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Österreichs dichte Wälder bringen keinen Gewinn

(c) Ewald Bechtloff
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Österreichs Forstwirte beklagen niedrige Holzpreise, mit 75 Euro für einen Festmeter Fichten-Sägerundholz bewege man sich am unteren Rand des Preisbandes. Mindestens 80 Euro seien nötig, um wieder in die Gewinnzone zu kommen.

Wien (mac). Bis zu drei Milliarden Euro Schadenssumme wird der Sturm „Xynthia“, der am Wochenende über Europa hinweggefegt ist, hinterlassen, prophezeit die auf Risikoeinschätzungen spezialisierte Firma AIR Worldwide. Für die europäischen Forstwirte kam „Xynthia“ gerade noch rechtzeitig. Vor allem französische und deutsche Waldbesitzer hatten eine Unmenge an geknickten und entwurzelten Laubbäumen zu beklagen.

Doch die drei Millionen Festmeter Schadholz werden sich gut verkaufen lassen, schätzt Felix Montecuccoli, Präsident des Verbands der Großbetriebe „Land&Forst Betriebe Österreich“. Denn noch ist das Frühjahr fern, das Holz der Laubbäume daher trocken und gut zu lagern. Österreichs Forstwirte blieben zwar von „Xynthia“ weitgehend verschont, Grund zur Freude ist das aber nicht.

 

Mehr Holz aus einem Baum holen

Sie haben unter der schwachen Preisentwicklung des vergangenen Jahres zu leiden. Mit 75 Euro für einen Festmeter Fichten-Sägerundholz bewege man sich am unteren Rand des Preisbandes, klagt Montecuccoli, der 700 Wald- und Forstbetriebe vertritt, die zusammen mehr Wald bewirtschaften als die Österreichischen Bundesforste (ÖBF). Mindestens 80 Euro je Festmeter seien nötig, um wieder in die Gewinnzone zu kommen.

Rund eine Milliarde Euro setzen die 250.000 österreichischen Waldbesitzer jährlich mit dem Verkauf von Holz um. 150 Millionen kommen mit Nebengeschäften wie Verpachtung oder Jagd hinzu. Im Vorjahr habe es damit „gerade noch“ für eine schwarze Null gereicht. Für Gebirgsforstbetriebe sei es bei den derzeitigen Preisen jedoch „nahezu unmöglich“, erfolgreich Forstwirtschaft zu betrieben, so der Branchenvertreter.

Bleibt die Frage, wie die Forstwirte darauf reagieren werden. Mit der Hoffnung auf eine steigende Nachfrage der heimischen Holzindustrie alleine ist es wohl nicht getan. Im Vorjahr wurden nur 18,5 Millionen Festmeter Holz aus Österreichs Wäldern geholt. Deutlich weniger als in den beiden Jahren zuvor. 2010 sollen wieder knapp 20 Millionen Festmeter aus heimischen Wäldern gebracht werden.

Ausreichend Holz wäre vorhanden, nur zwei Drittel des jährlichen Holznachwuchses werden genutzt. Wenig Potenzial gibt es bei den ÖBF und den Großbetrieben, die bereits acht von zehn neuen Bäumen verwerten. Spielraum gibt es hingegen bei den Kleinwaldbesitzern. Hier wird nur jede zweite nachgewachsene Fichte oder Föhre auch genutzt.

Ansonsten sehen die Forstwirte nur wenig Optimierungspotenzial. Technisch sei die Branche am Limit. Die Mechanisierung der vergangenen Jahre habe die Kosten um ein Zehntel gedrückt. Nun warte man auf den nächsten Innovationsschub. Unterdessen überlegen die Forstwirte, wie sie mehr Holz aus einem Baumstamm holen können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2010)