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Die mutige Mutter daheim am Herd

Zur Ermunterung der Krieger hält man sich am besten schreiend in der Wagenburg auf.

Dieser Nachruf aus der FPÖ auf die vor 14 Tagen verstorbene frühere SPÖ-Frauenministerin, Johanna Dohnal, kam spät, dafür aber unmissverständlich. „Der Feminismus ist ein Irrweg“, behauptete Barbara Rosenkranz am Mittwoch im Gespräch mit der „Presse“, ohne jedoch eine nähere Begründung dafür zu liefern.

Nun könnte man diese Wortmeldung übergehen, wenn Rosenkranz darauf beschränkt wäre, wie sie selbst gern angibt, von Beruf Hausfrau zu sein. (Sie ist der dienstbare Geist im Haushalt des früheren NDP-Politikers Horst Jakob Rosenkranz, der 1990 nur deshalb nicht als Spitzenmann der Liste „Nein zur Ausländerflut“ kandidieren konnte, weil sie wegen NS-Wiederbetätigung nicht zur Nationalratswahl zugelassen wurde.) Aber weil Barbara Rosenkranz offenbar der einzig ernst zu nehmende Gegenkandidat Heinz Fischers bei der Bundespräsidentenwahl sein wird, weil diese FPÖ-Avantgardistin anscheinend auch nicht so sehr gegen Fischer antreten wird, sondern gegen die Europäische Union und die Zuwanderung, sollte schon erlaubt sein, darüber nachzudenken, welches Frauenbild in Familien herrscht, die ihre Nachkommenschaft nach altdeutscher Sitte Ute, Alwine oder Sonnhild nennen.

Zudem hat die „Kronen Zeitung“ unter ihrem herrlichen Heerführer Cato staberlnd eine Wahlempfehlung für die „mutige Mutter“ Rosenkranz abgegeben. Das kann man ebenfalls nicht ignorieren. Was für eine Rolle also spielen Frauen, Mut und Mutter bei den Germanen?

Das altdeutsche Wort „muot“ oder „muod“, germanisch „mōda“, ist ein maskulines; es bezeichnet die Kraft des Denkens, Empfindens, Wollens. Wer mutig wird, ist heftig erregt oder auch zornig. Der muss, wie das Sprichwort sagt, sein Mütchen kühlen. Mit dem althochdeutschen Wort für Mutter, dem femininen „muoter“, hat solch eine kampfbetonte Stimmungslage wenig zu tun. Germanisch „mōder“ entwickelte sich wohl aus dem indoeuropäischen „māter“, einem kindlichen Lallwort. Das sind friedliche, hilfesuchende Laute, kein aufgeregtes Kriegsgeheul.

Nehmen wir also die gute Mutter Rosenkranz, die den Feminismus als einen Irrweg enttarnt hat, bei ihrer germanischen Ehre. Ist es sittsam oder auch nur statthaft für das deutsche Weib, das Ding, das sich Präsidentschaft nennt, anzustreben? Die Germanin, so weiß man seit Tacitus, der sie wohlwollend skizzierte, beteiligte sich nicht an den Kämpfen, sie blieb nur zur Ermunterung der Krieger in der Nähe, bei der Wagenburg. Sie durfte in Friedenszeiten das Hauswesen leiten und, wenn sie schon unbedingt raus wollte aus der Küche, gemeinsam mit den Sklaven das Feld bestellen. Eine Präsidentschaft war selbst für die mutigste Mutter nicht drin.

Politik war Männersache, damals, als diese ungehobelten Wirtschaftsflüchtlinge aus dem Osten, diese Dietrichs, Gerhilds und Siegfrieds Europa zuwanderten, wie eine Flut illegal in unser schönes Römisches Reich kamen und blieben. Damals gab es keinen zornig erregten Cato, der die Machtgier der gemeinen Germanin geißelte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2010)