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Sendemasten: Sprengung mit hunderten Zusehern

Volksfeststimmung auf dem Bisamberg – Bewohner machte Probleme.

WIEN/LANGENZERSDORF. Österreich höchstes Bauwerk wurde am Mittwoch planmäßig gesprengt: Der 265 Meter hohe Sendemast auf dem Bisamberg an der Grenze zwischen Wien und Niederösterreich knickte um 15 Uhr nach mehreren Detonationen zu Boden. Der zweite Mast, 120 Meter hoch, war schon gegen 12.45 Uhr gefallen.

Attraktion war aber zweifellos die Sprengung des großen Sendemasts. Schon kurz vor 14 Uhr ziehen hunderte Schaulustige bei sonnigem Wetter von Langenzersdorf auf den Bisamberg. Viele mit Wanderausrüstung, andere mit Kinderwagen und Hund. Auch Mountainbiker quälen sich durch die enge und stark verparkte Straße auf den Berg. „Das wird Ihrem Hunderl aber gar net g'fallen“, meint ein schon beim Anstieg mit Ohrenstöpsel bestückter älterer Herr zu einer Dame mit Dackel. „Mein Bärli is das doch gewohnt. Dem macht net amal Silvester was aus“, antwortet die Hundebesitzerin. Sie ist wiederum mit einem Feldstecher ausgerüstet.

In den eingegrenzten und von Securitys bewachten Zuschauerzonen wimmelt es von Kameras und Stativen. Dort beobachten auch zahlreiche Anrainer die Sprengung. „Unser Ort verliert sein Wahrzeichen“, meint ein Langenzersdorfer betrübt. Getränke werden ausgeschenkt, zwei Damen haben es sich in Campingstühlen gemütlich gemacht. „Noch fünf Minuten! Hoffentlich sind sie dieses Mal pünktlich“, ereifert sich ein Zuseher, der schon seit dem Vormittag ausharrt. Zu Mittag gab es eine Verzögerung: Ein Bewohner in der Sperrzone hatte sich geweigert, sein Haus zu verlassen. Die Polizei musste ihn „überreden“. Aber am Nachmittag läuft alles nach Plan: Pünktlich um 15 Uhr fällt der Stahlmast in sich zusammen. Die Masse applaudiert. „Wahnsinn, unter meinen Füßen hat's so richtig vibriert“, sagt ein Bub, der mit dem Handy mitgefilmt hat. Sein Freund schüttelt nur verwundert den Kopf. Minuten später wälzen sich die Menschenmassen ins Tal.

Für die Abbruchfirma beginnt jetzt die Arbeit. Die Reste der beiden Masten sollen wiederverwertet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2010)