Canadian CORNER

Österreichs Athleten haben wieder brav Medaillen gesammelt und trotzdem herrscht vielerorts unter sogenannten Sportfreunden Unzufriedenheit. Es ist eben leicht, von anderen eine bessere Leistung zu verlangen.

Schlechte GewinnerElisabeth Görgl stand strahlend auf dem Podest und trotzdem wurden lange Gesichter gemacht. Bei den Betreuern, bei manchen Journalisten, aber vor allem bei vielen „Sportfans“ zu Hause vor den Fernsehgeräten. „Nur“ Bronze kann man in vielen Internetforen lesen. Wieder „nur ein dritter Platz “ heißt es vielerorts. Schön langsam wird diese an den Tag gelegte Selbstherrlichkeit unerträglich. Denn diese überhebliche Unzufriedenheit ist vor allem unfair den Sportlern gegenüber. Da werden großartige sportliche Leistungen einfach ignoriert. Wenn plötzlich jemand für einen dritten Platz bei Olympischen Spielen heruntergemacht wird, dann ist doch etwas faul.

Das soll nicht heißen, dass man mit allem zufrieden sein soll. Die Winterspiele in Kanada haben mittlerweile ein gutes Dutzend Medaillen für Österreich gebracht. Natürlich darf und soll man sich über die Vorstellung des einen oder andern hoch subventionierten Skiakrobaten seine Gedanken machen. Natürlich ist Kritik erlaubt und notwendig, schließlich fließen in den Sport jährlich dreistellige Millionenbeträge an Steuergeldern. Aber ein schlechtes Ergebnis sieht anders aus.

Vielleicht erinnern sich noch einige ein paar Tage zurück. Als die Winterspiele in Vancouver angefangen und die ÖSV-Skispringer nur eine Bronzemedaille geholt haben. Auch „nur“ Bronze! Am Ende hieß es gar, die Österreicher seien schlechte Verlierer. Im Land der Selbstüberschätzung zählt die Leistung anderer nichts. Auch nicht der „eigenen“ Sportler. Von wegen schlechte Verlierer! Schön wär's. Wir sind sogar schlechte Gewinner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2010)

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