Wenn Pferde durchgehen

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Sprechblase Nr. 240. Warum eine Kündigung keine Entlassung ist.

Juristen, lautet das Klischee, seien pedantisch. Besonders, wenn es um Fachbegriffe geht. Mag sein. Doch diese Art der Genauigkeit zeigen viele Menschen, die ihr Ding mit Leidenschaft verfolgen. Versuchen Sie einmal, eine Kilowattstunde und Pferdestärken zu vergleichen. Oder besser: versuchen Sie eben nicht, Arbeit und Leistung gleichzusetzen. Außer Sie wollen den berechtigten Aufschrei der Naturwissenschaftler provozieren.

Manchmal ist es auch karrieretechnisch wichtig, die richtigen (juristischen) Termini zu verwenden. In den Köpfen der Personaler entstehen etwa ganz unterschiedliche Assoziationen, wenn sie hören, ein Bewerber sei gekündigt (die Kündigung bedarf keiner Begründung), oder er sei entlassen worden. In letzterem Fall muss er etwas angestellt haben (etwa Untreue, Diebstahl etc.) – also deutlich mehr als Kilowattstunden mit Pferdestärken gleichzusetzen.

 

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

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