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Mein Boot, mein Haus

Mit Bootshalle. In Gmunden geplant: 16 Apartments und 21 Liegeplätze für Boote.
Mit Bootshalle. In Gmunden geplant: 16 Apartments und 21 Liegeplätze für Boote.(c) ZoomVP
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Wer sein Wasserfahrzeug standesgemäß parken möchte, muss Glück haben. Und ein großes Budget. Oder Einfallsreichtum zeigen.

„Boje-Steg-Bootshaus“: So lautet die Steigerungsformel in Sachen Luxus-Liegenschaften am Wasser. Letzteres gehört zu den begehrtesten Dingen überhaupt – zumal es aus wasser- und umweltschutzrechtlichen Gründen kaum noch Genehmigungen für den Bau neuer Bootshäuser gibt. Deshalb kann sein Vorhandensein durchaus den Ausschlag geben für den Kauf eines der Millionenobjekte an den heimischen Seen, weiß Alexander Kurz, Inhaber der gleichnamigen Salzburger Realkanzlei: „Bei einer Seeliegenschaft ist ein Bootshaus oft entscheidender Kauffaktor“, sagt der Makler, der viele Kunden im Salzburger Seengebiet und dem Salzkammergut betreut.

In Kärnten sieht es nicht anders aus, berichtet Thomas Hopfgartner, Geschäftsführer von Living de Luxe Real Estate mit Büros in Wien und Velden. „Sie sind ein großes Kriterium, abhängig natürlich von der Preisklasse der Immobilie.“ Kaufe jemand ein Anwesen um acht Millionen Euro gehe es kaum ohne, bei einer Wohnung um „nur“ 900.000 Euro sei man kompromissbereiter. Dabei sind Bootshäuser eine absolute Rarität, „und es gibt keinen Nachschub“, erzählt Hopfgartner. Gesetzliche Bestimmungen machen Neubauten unmöglich, auch an Stegen darf nicht „nachgerüstet“ werden. Was – theoretisch – geht: Ein Bootshaus abzulösen. „Also jemanden finden, der seines abgibt, es dort abreißen und am eigenen Seegrundstück wieder aufbauen“, beschreibt Hopfgartner eine (rare) Alternative.

Ausweichmanöver. „Als Notlösung wird von manchen Klienten ein Liegeplatz in einem nahen Yachtclub beziehungsweise Bootshaus akzeptiert“, kennt Kurz ebenso Ausweichszenarien. Eine solche „Notlösung“ mit angeschlossenen Apartments betreibt etwa das oberösterreichische Bootsbauer-Unternehmen Frauscher am Traunsee, auch hier sind überdachte Liegeplätze schwer begehrt. „An unseren Stegen und im Bootshaus liegen rund 200 Boote, aber die Nachfrage ist so hoch, dass es nie genug sein kann“, erzählt Geschäftsführer Stefan Frauscher. Wenn Liegeplätze frei werden, handle es sich fast immer um Todesfälle oder Scheidungen, oder die Bootseigner ziehen weg. „Auch dann ist nur ganz kurz etwas frei“, so der Inhaber der Frauscher Bootswerft GmbH. Ähnlich verhält es sich mit den 15 Apartments, die oberhalb des Bootshauses von April bis Oktober in Jahresverträgen vermietet werden: „Wer hier wohnt, hat sein Boot unterhalb in der Halle liegen und will entsprechend nah wohnen.“

Denn ein Bootshaus ist nicht nur ein Prestigeobjekt ersten Ranges, sondern wirklich praktisch für den Eigner. „Es macht das Bootsfahren viel bequemer“, so Frauscher: Mit einem Liegeplatz im Haus muss man das Boot nicht mühsam mit einer Persenning abdecken, dank des Bootslifts fallen außerdem alle Mühen rund um das Thema Überwintern weg. Komfortabel, zumal wenn man auf Services wie einen „Marinero“ zurückgreifen kann. „Das sind junge Damen oder Herren, die für uns im Sommer arbeiten und per Handy erreichbar sind“, erklärt Frauscher. Die Marineros empfangen das Boot am Steg, sind beim Ein- und Aussteigen behilflich und vertäuen das Boot, wenn die Eigner schon auf dem Weg zum nächsten Freizeitvergnügen sind.

