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Hühnerhaus: Villen fürs Federvieh

Shuttle. Einer der ausgezeichneten Entwürfe: „Hedwig“, wie aus einem Scifi-Film.
Shuttle. Einer der ausgezeichneten Entwürfe: „Hedwig“, wie aus einem Scifi-Film.(c) Martin Mühlböck
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Artgerecht und designorientiert, so sind die Häuser für Hennen, die Kunststudenten auf Initiative eines heimischen Designers für einen Wettbewerb gestaltet haben.

Seit wir die Hühner haben, läuft unser Fernseher viel seltener. Die Kinder haben mehr Spaß nach den Tieren zu sehen als fernzuschauen“, schmunzelt Innenarchitekt, Küchendesigner – und Hühnerfreund – Martin Mühlböck. Seit letztem Jahr wohnen die Tiere bei der Familie im oberösterreichischen Neuhaus an der Donau, wo die Mühlböcks einen Denk- und Schauraum für ihre Entwürfe sowie eine Manufaktur betreiben. Und wie es sich für einen Planerhaushalt gehört, residieren die Hühner nicht irgendwo im Garten in irgendeinem Stall. Sondern im "Chicken Cube", der aussieht wie ein kleiner Wohnwagen, ein variables Auslaufgitter mit Hebegriff hat und sich leicht von einem Ort zum anderen transportieren lässt. Nicht unwichtig für Hendl- und Gartenbesitzer, denen Tierglück und ein gepflegter Grünraum wichtig sind. Schließlich kann das Scharren der Grasnarbe schaden.

Tierischer Wettbewerb

Der kleine Wohnwagen fürs Geflügel ist Ergebnis eines ungewöhnlichen Wettbewerbs, den Mühlböck 2017 mit der Kunstuniversität Linz abgehalten hat. Ziel: Hühnern ein artgerechtes Leben zu ermöglichen – und gleichzeitig den eigenen Designansprüchen (und jenen anderer Tierfreunde) gerecht zu werden. „Ich habe einen Teil meiner Ausbildung dort gemacht“, erklärt Mühlböck, außerdem werde dort nicht nur reines Design gelehrt, "sondern man beschäftigt sich auch mit den verschiedenen Materialien. Und das schien mir bei diesem Thema besonders wichtig." Der Designer beschloss, wie bei Villen für den Menschen auch durchaus üblich, eine klassische Ausschreibung zu machen.

Wie die Kunstuni diese Idee aufgenommen hat? "Das ist ein tolles und ungewöhnliches Thema, das wir gerne aufgegriffen haben", sagt Vizerektor Frank Louis. "Letztlich geht es dabei ja auch darum, ein Stück Natur in den Lebensalltag zurückzubringen." Bei den Studierenden fand es ebenso Anklang. Viele, vor allem aus den Fächern Architektur und Industrial Design, haben teilgenommen. "Das war natürlich freiwillig, und wir haben sogar ein Preisgeld ausgeschrieben", erklärt Mühlböck. Die Vorgaben: Naturnah sollten die Hühnerhäuser sein, möglichst aus Holz, originell, funktional, mobil und ausgelegt für die artgerechte Haltung von drei bis sechs Tieren.

Wie ein Shuttle aus einem Science-Fiction-Film

Neben Mühlböck und Louis saß dann auch Thomas Gumpenberger in der Jury, der ausgewiesene Geflügelexperte ist für das Federvieh zuständiger Obmann des Rassezuchtverbands der österreichischen Kleintierzüchter. Diese Expertise war überaus wichtig, sagt Louis, "denn Entwürfe, die wir gestalterisch sehr gut gefunden haben, wurden vom Fachmann verworfen, da sie keine artgerechte Haltung ermöglicht hätten." Etwa ein eiförmiges Projekt, das Gumpenberger sofort abgelehnt hatte, weil sich in der Ovalform die Hitze staut, unter der die Hühner leiden. "Es ist in jedem Fall schwieriger, eine artgerechte Hühnervilla zu entwerfen als eine für Menschen", resümiert Louis.

Und doch fanden einige Projekte großen Anklang, aus gestalterischer und Hühnerkompatibilitätssicht: Neben dem Chicken Cube wurden die "Hühnerarche" und das Modell "Hedwig" ausgezeichnet. Und natürlich auch verwirklicht, seit gut einem halben Jahr sind sie auf Mühlbecks Schlossgelände zu begutachten. Die Arche wirkt recht rustikal und ist sehr robust, "Hedwig" hingegen erinnert ein wenig an ein Shuttle aus einem Science-Fiction-Film.

Von Hennen, die grüne Eier legen

"Man glaubt nicht, wie viele Menschen Hühner halten", sagt Mühlböck, er selbst hat vier, "eine legt sogar grüne Eier." Mit dem "Chicken Cube" ist er sehr zufrieden, schließlich hat er sogar die Kälteprobe bestanden: "Auch heuer, als es bei uns bis zu minus 22 Grad hatte, war das Hühnerhaus funktionstüchtig, sonst wären sie uns erfroren." Seine Tiere dürfen auch – der Nachbar hat zugestimmt – manchmal Spaziergänge außerhalb des Gartens unternehmen. "Spätestens am Abend sind sie wieder da", lobt der Designer die Intelligenz der Tiere. "Sie sind sehr sensibel und intelligenter als man glauben möchte." Und fühlen sie sich wohl, wird man im Normalfall jeden Tag mit Eiern belohnt.

Hennen-Interior

Dafür muss auch das Interior der Häuser passen. Auf dem Boden am besten eine Wanne mit Sand, ganz oben eine Stange („da schlafen sie, wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen“, mutmaßt Mühlböck), eine Leiter ist ein Muss und der Brutkasten wird mit Stroh oder Heu gefüllt („den halten sie selbst sauber“). Den Rest des Hühnerhauses sollte man selber, spätestens alle zwei Tage, reinigen. Auch an Oberflächen (müssen glatt sein, wegen einer möglichen Ungezieferplage) und Dämmung (bitte nein, weil sonst Feuchtigkeits- und Schimmelbildung droht) gibt es gewisse Anforderungen. Und an die Anzahl der Tiere sowieso: Mehr als die Haltung von vier Hühnern ist in den meisten Fällen Privaten nicht erlaubt (was darüber ist, gilt als gewerbliche Tierhaltung), wie sooft hat hier der jeweilige Bürgermeister das Sagen.

Mühlbeck denkt schon an eine Erweiterung des Villensortiments. „Wir bekommen sehr viele Reaktionen und Anregungen von Menschen, die unsere Hühnerhäuser gekauft haben. Etwa die Überlegung, auch eines für eine Hanglage zu entwerfen“, erzählt er. „Natürlich ist das eine Spielerei und Liebhaberei, Millionär werde ich damit nicht, aber man kommt mit sehr vielen Menschen ins Gespräch. Das Huhn ist eindeutig zum Thema geworden.“

 

> > Mehr Infos unter: www.muehlboeck.at