Unternehmensjuristen

Beratende Kollegen oder lästige Hindernisse

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Sie sollen risikobewusst und entscheidungsfreudig sein, sich frühzeitig in alle Prozesse einbinden, ohne lästig zu sein: die Inhouse-Juristen. Die besten des Landes wurden übrigens gerade ausgezeichnet.

Er müsse aktuell vor allem Tempo liefern, sagt Ingo Steinwender. Oder anders gesagt: in noch kürzerer Zeit exzellent juristisch beraten. Steinwender ist Group Head of Legal bei der CA Immo und wurde mit seinem Team vor wenigen Tagen von der Vereinigung Österreichischer Unternehmensjuristen (VUJ) und Women in Law mit dem „Promoting the Best“-Award als beste Rechtsabteilung ausgezeichnet.

Wenn Tempo verlangt werde, sagt er, deute das auf eine gute Situation für das Unternehmen und einen günstigen Zeitpunkt im Marktzyklus hin. Andernfalls werde von den Unternehmensjuristen vor allem verlangt zu sparen.

Schnell arbeiten, sagt Steinwender, könne eine Rechtsabteilung dann, wenn sie frühzeitig in alle Prozesse eingebunden sei. Idealerweise sei man so etwas wie ein Business Partner, und die Juristen seien Teil des Teams. Wenn sich die Hausjuristen nicht beteiligen, dann laufen sie Gefahr, über Nacht (oder übers Wochenende) aus dem Stand Entscheidungen aus juristischer Sicht aufbereiten zu müssen – während andere Abteilungen unter Umständen Wochen Zeit hatten, an den Themen zu arbeiten.

Dabei, aber nicht lästig sein

Wie die Juristen der hausinternen Rechtsabteilung gesehen werden, sei wesentlich eine Frage der Selbstdarstellung: als beratende Kollegen oder lästige Hindernisse.

Steinwender, der mit neun Mitarbeitern an vier Standorten Liegenschaften und Projekte mit einem Wert von vier Milliarden Euro in zehn Ländern betreut, differenziert die Aufgaben in „legal doing“, die eigentliche inhaltliche juristische Arbeit, und „legal managing“, Prozesse zu gestalten und zu begleiten. In beiden Bereichen sei Perfektion gefordert.

Es ist eine wesentliche Aufgabe der Geschäftsleitung, die Rechtsabteilung als ersten Ansprechpartner für alle rechtlichen Fragen zu definieren und die Rechtsberatung zu zentralisieren. Dennoch gibt es Themen, die tendenziell an externe Juristen oder Anwälte weitergegeben werden: Wenn es um Haftungsthemen geht oder Spezialwissen gefragt ist – besonders bei grenzüberschreitenden Rechtsgeschäften. Und: wenn die eigenen Kapazitäten nicht ausreichen.

Digitalisierung lässt sich nicht delegieren

Schließlich haben es (nicht nur) Unternehmen mit einem ständig wachsenden Rechtsbestand zu tun. „Less for more“ bedeute das für viele Rechtsabteilungen, sagt Sophie Martinetz, Gründerin der Plattform Future-Law für Legal Tech und Digitalisierung im Rechtsbereich, die auch Stammtische für Unternehmensjuristen organisiert (nächster Termin: 18. Juni): „Less for more“, also mit demselben Personalstand mehr Gesetze überblicken und Aufgaben erfüllen zu müssen. Was sie aber nicht delegieren können, sei ein aktuelles Thema, mit denen sich Rechtsabteilungen aktuell in vielen Unternehmen beschäftigen müssten, sagt Martinetz: Digitalisierung.

Das heiße in einem ersten Schritt, alle Prozesse rund um die Verträge zu digitalisieren: Auf Knopfdruck zu wissen, was Inhalt bestehender Verträge sein und wo es unter Umständen Probleme geben könnte. Das heiße auch, die Vertragserstellung zu vereinfachen. Und in einem weiteren Schritt mittels künstlicher Intelligenz Verträge auszulesen.

Sag es kurz und einfach

Und was erwartet (künftige) Mitarbeiter in Rechtsabteilungen? Je nach Unternehmen müssen sie Generalisten oder Spezialisten sein. Jedenfalls aber müssen sie kommunikativ sein und in der Lage, auch komplexe Themen kurz und verständlich darzustellen. Darüber hinaus müssen sie das Geschäftsfeld des Unternehmens und Abläufe verstehen: „Sonst“, sagt Steinwender, „kann ich nicht beraten.“ Und dann benötigen Unternehmensjuristen Risikobewusstsein und Entscheidungsfreude.

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[OGY2T]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2018)