USA. Desirée Rogers, die Partyplanerin im Weißen Haus, quittierte ihren Job. Sie hatte Glamour nach Washington gebracht – wahrscheinlich zu viel.
Alle stimmten sie mit ein in den Refrain beim großen Kumbayah. Im abgedunkelten East Room des Weißen Hauses blieb kaum ein Auge trocken, als auf der Bühne Jennifer Hudson, Joan Baez und Smokey Robinson, begleitet vom eher brüchigen Timbre Morgan Freemans und Barack Obamas eine Hymne der Bürgerrechtsbewegung sangen. Dass sich Bob Dylan nicht in den Chor eingereiht hatte, hat die Sternstunde nur ein wenig getrübt.
In dem teils von Sklavenhand errichteten Amtssitz hatte der zauselige Altmeister zuvor ein krächzendes, nichtsdestoweniger stimmungsvolles „The Times They Are A-Changin‘“ dargebracht. Die Stars ließen sich nicht lange bitten, als das Konzert zu Ehren des „Black History Month“ wegen eines heranziehenden Blizzards kurzfristig um einen Tag vorverlegt wurde. Nach den dürren Jahren der Ära George W. Bushs war das Weiße Haus wieder zum glamourösen Zentrum der Hauptstadt geworden.
Was vor drei Wochen die wenigsten wussten: Es sollte die glanzvolle Abschiedsgala von Desirée Rogers werden. Die Partyplanerin mit dem offiziösen Titel „Sozialsekretärin“ quittierte nach nur einem Jahr überraschend ihren Job. Die Harvard-Absolventin kehrt in die Privatwirtschaft zurück.
Ob die 50-jährige Karrierefrau mit dem Faible für Designermode freiwillig oder auf sanftes Drängen hin aus ihrem Amt schied, darüber gehen in Washington die Meinungen auseinander. Sie selbst beteuert: „Wir haben rund um die Uhr gearbeitet. Ich habe nicht einmal die Kirschblüte gesehen.“ Vertraute kolportierten, Rogers sei zermürbt gewesen von dem protokollarischen Aufwand und ihren begrenzten Kompetenzen. Mitarbeiter des Präsidenten hätten ihr andauernd über die Schultern geschaut. Und nach dem Eklat beim Staatsbankett für den indischen Premier Manmohan Singh im November war Skepsis auch angebracht. Die Messer im Weißen Haus, so heißt es, seien gezückt gewesen.
Ohne eine Einladung hatten sich Tareq und Michaele Salahi, ein geltungssüchtiges Societypaar, dreist hineingeschwindelt zu Washingtons begehrtestem VIP-Termin des Jahres. An der Seite von Vizepräsident Joe Biden und anderen Politgrößen posierten sie für Fotos, die sie sodann auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichten.
Die Obama-Regierung hatte ihre erste kleine Staatsaffäre. Die Salahis gaben nicht nur die Sicherheitsmechanismen des Secret Service dem Gespött preis, sondern stellten auch die Pflichtvergessenheit Rogers' bloß. Statt am Eingang die Einladungslisten zu kontrollieren, hatte sie sich unter die Gäste gemischt. Die Frau fürs Organisatorische dränge zu sehr in den Vordergrund, mäkelten Kritiker. Dass sie bei den New Yorker Fashionshows in der ersten Reihe Platz nahm, werteten sie als Indiz für ihren selbst deklarierten Promistatus. Rogers ist die Erste aus Obamas Chicagoer Freundeskreis, die sich am Washingtoner Polit-betrieb wundgerieben hat.
Die Obamas hatten sich geschworen, das Weiße Haus für alle Schichten zu öffnen, es zu einem „Haus des Volkes“ zu machen – und sich dabei selbst ein wenig zu vergnügen. Das Weiße Haus sollte die Vielfalt widerspiegeln, die Kultur Amerikas feiern.
Desirée Rogers stand der Sinn nach einem Programm à la Jackie Kennedy. Sie richtete Themenpartys unter dem Motto der populären TV-Serie „Mad Men“ aus, es erklangen Salsa-, Soul- und Hip-Hop-Töne. Doch die Party ist vorbei. In Krisenzeiten gilt zu viel Glamour als nicht opportun. Nachfolgerin Julianna Smoot wird ihren Job wohl mit weniger Verve betreiben.
AUF einen Blick:
■Desirée Rogers brachte als „Sozialsekretärin“ Glamour ins Weiße Haus. Nun scheidet sie nach einem Jahr aus dem Amt – ob freiwillig, ist unklar. Kritikern ist Rogers zu sehr im Vordergrund gestanden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2010)