Griechenland: EU nimmt Hedgefonds unter Lupe

Griechenland nimmt Hedgefonds unter
Griechenland nimmt Hedgefonds unter(c) AP (Petros Giannakouris)
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Die Kommission verdächtigt Spekulanten, bewusst eine griechische Staatspleite herbeispekulieren zu wollen.

Wien (ker/ag.). In nur drei Monaten hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um knapp zehn Prozent an Wert verloren. Spekulanten wie Hedgefonds wetten weiterhin darauf, dass der Euro wieder fallen wird.

In der Vorwoche stieg die Zahl jener Termingeschäfte (das sind Geschäfte, die erst zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft ausgeführt werden, Anm.), die auf einen weiteren Verfall des Euro setzen, auf ein neues Rekordhoch.

Es war die vierte Woche in der Folge, dass die Wetten gegen den Euro auf ein Rekordhoch kletterten. Die Kommission der Europäischen Union (EU) vermutet nun, dass Hedgefonds einen Staatsbankrott der Griechen provozieren wollen.

Teure Anleihen für Griechenland

Der Preis, um sich gegen Kreditausfälle von griechischen Staatsanleihen zu versichern (das funktioniert über sogenannte Credit Default Swaps), schnellte seit Jahresbeginn in die Höhe. Wer griechische Staatsanleihen im Wert von einer Million Euro hat, muss derzeit für eine fünfjährige Versicherung 32.000Euro jährlich zahlen. Zu Jahresbeginn musste man für diese Absicherung nur 28.000Euro berappen.

Die EU-Kommission untersucht nun, wer hinter diesen Käufen von griechischen Ausfallsversicherungen steckt. Sie vermutet offenbar, dass die Hedgefonds mit dem Kauf zahlreicher Kreditausfallsversicherungen die Märkte verunsichern wollen – mit großen Auswirkungen auf den Euro, auf griechische Anleihen und auf das Risiko eines Staatsbankrotts.

Wenn die Verunsicherung der Investoren in Sachen Griechenland groß ist, erhöhen sich die Zinsen für Staatsanleihen, über die sich Griechenland refinanzieren muss. Das hoch verschuldete Land müsste seinen ohnehin schon astronomischen Schuldenberg noch weiter erhöhen. Eine Insolvenz würde damit näher rücken.

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde forderte, dass man gegen Spekulanten, die auf Zahlungsausfälle bei Staatsanleihen setzen, geschlossen vorgehen müsse.

Verunsicherung drückt Euro nach unten

Tim Backshall, Chef-Stratege bei Credit Derivatives Research LLC, weist die harschen Vorwürfe zurück. Die Händler von Kreditausfall-Swaps seien nicht für den starken Anstieg der griechischen Anleiherenditen zu kritisieren. Sie seien doch nur minimal bei diesen Papieren engagiert.

Aus den Daten von Depository Trust & Clearing geht auch hervor, dass der Wert der Kredit-Swaps von neun Mrd. Dollar im Vergleich zum Wert der Staatsanleihen mit 267Mrd. Dollar relativ gering ist.

Die Verunsicherung in Bezug auf eine potenzielle griechische Staatspleite drückt jedenfalls die europäische Gemeinschaftswährung nach unten. Die Anleger fürchten um ihr Geld und ziehen es verstärkt aus dem Euro-Raum ab, um es stattdessen in Dollar anzulegen. Leitartikel, Seite29

AUF EINEN BLICK

DIe EU-Kommission verdächtigt Großspekulanten wie etwa Hedgefonds, den weiteren Wertverlust des Euro herbeiführen zu wollen. Sie würden verstärkt auf einen Staatsbankrott von Griechenland setzen und somit die Misere des südeuropäischen Landes und der Europäischen Währungsunion deutlich verstärken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2010)

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