Zum ersten Mal nicht Bronze

Benjamin Karl eroberte Silber im Parallel-Riesentorlauf. Nach Bronze durch Marion Kreiner ist es schon die zweite Medaille für Österreichs Boarder bei diesen Spielen.

Seit über zwei Jahren hat in 20 Parallel-Riesentorlauf-Weltcuprennen nur ein einziges Mal ein Fahrer gewonnen, der nicht aus Österreich oder Kanada kam. Und das war Matthieu Bozzetto. Über das französische Snowboard-Urgestein führte auch Benjamin Karls Weg ins Olympia-Finale. Dort matchte sich der Niederösterreicher mit dem kanadischen Lokalmatador Jasey Jay Anderson. Er holte mit Silber die zweite Snowboard-Medaille für Österreich bei diesen Spielen und die erste der Geschichte, die nicht in Bronze schimmert.

Es war ein Duell auf höchstem Niveau. Auf der einen Seite der amtierende Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger 2008 aus Wilhelmsburg. Auf der anderen Seite der fünffache Weltmeister und der Sieger von 26 Weltcuprennen aus Kanada. Im ersten Lauf holte sich Karl mit einem fehlerfreien Lauf einen Vorsprung heraus. Im zweiten machte der 29-Jährige aus Quebec diesen aber ebenso souverän wieder wett, überholte Karl und sicherte sich Gold.

Es waren Andersons vierte Olympische Spiele, eine Medaille fehlte ihm bis gestern in seiner Sammlung allerdings noch. Auch für Karl war es das erste olympische Edelmetall, es waren aber auch erst die ersten Spiele des 24-Jährigen Weltmeisters.

Weit weniger erfolgreich lief es bei dichtem Nebel und starkem Regen für Österreichs zweiten Medaillenkandidaten. Andreas Prommegger hatte die Qualifikation mit Bestzeit dominiert, im Achtelfinale beendete Chris Klug (USA) die Medaillenträume des Tirolers. „Ich habe nicht mehr die Sicherheit der Qualifikation gehabt“, analysierte Prommegger. Und musste zugeben: „Ich hab' einfach zu viele Fehler gemacht.“

Früh kam schon das Aus für die zwei anderen Herren im ÖSV-Team. Olympia-Rookie Ingemar Walder und Routinier Sigi Grabner scheiterten schon in der Qualifikation. Grabner hatte Riesenpech, der Bronzemedaillen-Gewinner von Turin 2006 stürzte und flog mit voller Geschwindigkeit in den Fangzaun. Sein Board konnte der Wucht des Aufpralls nicht standhalten.

Zwei Monate musste der Routinier aus Kärnten wegen einer Knöchelverletzung pausieren, erst wenige Tage vor Beginn der Spiele stand er wieder auf dem Board. „Ich bin gut weggekommen und habe mich super gefühlt“, sagte Grabner enttäuscht. „Nach einem leichten Fahrfehler hat es mich ausgedreht.“ Zumindest blieb sein verletzter Fuß heil. Auf die Frage, ob er noch eine Saison dran hängt, sagte Grabner: „Ich werde den Fuß jetzt einmal ganz ausheilen lassen, dann schau' ich weiter.“
Bronze für Marion Kreiner. Mehr Glück hatte Marion Kreiner am Freitag, sie konnte sich über Bronze im Parallel-Riesenslalom freuen. Nur einmal musste sie sich bei strömendem Regen geschlagen geben. Im Semifinale verlor sie gegen die spätere Silbermedaillengewinnerin Ekaterina Ilyukhina.

Dabei ging Kreiner mit 1,50 Sekunden Vorsprung auf die Strecke. „Wenn ich hierher komme, will ich auch gewinnen“, sagte die Weltmeisterin. Deshalb hat sie am Ende zumindest Silber verloren. „Ich habe im oberen Teil die Linie anders angelegt“, erzählt sie. „Diese Linie war schneller, aber auch gefährlicher“, gab sie zu. „Es hat mich verschlagen, das war's dann.“ Ihr Mut zum Risiko wurde nicht belohnt.

Für den Finaleinzug wäre die schnelle Linie zwar nicht notwendig gewesen, im Finale aber schon. Denn dort hätte die Niederländerin Nicolien Sauerbreij gewartet. Die Holländerin ist bekannt dafür, dass sie keine Fehler macht. „Sie ist nicht die Schnellste, aber die Konstanteste“, meint Kreiner. Diesmal ging Gold an die Konstanteste, Bronze an die Schnellste.

Im kleinen Finale setzte sich die 28-Jährige gegen die Deutsche Selina Jörg klar durch. Schnell verflog die Wehmut über das verpasste Finale. Denn jede olympische Medaille „ist für den Snowboardsport sehr wichtig.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2010)

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