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Strolz über Oppositionsarbeit: "Jeden Tag eine kleine Dosis Selbstvergiftung"

Neos-Gründer Matthias Strolz
Neos-Gründer Matthias StrolzClemens Fabry
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Der Neos-Chef will nicht vor März nächsten Jahres in eine Vollzeitbeschäftigung gehen. Emmanuel Macron will er einen Brief schreiben - ebenso Bono Vox von U2.

Er sorgte in der Vorwoche für Erstaunen in der österreichischen Innenpolitik: Matthias Strolz kündigte seinen Rücktritt als Neos-Parteichef und Klubobmann an. Warum gerade jetzt? Seine Antwort fiel bisweilen vage aus: Er wollte den Zeitpunkt seines Abganges selbst bestimmen, meinte er. Im "Kurier" fügte er nun hinzu: "Diese Entscheidung habe ich für mich zum Jahreswechsel getroffen." Einer seiner Schwestern habe er noch um Weihnachten davon erzählt, seiner Frau zu Jahresanfang. Und er räumte ein: "Vor drei Wochen gab es eine Phase, wo meine Frau deswegen ihre Stimme verlor. Es ist eine wahnsinnige Bürde, zu wissen, da kommt eine Entscheidung, die Hunderte betrifft und man darf nicht darüber sprechen."

Die Reaktionen seiner Töchter seien sehr unterschiedlich ausgefallen: "Die älteste Tochter wollte, dass ich noch vier Jahre bleibe (...) Die Jüngste hat die Sorge, wenn der Papa nun arbeitslos ist, ob die Familie in der Wohnung wird bleiben können." Er selbst fühle sich jetzt jedenfalls auch erleichtert, seine Entscheidung öffentlich gemacht und den Wechsel an der Parteispitze eingeleitet zu haben, so Strolz.

Was waren nun aber die Motive? "Oppositionsarbeit bedeutet, in der Früh aufzustehen und nachzudenken: Was und wen kritisiere ich heute? Das kostet mich unglaubliche Überwindung", meinte Strolz. "Dieses Kritisieren als Opposition habe ich zwar gelernt, es erfüllt aber nicht mein Herz." Im Gegenteil: "Wenn ich zehn Jahre Opposition gemacht hätte, hätte ich jeden Tag eine kleine Dosis Selbstvergiftung aufgenommen, die sich irgendwann auf meine Gesundheit geschlagen hätte."

"Nicht erst gehen, wenn man gesundheitlichen Schaden nimmt"

Angesprochen auf den Rücktritt von Grünen-Chefin Eva Glawischnig, sagte Strolz, er sei davon im Vorjahr geschockt gewesen: "Ich glaube, wir sind uns einig, man sollte aus einer Spitzenfunktion nicht erst dann gehen, wenn die Belastung einen so abgenutzt hat, dass man gesundheitlichen Schaden nimmt. Das wünsche ich keinem, und das wollte ich mir selbst auch ersparen."

Wie es nun mit ihm persönlich weitergehen werde? Das wisse er noch nicht, so der Vorarlberger. Seine innere Stimme rate ihm, sich für diese Entscheidung Zeit zu nehmen: "Ich habe mir vorgenommen, nicht vor März nächsten Jahres in eine Vollzeitbeschäftigung zu gehen."

Ob sein Polit-Ausstieg endgültig sei? "Endgültig ist gar nichts", betonte Strolz darauf. "Ich bin 45 Jahre alt. Vielleicht will ich in 20 Jahren als Bundespräsident kandidieren; aber vielleicht bin ich dann auch auf ganz anderen Pfaden unterwegs. Mich interessiert die internationale Friedensarbeit."

Das Jahr 2019 werde eine "Weichenstellung für Europa" sein, er habe "die Vision, dass Emmanuel Macron hier mit uns marschiert". Kommende Woche "bekommt er einen Brief von mir", kündigte der Neos-Gründer an. "Wenn er mich dann treffen will, bin ich im nächsten Flieger nach Paris. Auch Bono Vox von U2 wird einen Brief von mir bekommen."

>>> Strolz im "Kurier"

(Red.)