Bewilligungen und Bauprojekte. Annehmlichkeiten, die sich gerne mehr Bootseigner gönnen würden, allein: Niemand kann eben einfach ein Bootshaus bauen, auch die Genehmigung für das Frauscher’sche Bootshaus war ein Glück im Unglück. „Das haben wir einem Brand im Jahr 2000 zu verdanken, als ein benachbartes Bootshaus Feuer gefangen hat und unser altes mit abgebrannt ist“, erzählt Frauscher. Außerdem gebe es abseits der Bewilligungsproblematik nur wenige geeignete Grundstücke. Wobei mancher Immobilienbesitzer weder Kosten noch Mühe scheue, um sich den Traum vom Haus fürs Boot zu erfüllen. „Ich kenne einen Eigentümer, der die Tiefgarage seines Hauses in eine Bootshalle umgewandelt und einen Kanal zum Ufer gegraben hat“, schmunzelt Frauscher.

Grundsätzlich sei eine solche Variante rechtlich deshalb möglich, weil das Bootshaus nicht direkt am Ufer, sondern auf dem Grundstück liegt – ein Modell, das sich jetzt auch die Maximilianhof Immobilien GmbH in Gmunden zunutze macht: Auf dem Gelände der ehemaligen Kösslmühle sollen bis Anfang 2020 luxuriöse Eigentumswohnungen entstehen, von denen aus es sich per gläsernem Aufzug direkt bis in die darunter liegende Bootshalle fahren lässt. „Eine vergleichbare Anlage gibt es bisher nur in Stockholm“, berichtet Maximilianhof-Geschäftsführer Siegfried Spiessberger von der Inspiration für sein Projekt. „Wir haben ewig nach einem Grund gesucht, auf dem das möglich war.“

Gefunden wurde dieser in bester Lage von Gmunden, 200 Meter vom Stadtplatz entfernt. Jetzt werden Bewilligungen eingeholt, im Frühjahr 2019 soll mit dem Bau begonnen werden. Die gröbsten Probleme seien aus dem Weg geschafft, versichert Spiessberger, der anfangs mit einigem Gegenwind der Anwohner zu kämpfen hatte. „Das betraf aber nicht unsere Idee, sondern ein Vorprojekt, das dort siebengeschoßig mit 80 Einheiten gebaut werden sollte.“ Dagegen hätten sich die Anwohner zu Recht gewehrt – teils mit Plakaten, auf denen schon Kreuzfahrtschiffe zu sehen waren, die die Traun hinauffuhren.

Der aktuelle Plan sieht nun 16 Einheiten auf drei Etagen vor – und 21 Liegeplätze in einer Art Tiefgarage für Boote. „Der längste Liegeplatz wird zehn Meter haben, einige sind mit acht Metern geplant, die meisten mit dem Standardmaß von 6,50“, sagt Spiessberger. Großteils dürften diese Liegeplätze für Elektroboote verwendet werden, da nur diese ganzjährig am Traunsee fahren dürfen, aber auch einige Motorboote könnten hier Platz finden. Sorgen um die Auslastung muss sich Spiessberger keine machen, „wir haben schon jetzt 50 Reservierungen für die Wohnungen“, freut sich der Entwickler. Wobei sein Projekt auch vom Scheitern der Pläne des Hotels Lacus Felix profitiere, wie er einräumt: „Dort sollte eine eigene Bucht gegraben werden, in der es auch Chalets mit Bootliegeplatz gegeben hätte. Für uns hat das den positiven Nebeneffekt, dass viele Leute jetzt wieder auf der Suche sind.“

Mit Picknickkorb und Aussicht. 4800 Euro wird der Wohnquadratmeter in der Kösslmühle kosten, der gehobene Parkplatz fürs Boot soll nach Spiessbergers Plänen mit einer Art Concierge-Service ausgestattet sein: „Wir planen mit der Firma Frauscher Wartungsdienste anzubieten. Und einen Service, bei dem die Boote gereinigt und mit einem Picknickkorb befüllt zum Steg vorgefahren werden, sodass man mit den Gästen nur noch zusteigen muss.“ Außerdem habe sich Architekt Simon Baderer neben den gläsernen Aufzügen auch ein gläserne Wand zwischen den Auto- und den Bootsstellplätzen einfallen lassen, damit man sein Boot schon beim Einparken sehen kann. Ein Luxus, den nicht einmal ein ganz privates Bootshaus bieten kann. 

("Die Presse", Luxury Estate, 07.04.2018)