Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Kern im Puls4-Sommergespräch: "Würde Strache gerne interviewen"

SPÖ-Chef Christian Kern im Puls4-Sommergespräch mit Corinna Milborn
SPÖ-Chef Christian Kern im Puls4-Sommergespräch mit Corinna Milborn(c) Screenshot
  • Drucken

TV-Notiz Zurück im Wahlkampf 2017 - so dürfte sich SPÖ-Chef Christian Kern im Gespräch mit Corinna Milborn teilweise gefühlt haben. Die Gründe: Sebastian Kurz, Migration und die FPÖ.

Eines war am Sonntagabend beim „Sommergespräch" zwischen Christian Kern und Puls4-Infochefin Corinna Milborn anders. Der SPÖ-Chef kam als Oppositionsführer, nicht mehr als Bundeskanzler. Das war es dann aber auch schon mit dem Neuen. Denn die Themen, die angerissen wurden, erinnerten doch stark an jene von 2017, und damit an den Nationalratswahlkampf. Sie lauteten: Migration und Türkis-Blau. Und, obgleich Kern scheinbar entspannt im Studiosessel lehnte, in Jeans, Hemd und Sakko gewandet und allenthalben ein Lächeln bemühte – die erste Hälfte der Sendung dürfte er von den an ihn gerichteten Fragen wenig begeistert gewesen sein.

Ob er genervt sei, fragte denn auch Milborn. Freilich nicht, konterte Kern – vergaß aber nicht zu betonen, dass er schon „stundenlang“ erörtert habe, wie er zu Asyl stehe und was ihn von den Freiheitlichen trenne, „auch in diesem Studio“. Nun tat er es eben ein weiteres Mal: „Wir stehen zur Menschenrechtskonvention“, „wir wollen, dass Menschen eine Chance auf Integration haben“, zählte er auf. ÖVP und FPÖ würden indes alles daran setzen, Integrationsprogramme zu streichen, sodass letztlich die Zuwanderer in Parks herumlungern oder fleißige Lehrlinge abgeschoben würden. Das sei „eine falsche Härte“, ebenso, wie sie bei der geplanten Kürzung der Mindestsicherung demonstriert werde, meinte Kern. Diese Reduktion würde nämlich vor allem die Kinder und nicht die Ausländer treffen, verwies er auf Äußerungen des scheidenden Diakonie-Direktors Michael Chalupka.

"Wie eine Marienerscheinung im Rotlichtviertel"

Eine Härte, die Wähler befürworten würden, hielt Milborn entgegen und verwies darauf, dass die Arbeiter schon lange nicht mehr bei den Roten, sondern mehrheitlich bei den Blauen ihr Kreuzerl machen würden (auch das ein Thema, das lange und mehrfach vor dem Urnengang am 15. Oktober besprochen wurde). „Zu glauben, dass die Rechtspopulisten die Interessen der vielen vertreten, ist wie eine Marienerscheinung im Rotlichtviertel. Das findet nicht statt“, wiederholte entsprechend auch Kern seine Position. Er gehe davon aus, dass die Menschen sehr bald begreifen würden, dass die Regierung nur die ihr liebe Klientel bediene.

Genauer gesagt: die ÖVP. Denn, so der 52-Jährige, während Kanzler Sebastian Kurz (dessen Namen er während der ganzen Debatte nur ein einziges Mal in den Mund nahm), alles daran setze, populistische Botschaften abzugeben und Großkonzernen Millionen zuzuschieben, würde die „in Geiselhaft von deutschnationalen Burschenschaften“ befindliche FPÖ ein ums andere Mal umfallen – „dazu würde ich ihn (Vizekanzler und Parteichef Heinz-Christian Strache) gerne interviewen“. Insofern sei klar, „dass wir auf Bundesebene mit der FPÖ keine Perspektive haben“.

Eine Prise (Sozial-)Romantik

Apropos Bund: Seine Wandlung vom Regierungschef zum Oppositionsführer nehme er „sportlich“, bekundete der Simmeringer. „Ich würde Ihnen widersprechen, dass es hart war.“ Freilich wäre es „politisch-taktisch“ gesehen aber klüger gewesen, früher Neuwahlen vom Zaun zu brechen, doch er habe sich nunmal den Menschen verpflichtet gefühlt. Und das tue er noch immer, wenn er etwa beim 1.Mai-Aufmarsch am Wiener Rathausplatz in den Gesichtern der zehntausenden Gekommenen das Brennen „für eine gerechtere Welt“ sehe – u.a. mit der von Türkis-Blau wieder abgeschafften Aktion 20.000 für Langzeitarbeitslose über 50, setzte es einen finalen Seitenhieb. 

Wie der bis dato kürzest dienende Kanzler der Zweiten Republik den Ballhausplatz konkret zurückerobern wolle? Mit Fokus auf Bildung, Gesundheit (scharfe Kritik gab es von ihm an der geplanten Reform der Sozialversicherungen), Pensionen, den Pflegebereich, mit einer pro-europäischen Einstellung, lautete die zusammengefasste Antwort des vierfachen Vaters (drei Söhne, eine Tochter) – bei deren Intonation sich Kern weitaus wohler zu fühlen schien, als zu Sendungsbeginn. Auch wenn er einräumte: Diese Themen hatte er auch im Wahlkampf 2017 allesamt im Gepäck gehabt, diesen dominiert habe jedoch: die Migration.

Bereits zu Gast im Puls4-"Sommergespräch" waren ÖVP-Chef, Bundeskanzler Sebastian Kurz, sowie (Noch)-Neos-Klubobmann Matthias Strolz. Am 11. Juni finden gleich zwei sommerliche Unterredungen statt: um 20:15 Uhr mit Vizekanzler und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, um 21:35 Uhr mit Grünen-Chef Werner Kogler.