Kevin Martin führt das kanadische Curlingteam zu Gold. Als er im Finale gegen Norwegen den letzten Stein aufs Eis setzt, skandieren die Menschen die kanadische Hymne.
VANCOUVER. Das Finale gegen Norwegen war keine dramatische Angelegenheit. Viel zu überlegen spielte das kanadische Curlingteam rund um Skip Kevin Martin. Es war kein sportliches Highlight, aber es war eine große patriotische Stunde für Kanada. Denn auf dem Eis sahen die knapp 6000 Zuschauer im ausverkauften Olympic Centre von Vancouver wohl eine der besten Curling-Mannschaften aller Zeiten.
„Es war eine wunderbares Gefühl, wir spielten von Mal zu Mal besser“, sagte Martin nach dem 6:3 Triumph gegen Norwegen. Der 43-jährige „Old Bear“, wie er in Kanada genannt wird, hatte ein souveränes Turnier absolviert, gewann sämtliche Partien ziemlich klar, nur einmal gegen den Erzrivalen Großbritannien wurde es eng. Als die Briten gefährlich wurde, stand die Menge auf den Tribünen schon einmal auf und intonierte die kanadische Hymne.
Diese Episoden zeigen, was Curling in Kanada bedeutet. Es ist ein Nationalsport, kommt in der Popularität nach Eishockey. Seit 1998 ist Curling olympisch.
„Wir haben vermutlich gegen eines der besten Teams aller Zeiten verloren“, sagte der norwegische Trainer Pal Trulsen. Jener Mann, der den alten Bären 2002 in Salt Lake City erlegt hatte. Damals versagten Kevin Martin die Nerven im Finale. Nun hatte ihm das Schicksal wieder die Norweger im Finale beschert. Gemeinsam mit Kollegen Ben Hebert, Marc Kennedy and John Morris erfüllte er diesmal die Mission Gold.
Alles andere hätte die Curling-Nation auch erschüttert. Denn tags zuvor kassierte das kanadische Frauenteam eine bittere Finalniederlage gegen Schweden.
Die Norweger waren im Turnier weniger durch ihr Spiel, als vielmehr mit ihren buntkarierten Hosen aufgefallen. „Es ist vorbei“, meinte Skip Thomas Ulsrud. „Dabei dachte ich, dass wir in diesen Hosen unbesiegbar sind. Aber diese Burschen spielten heute einfach perfekt“, musste Ulsrud zugeben.
Der alte Bär ist am Ziel. Er ist endgültig in Kanada zur Legende geworden. „Der Mann mit der magischen Hand“ wird er genannt, weil er vor allem mit dem letzten Stein oft außergewöhnliche Spielzüge vollzieht.
„Wir freuen uns, dass wir das geschafft haben. Vor allem auch für Kevin. Es wäre bitter gewesen, hätte er zu Hause wieder Silber gewonnen“, sagte John Morris.
Kevin Martin wollte von einer Genugtuung und einer Revanche für 2002 nichts wissen. „Ich bin auch stolz auf meine Silbermedaille. Aber mit einem Sieg hier in Kanada ist ein großer Traum wahr geworden“, meinte der alte Bär, der vor allem aber auch ein echter Sir ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2010)