Franken-Schwäche hilft Anlegern

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Viele Schweizer Firmen leben vom Export, da sorgt ein schwacher Schweizer Franken für reichlich Rückenwind. Und eröffnet Anlegern interessante Chancen.

Wien. Die Wende kam ein wenig überraschend, als Mitte 2017 der Schweizer Franken abrupt an Wert verlor. Davor notierte er bei rund 1,10 zum Euro. Inzwischen kratzte die Gemeinschaftswährung kurzzeitig sogar an der Marke von 1,20 Schweizer Franken. Und das ist eine Entwicklung, die einer Menge eidgenössischen Unternehmen zugutekommt.

Auch jenen an der Schweizer Börse. „Der Markt ist sehr international ausgerichtet“, erklärt Eleanor Taylor Jolidon, Fondsmanagerin des Ubam Swiss Equity Fonds, der die Tabelle klar anführt. Ein steigender Schweizer Franken verteuerte folglich die Exporte ins Ausland, während zugleich Einnahmen aus den internationalen Tochtergesellschaften geschmälert wurden. Ein Umstand, der auch an der Börse Spuren hinterließ. Der SMI (Swiss Market Index) legte in den vergangenen fünf Jahren nur acht Prozent zu. Der Markt deckt zahlreiche Schwergewichte aus den Bereichen Pharma, Luxus und Industrie ab. Nestlé ist Weltmarktführer bei Lebensmitteln.

Schweizer Börse attraktiv

Umso mehr dürfte nun die Franken-Wende für Rückenwind sorgen. Hervé Mangin, Portfoliomanager des AXA WF Framlington Switzerland Fund, ist jedenfalls überzeugt, dass der Schweizer Aktienmarkt vom schwachen Schweizer Franken weiterhin profitieren sollte. „Das macht den Markt im Vergleich zu anderen europäischen Börsen attraktiv“, sagt Mangin.

Selbst für internationale Anleger. Denn steigende Kurse an der Schweizer Börse dürften den Währungsabschwung durchaus übertreffen, sagt Jolidon. Wer allerdings in der Schweiz veranlagt, der muss vor allem den Gesundheitssektor gut im Auge behalten, er macht allein im SMI gut 36 Prozent aus. Nicht ohne Grund findet man Pharmamultis wie Novartis und Roche in den Schweiz-Fonds, sie zählen aber nicht unbedingt zu den Favoriten der Expertin.

Vielmehr findet Jolidon Gefallen an Firmen aus den Bereichen der Medizintechnik, etwa an Straumann und Sonova, aber auch aus der Biotechnologie. Der Industriesektor dürfte indessen vom weltweiten Wirtschaftswachstum profitieren und biete vielen Zulieferern wie Cardex oder Interoll gute Chancen, meint Jolidon.

Vorsicht bei Konsumgütern

Auch AXA-IM-Experte Mangin hat klare Präferenzen: „Wir favorisieren Technologiekonzerne mit hoher Innovationskraft, die führend in Nischenmärkten sowohl im Bereich der Software- als auch im Bereich der Halbleiterproduktion sind.“ Hier seien Kursschwankungen aber recht hoch. Zu den größten Fondspositionen zählen laut Informationsblatt allerdings die Chemiefirmen Lonza und Sika, Finanzwerte, aber auch große Pharmatitel mit Roche und Novartis.

Vorsichtig gibt sich Mangin bei Basiskonsumgütern. Zahlreiche Unternehmen stünden vor strukturellen Herausforderungen, etwa der Alterung der Gesellschaft. Zudem wurden viele dieser Titel als Anleiheersatz gekauft, da sie oft mit lukrativen Dividenden locken. Im Zuge der Zinswende könnten aber Anleihen wieder interessanter werden. Wie es hingegen mit der Franken-Wende weitergeht, das weiß freilich niemand so genau. Während der jüngsten Börsenturbulenzen war die Währung als sicherer Hafen offenbar wieder mehr gefragt. Doch selbst eine stärkere Währung kann auch positive Seiten haben.

Effizienz ist gefragt

„So müssen sich die Schweizer Unternehmen auf eine hohe Wertschöpfung und auf Effizienz fokussieren, um langfristig erfolgreich zu sein“, betont Daniel Häuselmann, Fondsmanager des GAM Swiss Equity Fonds. Was viele Firmen ohnedies schon getan haben. Der GAM-Fonds hat im Übrigen eine hohe Gewichtung bei Gesundheit und ist bei Industrietiteln sogar stark übergewichtet.

Wie bei allen Börseninvestments müssen Anleger aber Schwankungen verkraften können und sollten möglichst breit gestreut investieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2018)

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