchste Quote gibt es dabei im öffentlichen Sektor, etwa bei Lehrern oder Feuerwehrleuten. Bei den technischen Dienstleistungen sind hingegen nur verschwindend geringe 1,7 Prozent Gewerkschaftsmitglied.

Ein Grund dafür ist die hohe Fluktuation im Silicon Valley. Die Entstehung eines Verbundenheitsgefühls der Angestellten wird dadurch erschwert." Wenn du ein Problem hast, packst du einfach deine Sachen und nimmst einen anderen Job an", sagt etwa Westergard.

Ihren Anteil daran haben auch die großen Unternehmen, die der Idee von Gewerkschaften eher ablehnend gegenüberstehen. Zugleich sind Facebook, Google und andere Konzerngiganten dafür bekannt, ihren Angestellten den roten Teppich auszurollen: etwa mit Unternehmensanteilen, speziellen Pendlerbussen, Fahrrädern oder sogar Tanzstunden. Streikende Programmierer vor den Werktoren der Digitalkonzerne, die neue Informatik-Talente oder gar Investoren abschrecken, lassen sich so relativ zuverlässig vermeiden.

Steigende Gewerkschafts-Aktivitäten

Trotzdem gebe es im Silicon Valley "viele Aktivitäten" von Angestellten, sich zu organisieren. Besonders bei Arbeitskräften, die sich bei Websites und Onlinemedien verdingen, gibt es demnach ein Gefühl von Unsicherheit. Wenn etwa ein Start-up scheitere, lösten sich auch alle für den eigenen Arbeitseifer erhaltenen Aktien in Luft auf. Die Antwort von den Unternehmern sei allerdings immer die gleiche: "Gewerkschaften nicht erlaubt."

Ein gesundes Interesse von Silicon-Valley-Angestellten an gewerkschaftlicher Organisation, sieht nun David Judd von der Tech Workers Coalition. Denn Probleme gäbe es genug: etwa zermürbende Arbeitszeiten für Entwickler oder Fälle von Sexismus oder Rassismus am Arbeitsplatz.