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Harvey Weinstein stellt sich Polizei und wird festgenommen

Harvey Weinstein wird in Handschellen abgeführt.
Harvey Weinstein wird in Handschellen abgeführt.(c) AFP
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Dem einst einflussreichen Filmproduzent Harvey Weinstein werden eine Vergewaltigung und mehrere weitere sexuelle Vergehen vorgeworfen. Vermutlich wird er gegen eine Kaution von einer Million Dollar freigelassen und muss dann eine Fußfessel tragen.

Der Ex-Hollywood-Produzent Harvey Weinstein ist am Freitag formell einer Vergewaltigung und mehrerer weiterer sexueller Vergehen beschuldigt und festgenommen worden. Das teilte die Polizei in New York mit, der sich Weinstein zuvor gestellt hatte. Mehr als hundert Frauen, darunter zahlreiche Stars, werfen dem 66-Jährigen vor, sie sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Die Ermittlungen laufen seit Monaten. Auch Behörden in London und Los Angeles ermitteln.

Der 66-Jährige wurde in Handschellen aus der Polizeiwache geführt. Dutzende Journalisten und Schaulustige standen vor dem Gebäude. In der kurzen Erklärung der Polizei hieß es Weinstein sei "festgenommen, erkennungsdienstlich behandelt und der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen, des sexuellen Missbrauchs und sexuellen Fehlverhaltens in zwei verschiedene Frauen betreffenden Fällen beschuldigt" worden.

Den US-Berichten zufolge soll Weinstein zunächst von der Polizei verhaftet werden. Daraufhin werde er einem Richter zur offiziellen Verlesung der Anklage vorgeführt. Seine Kautionsbedingungen seien schon im Voraus festgelegt worden. Demnach werde er eine Million Dollar (852.660 Euro) hinterlegen und sich verpflichten, ein Überwachungsgerät wie etwa eine Fußfessel zu tragen. Seine Reise-und Bewegungsfreiheit werde eingeschränkt. Seinen Pass müsse er abgeben.

"Gerechtigkeit einen Schritt näher"

Mehrere Schauspielerinnen, die Weinstein in den vergangenen Monaten sexuelle Übergriffe vorgeworfen haben, kommentierten die Nachricht von der anstehenden Verhaftung mit Erleichterung und Freude. "Heute sind wir der Gerechtigkeit einen Schritt näher gekommen", schrieb die Schauspielerin Rose McGowan auf Instagram. Möge Weinsteins Verhaftung allen Opfern, die ihre Erlebnisse schildern, Hoffnung machen, führte sie aus. Sie und andere Weinstein-Opfer hätten schon daran gezweifelt, dass er vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werde. McGowan war im vergangenen Herbst eine der ersten Frauen, die Weinstein Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe vorwarfen.

Der einst einflussreiche Filmproduzent hat Fehlverhalten eingeräumt, bisher aber Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex zurückgewiesen. Die von ihm gegründete Filmfirma hatte Weinstein nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Oktober 2017 entlassen, seine Frau hat sich inzwischen von ihm scheiden lassen.

"Ich kann es kaum erwarten", schrieb die Schauspielerin Annabella Sciorra am Donnerstag auf Twitter. Dazu verlinkte sie einen Zeitungs-Artikel mit dem Hinweis auf die bevorstehende Verhaftung. Die "Sopranos"-Schauspielerin sagte im vergangenen Oktober dem US-Magazin "The New Yorker", dass sie von Weinstein in den frühen 90er-Jahren in ihrer Wohnung vergewaltigt worden sei.

Mit "Boom" und einem Explosions-Emoji meldete sich die italienische Schauspielerin Asia Argento auf Twitter zu Wort. Sie hatte kürzlich beim Filmfest in Cannes mit einer kämpferischen Rede gegen Weinstein und sexuellen Missbrauch die Gäste bewegt. "1997 wurde ich von Harvey Weinstein vergewaltigt", sagte die 42-Jährige bei der Abschlussgala.

Vorwürfe gegen Oscar-Preisträger Morgan Freeman

Am Donnerstag war auch bekannt geworden, dass die Ermittlungen gegen Weinstein in den USA auf Bundesebene ausgeweitet worden waren. Die Ermittler wollen unter anderem herausfinden, ob der 66-Jährige etwa Frauen dazu gebracht habe, über Staatsgrenzen hinweg zu reisen, um sie belästigen zu können. Laut "New York Times" wird auch untersucht, ob Weinstein gegen das Anti-Stalking-Gesetz verstoßen habe, etwa um Opfer einzuschüchtern.

Seit Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen Weinstein wirbeln immer mehr Vorwürfe gegen prominente Filmschaffende die Branche auf. Eine unter den Schlagworten #MeToo und #TimesUp bekannt gewordene Bewegung entstand, die weitere Branchen und Länder erfasste. Nach Weinstein wurden in den USA unter anderem auch Regisseur James Toback, "House of Cards"-Star Kevin Spacey, Oscar-Preisträger Dustin Hoffman und "Rush Hour"-Regisseur Brett Ratner mit Vorwürfen sexueller Belästigung und Machtmissbrauch konfrontiert.

Am Donnerstag waren zudem Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Oscar-Preisträger Morgan Freeman bekannt geworden. "Jeder der mich kennt oder mit mir gearbeitet hat, weiß, dass ich nicht jemand bin, der absichtlich verletzen oder wissentlich jemandem ein unbehagliches Gefühl vermitteln würde", schrieb Freeman als Reaktion in einer Stellungnahme. "Ich entschuldige mich bei jedem, der sich unwohl oder nicht respektiert fühlte - das war nie meine Absicht."

 

(APA/dpa/AFP)