Die Monate nach dem "Anschluss": Hexensabbat in Städten und Dörfern

Die Nazis sind da, und jetzt ist alles möglich. Österreich nach dem "Anschluss".
Die Nazis sind da, und jetzt ist alles möglich. Österreich nach dem "Anschluss". (c) Anonym / Imagno / picturedesk.co (Anonym)
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In den Monaten nach dem „Anschluss“ kam es in Österreich zu einer auf ihre Art singulären Verbindung von Gier und widerwärtigstem Sadismus. Hexensabbat überall in Städten und Dörfern. Fallbeispiele aus den Akten der Nachkriegsjustiz.

Österreich hat des Jahres 1938 feierlicher, würdiger, ausführlicher als in früheren Jahren gedacht. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, ein Bann sei gebrochen. Und doch blieb etwas unterbelichtet – nämlich das ganze Ausmaß, in dem sich 1938 sofort nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht die niedrigsten Instinkte austobten.

Zwischen der Befreiung und den Jahren des großen Vergessens liegen die Jahre, in denen sich die österreichische Justiz den NS-Verbrechen stellte. Die Erinnerung an die Verbrechen war zu frisch, um darüber hinwegzugehen. Außerdem sorgten gerade erst aus dem KZ befreite Politiker, nicht zuletzt Leopold Figl, noch voll der antinazistischen Emotionen, für harte NS-Gesetze, die sie gerne wieder losgeworden wären, als sich herausstellte, dass gegen die „Ehemaligen“ keine Politik mehr möglich war. Noch vor dem Staatsvertrag 1955 wurde verdrängt und vergessen, was in diesen Verfahren zum Vorschein gekommen war. Alles hier Geschilderte aus den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach dem 12. März 1938 kam ab dem Sommer 1945 vor Wiener Senaten zur Sprache.

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