Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Thilo Sarrazin: Vorerst kein Parteiausschluss

Thilo Sarrazin Vorerst kein
(c) AP (Franka Bruns)
  • Drucken

SPD-Politiker provoziert erneut: "Kalte Dusche" für Hartz-IV-Empfänger. „Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben“, erklärte der Banker.

Wien/Berlin (APA/apn/red.). Thilo Sarrazin darf bleiben. Vorerst zumindest.

Der frühere Berliner Finanzsenator und jetzige Deutsche Bundesbank-Vorstand wird zunächst nicht aus der SPD ausgeschlossen. Eine Anhörung vor der Landesschiedskommission ging in der Nacht auf Dienstag ohne Ergebnis zu Ende, wie aus Berliner SPD-Kreisen zu erfahren war. Ein Kompromissvorschlag der parteiinternen Kommission, mit dem beide Seiten ein Stück aufeinander zugehen sollten, sei von Sarrazin abgelehnt worden.

Der SPD-Politiker hatte sich zuletzt abfällig über Hartz-IV-Empfänger geäußert. Diese sollten kalt duschen, um zu sparen, empfahl Sarrazin in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ am Montag. „Kalt duschen ist doch eh viel gesünder. Ein Warmduscher ist noch nie weit gekommen im Leben“, erklärte der Banker.

 

„Vorrang für Deutsche“

Schon im Herbst 2009 hatte Sarrazin mit seinen Sagern über den angeblichen Integrationsunwillen türkischer Migranten in Berlin von vielen Seiten harsche Kritik kassiert. Der Kreisverband Berlin-Spandau hatte neben anderen Parteigliederungen daraufhin seinen Parteiausschluss betrieben und mit einem wissenschaftlichen Gutachten die Ansicht untermauert, Sarrazins Äußerungen seien rassistisch. Diesen Gutachter wiederum hat Sarrazin als „Afterwissenschaftler“ bezeichnet.

Der frühere Senator wiederholte laut Teilnehmern der Anhörung seine Auffassung, deutschstämmige Bürger müssten bei Sozialleistungen Vorrang vor Migranten haben. In der Türkei und anderen Ländern werde das ähnlich gehandhabt, erklärte er. Die Entscheidung über einen Parteiausschluss Sarrazins muss die Kommission nun spätestens in drei Wochen fällen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2010)