Sämtliche Flüge von und nach Griechenland sind aufgrund der Streiks ausgefallen. Doch viele Arbeitnehmer konnten nicht zum Streik bewegt werden. Eine Mehrheit der Griechen unterstützt das Sparprogramm.
Aus Protest gegen das Sparprogramm der griechischen Regierung haben die Gewerkschaften das öffentliche Leben am Mittwoch weitgehend lahmgelegt. Vor allem im Bereich Verkehr dürfte fast nichts mehr gehen. Bereits seit Mitternacht sind sämtliche Flüge von und nach Griechenland wegen der Beteiligung der Fluglotsen ausgefallen. Auch die Fähren zu den griechischen Inseln und die Eisenbahn werden bestreikt. Die U-Bahnen und viele Buslinien in Athen und Thessaloniki fahren ebenfalls nicht.
Geschlossen blieben auch alle staatlichen Behörden, die meisten Schulen und die Universitäten. Die Ärzte in öffentlichen Krankenhäusern behandeln nur Notfälle. In Radio und Fernsehen gab es keine Nachrichten, es erschienen auch keine Zeitungen. Der Streik richtet sich gegen das schmerzhafte Sparprogramm der Regierung, die damit gegen die massive Staatsverschuldung ankämpft.
"Das Volk ist wichtiger als die Märkte"
Zu Mittag wollten die Streikenden im Zentrum Athens unter dem Motto "Den Preis der Krise sollen die Verantwortlichen zahlen" demonstrieren. In der Hauptstadt waren Transparente mit der Aufschrift zu sehen: "Das Volk und seine Bedürfnisse sind wichtiger als die Märkte."
Die Regierung spare an der falschen Stelle, kritisierte der Vorsitzende des Gewerkschaftsverbands GSEE, Yannis Panagopoulos. "Wir fordern eine gerechte Verteilung der Lasten, damit Gehaltsempfänger und Rentner nicht den Preis für eine Krise zahlen, für die sie nicht verantwortlich sind." Gewerkschaftssprecher Stathis Anestis bezeichnete die Sparpläne sogar als kontraproduktiv: "Wenn alle diese Maßnahmen umgesetzt werden, wird die Arbeitslosigkeit in die Höhe schießen. Unser Land wird in eine massive Rezession abrutschen."
Frachter und Tanker fuhren normal
Die Gewerkschaften konnten die Arbeitnehmer in den beiden wichtigsten Bereichen der griechischen Wirtschaft, des Tourismus und der Handelsschiffart, allerdings offenbar nicht zum Streik bewegen. Alle griechischen Frachter und Tanker fuhren normal. Das Hotelpersonal ging nach Angaben von Athener Hoteliers fast ohne Ausnahmen zur Arbeit. Auch viele Volksschullehrer unterrichteten trotz des Streiks ihre Klassen. Geschäfte und Supermärkte waren landesweit geöffnet.
Jüngsten Umfragen zufolge unterstützt eine Mehrheit der Griechen das Sparprogramm der Regierung. In einer am Sonntag von der Zeitung "Ethnos" veröffentlichten Erhebung erklärten 57,6 Prozent der Befragten, die bisher angekündigten Schritte gingen "in die richtige Richtung". 75,8 Prozent forderten, die Gewerkschaften sollten sich mit Protestaktionen zurückhalten.
Haben "kein Geld"
Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte auf die Streikankündigung mit dem Hinweis reagiert, er habe zwar "Verständnis dafür", es gebe aber einfach "kein Geld". Das harte Sparprogramm der sozialistischen Regierung sieht unter anderem einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst und Gehaltskürzungen für Beamte vor. Griechenland hat Schulden von fast 300 Milliarden Euro. Die EU-Kommission hat die griechischen Staatsfinanzen unter ihre ständige Aufsicht gestellt.
Eine Erhöhung der Mehrwertsteuern in den kommenden Wochen gilt als sicher. Drastisch erhöht wurden bereits die Steuern auf Tabak, Spirituosen und Treibstoffe. Die Regierung will mit diesen Sparmaßnahmen das massive Haushaltsdefizit von zuletzt 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um mindestens vier Prozentpunkte senken.
(APA)