Glosse

Melange nach Chef-Art

Das Wording hat der nächste Bürgermeister den Journalisten schon mitgegeben.

„Wiener Melange“ nennt er wiederholt sein neues Team. Das freilich eine kräftige „Chefröstung“ hat. Denn Michael Ludwig hat sich – frei nach der Methode Kurz – gleich mehrere parteinahe Experten ohne interne Hausmacht in die Regierung geholt, statt vor allem Unterstützer der ersten Stunde zu belohnen. Aber Dankbarkeit ist bekanntlich keine politische Kategorie – und das ist hier auch gut so. Denn die Mischung ist taktisch nicht schlecht. Die interessanteste Wahl ist Peter Hacker. Den wortgewaltigen Chef des Fonds Soziales Wien, der mit Ludwig oft nicht einer Meinung war, wollte schon Häupl für Gesundheit/Soziales. Hacker wird lautstark den Widerpart zum Bund besorgen und die Linken ein bisschen glücklich machen. Kathrin Gaal wiederum ist das Zunicken an die Außenbezirke, Peter Hanke das an die Bürgerlicheren (immerhin: ein Manager), und mit Veronica Kaup-Hasler gibt es eine echte Überraschung und Quereinsteigerin. Dass Ludwig das Sicherheitsthema bei sich behält, ist nicht unschlau – oder um in seiner Bildwelt zu bleiben: die Prise Kakao als Extra für den Chef.

E-Mails an: ulrike.weiser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2018)

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