"Lauser" Josef Cap erinnert sich

Clemens Fabry
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Der langjährige Klubchef der Sozialdemokraten hart seine politischen Memoiren geschrieben. Das Buch erscheint im Juni.

Hat man was erlebt, kann man Aufsätze darüber schreiben: Josef Cap, als Parteirebell gestarteter langjähriger Spitzenrepräsentant der SPÖ, tut genau das und legt nun ein Büchlein mit Erinnerungen an seine Jahrzehnte in der Politik vor. Das Ergebnis ist eine Parteigeschichte des Ex-Jusos, aufgefettet mit Redetexten und persönlichen Einsprengseln.

So ist etwa zu erfahren, dass Ex-Bundespräsident Heinz Fischer den wandlungsfähigen Marathonläufer noch heute manchmal als "Lauser" tituliert. Erarbeitet hat sich Cap dieses Prädikat in der Sozialistischen Jugend und im VSStÖ, mit "linker" Kritik an der Mutterpartei SPÖ, als Erfinder einen "rot-grünen Plattform", vor allem aber mit seinen berühmten, damals als majestätsbeleidigend aufgefassten drei Fragen an den burgenländischen Landeshauptmann Theodor Kery beim SPÖ-Parteitag 1982.

All das mündete in einem höchst erfolgreichen Vorzugsstimmenwahlkampf, der Cap 1983 zwar als erstem auf diesem Weg ein Nationalratsmandat einbrachte, ihn dann aber "allein im Hohen Haus" zurückließ, wie er in seinem Buch schreibt; ohne Infrastruktur und Unterstützung, als Hinterbänkler: "Ich war ab 1982/83 auch ohne mein Zutun zu einer Projektionsfläche für fast alles geworden, für berechtigte Wünsche und Hoffnungen ebenso wie für unrealistische Erwartungen. Das konnte kein Mensch erfüllen, ich auch nicht."

Von Kreisky bis Kern

Verwoben sind diese persönlichen Erinnerungen mit einer Nacherzählung der jüngeren innenpolitischen bzw. SPÖ-Geschichte, von den Kreisky-Jahren bis zu Kurzzeit-Kanzler Christian Kern. Letzterer interviewte Cap übrigens für die VSStÖ-Zeitschrift "Rotpress", als Franz Vranitzky den vormaligen Rebellen mit dem Job des SPÖ-Zentralsekretärs betraute.

Vor allem sein Engagement in den 1990er-Jahren für eine sozialliberale Koalition unter Einbeziehung der Grünen hebt Cap in dem Buch hervor; eine Provokation, wie er selbst meint, war die SPÖ doch wie so oft in Großer Koalition an die ÖVP gebunden.

Er musste als Bundesgeschäftsführer gehen, wurde aber 2001 unter seinem SJ-Weggefährten Alfred Gusenbauer Klubobmann der SPÖ. Man habe "blindes Vertrauen" ineinander gehabt, so Cap, der auch Gusenbauers schnellen Niedergang miterlebte, sich selbst aber - bis 2013 in der Ära Werner Faymann - als Klubchef hielt. Jahre der rhetorischen Volten zur Verteidigung rot-schwarzer Regierungspolitik lagen da hinter ihm.

Was mit einem erfolgreichen Vorzugsstimmenwahlkampf begonnen hatte, endete schließlich 2017 mit einem erfolglosen. "Manchmal habe ich mich bei dem Gedanken ertappt, dass ich die Gespräche mit Wählerinnen und Wählern oft befriedigender fand als die Arbeit mit dem einen oder anderen Gewählten, auf welcher Ebene auch immer", resümiert Cap wehmütig: "Es nicht geschafft zu haben, hat mich dann aber doch getroffen."

Präsentation mit Andreas Khol

Josef Caps Memoiren erscheinen unter dem Titel "Kein Blatt vor dem Mund" im Verlag Kremayr & Scheriau (22 Euro). Die Präsentation findet am 12. Juni um 19 Uhr im Wiener Ringturm statt, Journalist Peter Pelinka moderiert dabei ein Gespräch zwischen Cap und seinem früheren ÖVP-Widerpart Andreas Khol.

(APA)

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