Zu Gast bei Lisa Ruyter

Am Donnerstag eröffnet in der Kunsthalle "Lebt und arbeitet in Wien", Teil drei. Mit dabei ist Lisa Ruyter. Wir besuchten die amerikanische Malerin in ihrem Wiener Atelier.

Sachte tropft es durch das Glasdach, aber es tropft. Das ist gerade erst passiert, beruhigt Lisa Ruyter. Ihre großformatigen Bilder hat sie hier im letzten Raum ihres großen Oberlicht-Ateliers, das man in diesem Keller nahe des Schwarzenbergplatzes nicht erwarten würde, sicherheitshalber dicht an die Wand gerückt. Hier residierte einst der Wiener Musikverlag, erzählt die 1968 in Washington geborene Malerin, die es Anfang der Nullerjahre nach Wien verschlagen hat. 2003 eröffnete sie sogar einen eigenen Kunstraum nahe der Schleifmühlgasse, wo ihr eigener Galerist, Georg Kargl, beheimatet ist. Aber kommerzielles Galeriegeschäft interessierte sie nicht, erzählt sie. Nach drei Jahren sperrte sie zu. Kurz überlegte sie, nach Zürich zu übersiedeln – doch die Wiener Kunstszene sei lebhafter.

Mit einigen Freunden hat sie hier jetzt begonnen, nach lebenden Modellen, also Akte, zu zeichnen. „Privat“, erklärt sie. „Offiziell“ malt sie bunte Großformate nach eigenen Fotos. Etwa vom Auftritt der „Melvins“ bei einer Party in Los Angeles oder von einer Modenschau. Zur Zeit arbeitet sie erstmals auch mit fremden, historischen Fotos, die auf ihren Bildern dann unglaublich zeitgenössisch wirken: Sie stammen von der „Farm Security Administration“, die in den 30er- und 40er-Jahren US-Kleinbauern aus der Armut helfen sollte. „Mich interessiert sehr, was mit der amerikanischen Mittelklasse passiert, die ihre Jobs verliert, in Autos wohnen muss, keine Versicherung hat“, so Ruyter. Ein Monat pro Jahr etwa ist sie in ihrer Heimat. In Wien vermisst sie am meisten das Vertrauen in die internationale Ausstrahlung der eigenen Kunstszene. Ein gutes Beispiel dafür, findet Ruyter, ist die Eröffnung der Ausstellung „Lebt und arbeitet in Wien“ in der Kunsthalle: Die meisten internationalen Galeristen und Kuratoren werden dabei fehlen. Denn sie sind in New York, bei der Eröffnung der Armory-Kunstmesse. Clemens Fabry

almuth.spiegler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2010)

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