Die Skifahrer haben zwar als Medaillenzugpferd bei Olympia ausgedient, trotzdem werden Skirennen auch weiterhin für Einschaltquoten im Fernsehen sorgen – und nicht Rodelrennen.
Natürlich werden bei Olympischen Spielen die Erfolge mit Medaillen gemessen. Und in dieser Bilanz schneidet Österreich gut ab. Die dritterfolgreichsten Spiele, heißt es. Freilich kann man diese Spiele längst nicht mehr mit jenen vor dreißig Jahren vergleichen. In Lake Placid holte Österreich eine Handvoll Medaillen, und die ganze Nation war selig. Damals gewann dieses Land eben noch beide Abfahrtsrennen, und alles andere interessierte kaum jemanden. Abgesehen vom Skispringen vielleicht. Wer hätte einst gedacht, dass Österreich einmal in den anderen nordischen Disziplinen Weltklasse sein könnte?
In Vancouver haben die österreichischen Athleten in allen Sportarten brav Medaillen gehamstert. Auch beim Skifahren. Österreichs Damenteam hat sogar eine großartige Vorstellung abgeliefert. Aber offenbar sind wir in diesem Land im Sport noch immer ziemlich – drücken wir es höflich aus – unemanzipiert. Da zählen offensichtlich nur die Leistungen der Männer. Und die blieben diesmal eben weit unter den Erwartungen. Natürlich kann man sagen: „Pech!“ Aber es ist eben einmal so, dass die Guten in der Regel weniger Pech haben als die Schlechten.
Trotz Pech und Blech wird sich in der Wahrnehmung des Wintersports hierzulande nichts ändern. Denn am Ende werden Spiele nicht nur in Medaillen abgerechnet, sondern in Einschaltquoten und in Werbewirksamkeit. Und da mögen die Brüder Linger und Linger noch so tolle Burschen sein, ein Skirennen lässt sich besser vermarkten. Da mögen die Snowboarder und Skicrosser noch so tolle Vorstellungen abliefern, am Ende entscheiden nicht ihre Silber- und Bronzemedaillen, sondern der Markt. Und auf dem kleinen österreichischen Werbe- und Sponsorenmarkt gibt es abseits der Alpinen wenig zu holen. Etwas differenzierter ist die Sicht höchstens bei den Biathleten. Dieser Sport scheint wie geschaffen für das Fernsehen. Er ist eigentlich nur im Fernsehen wirklich überschaubar. Mit den tollen Erfolgen der Österreicher hat sich hier in der öffentlichen Wahrnehmung schon einiges verändert.
Das große Geld wird aber wie immer bei den Skirennen zu holen sein. Skifahren steckt eben in der DNA des heimischen Sportfans. Da mögen die Schweizer mit uns noch so Schlitten fahren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2010)