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Les Eaux de Chanel: Parfümierte Postkarten

Frische Brise. ­Deauville liegt in der Normandie. Chanel entwarf hier marine Mode, der Duft aber ist grün wie ein Landspaziergang.
Frische Brise. ­Deauville liegt in der Normandie. Chanel entwarf hier marine Mode, der Duft aber ist grün wie ein Landspaziergang.(c) Chanel/ Bibliothèque nationale de France
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Urlaubsgrüße aus Venedig, Biarritz und Deauville: Olivier Polge besucht mit einer Dufttrilogie Reiseziele von Gabrielle Chanel.

Wer auf Französisch sagt, er werde bald „prendre les eaux“, erzählt nicht von seinem Bedürfnis des Großdurststillens, sondern kündigt einen bevorstehenden Urlaub in einem Thermalbad an: Sanus per aquam ist das Prinzip, landläufig als Spa bekannt. Die Wellness- und Wohlbefindensassoziation ist somit der neuen Parfumtrilogie von Chanel namens „Les Eaux“ in den Namen geschrieben. Noch deutlicher geht diese gedankliche Verbindung daraus hervor, dass jede der drei Kreationen von Olivier Polge, Hausparfümeur der Luxusmarke, als Hommage an einen konkreten Ort zu verstehen ist, der als beliebtes Reiseziel eine wichtige Rolle im Leben von Gabrielle „Coco“ Chanel gespielt hat.

Opulent. In Venedig entdeckte Chanel ihren Hang zum Barocken. „Paris – Venise“ ist ein warmer, mit Vanille und Iris angereicherter Duft.
Opulent. In Venedig entdeckte Chanel ihren Hang zum Barocken. „Paris – Venise“ ist ein warmer, mit Vanille und Iris angereicherter Duft.(c) Chanel/Photo V.H. Grandpierre / Courtesy of Vogue Paris

Deauville etwa ist jener Ferienort an der Normandieküste, den die Pariser Gesellschaft wegen seiner leichten Erreichbarkeit schätzte: Bereits 1912 eröffnete Gabrielle Chanel hier eine Boutique – die marin inspirierte Mode, die sie hier verkaufte, ist übrigens der Hamburg gewidmeten aktuellen Métiers-d’art-Kollektion von Karl Lagerfeld nicht unverwandt. Auch nach Biarritz zog es Chanel relativ früh, denn hierher reiste die sportbegeisterte Hautevolee der 1910er-Jahre, die sie als ihre Klientel identifizierte. Venedig wiederum – die erste Stadt außerhalb Frankreichs, in die die Modemacherin reiste – gilt als Ort, an dem sie ihre Vorliebe für opulentere Formen, für „le baroque“ mit all seinen Spielarten, entdeckte.

Zitrusnoten. Diesen drei Orten mit klingenden Namen (Deauville ist hierzulande wohl der am wenigsten bekannte) sind nun also die drei neuen „Wässer“ gewidmet, die Olivier Polge eineinhalb Jahre lang konzipiert und verfeinert hat. Als Hausparfümeur von Chanel tritt er in die Fußstapfen seines Vaters Jacques, und mit „Les Eaux“ nähert er sich nun dem Duftgenre eines Eau de Cologne an, das er zugleich variiert und verfeinert. „Der ursprüngliche Gedanke war tatsächlich, eine Kollektion von Colognes zu schaffen. Davon sind wir in der Folge zwar abgekommen, die drei Düfte weisen aber einige Charakteristika des Genres auf“, sagt Polge bei einer Präsentation der Düfte an der Place Vendôme in Paris.

Bon voyage. Reiseleiter durch die Duftwelt: Olivier Polge.
Bon voyage. Reiseleiter durch die Duftwelt: Olivier Polge.(c) Chanel

Markant sind jeweils die Zitrusnoten im eröffnenden Akkord: Orangenschale und Bitterorangengrün bei „Paris – Deauville“, Grapefruit und Mandarine bei „Paris   – Biarritz“ und wärmende Neroli-Blüte in der Komposition „Paris – Venise“. Diese sind aber jeweils mit floralen Komponenten und anderen Inhaltsstoffen kombiniert, die jedem Duft seinen Charakter verleihen und ihn mit der Idee des jeweiligen Ortes verbinden. „Ich kenne die drei Städte“, sagt Olivier Polge, „und habe sie während des Kreationsprozesses nicht eigens neu besucht. Der Beruf des Parfümeurs ist sehr abstrakt, ich arbeite mit Ideen und Vorstellungen, schöpfe aus meiner sehr subjektiven Gedankenwelt. Darum trägt jeder Duft unweigerlich meine Handschrift. Die Herausforderung besteht darin, diese Signatur mit dem Charakter der Chanel-Parfums zu verbinden.“

Am Ozean. Seine Dufthommage an ­Biarritz legt Polge überraschend an: als ein Zusammenspiel von Maiglöckchen und frischem Vetiver.
Am Ozean. Seine Dufthommage an ­Biarritz legt Polge überraschend an: als ein Zusammenspiel von Maiglöckchen und frischem Vetiver.(c) CHANEL / Bernstein Gruber Collection

Der fast ein Jahrhundert währenden Parfumtradition des Hauses Chanel („N°5“ wurde 1921 lanciert) fühlt sich Polge mehr verpflichtet als wechselnden Moden und Vorlieben. Den floralen Charakter, den seine neuesten Kreationen jeweils aufweisen (Jasmin, Maiglöckchen, Iris und Geranie), sieht er als typisch für die Duft-DNA des Maisons. Die Aufgabe, die er sich selbst gestellt hat, ist dabei ebenso klar formuliert wie schwierig zu erreichen: „Ich strebe danach, Parfumklassiker für Chanel zu kreieren, und will nicht wechselnde Geschmäcker bedienen.“ Bon voyage!

Der Autor reiste auf Einladung von Chanel nach Paris.