Schnellauswahl

„Jurassic Park“: Diese Saurier sind handzahm und stubenrein

(c) Universal Pictures
  • Drucken
  • Kommentieren

KritikDer neue „Jurassic Park“-Film „Das gefallene Königreich“ ist makellos inszeniert – viel hängen bleibt aber nicht. Dass seine Botschaften ankommen, dafür sorgen ein infantiler Erzählstil – und Jeff Goldblum.

Er müsse keine Angst haben, sagt der Mann im Mini-U-Boot zu seinem Sitznachbarn: Hier unten gäbe es keine Dinos mehr. Doch „Jurassic Park“-Fans wissen: Dinos gibt es immer und überall. Und schon naht der Schatten eines Riesenkrokodils . . .

Mit Monstergrusel unter Wasser (und im Regen) beginnt „Das gefallene Königreich“, die Fortsetzung der erfolgsverwöhnten Saurierfilm-Neuauflage „Jurassic World“. Dann stapft erst einmal der Erklärosaurus durchs Bild: Nach dem Niedergang des Dino-Themenparks leben die Ur-Echsen in freier Wildbahn. Ein Vulkanausbruch bedroht ihren Lebensraum. Ex-Parkleiterin Claire (Bryce Dallas Howard) und Raptorenzähmer Owen (Chris Pratt) – bekannt aus dem letzten Film – wollen sie retten. Andere auch, aber für einen bösen Zweck. Also geht's ab auf die Insel, wo die wilden Kreidezeitler wohnen. Und der Sommerblockbuster schaltet in den nächsten Gang. Seine Inszenierung ist klar und effizient. Die Bilder sind der jeweiligen Stimmung angemessen ausgeleuchtet. Die Handlung flutscht reibungslos dahin. Das ist alles unterhaltsam und angenehm zum Anschauen, geht gut hinunter und tut nicht weh. Aber weil alles genau so ist, wie es sein soll, bleibt nur wenig hängen. Eine Szene, in der sich ein halbbetäubter Owen slapstickhaft vor nahender Lava davonwindet. Eine überkandidelte Spektakelsequenz, in der die Helden zusammen mit zahllosen Dinos vor einer Aschewolke flüchten.

 

Vollmond wie im Schauermärchen

Das beste, weil überraschendste Bild kommt gegen Ende: ein Saurier auf dem Dach eines alten Anwesens, hinter ihm der Vollmond, wie aus einem Schauermärchen (hier blitzen die Wurzeln des spanischen Regisseurs J. A. Bayona im Horrorfilm-Genre kurz durch).

Botschaften gibt es auch. Dafür, dass sich bei jedem ankommen, ist gesorgt. Es geht um Umweltschutz versus Industrie, um Profitgier versus Verantwortungsbewusstsein. Und weil der Zynismus der Neunziger- und die Ironie der Nullerjahre nicht mehr ziehen, auch um Empathie (eh schön, aber hier weit über der Kitschgrenze). Die Bösen sind böse, tragen Trump-Frisuren und haben schiefe Zähne. Die Guten sind gut und sehen aus wie Chris Pratt. Der nette Dino hat einen blauen Seitenstreifen, der fiese einen roten. Alles wird restlos ausbuchstabiert. Am Ende darf Jeff Goldblum ein Schlussplädoyer halten – für alle, die dazwischen eingeschlafen sind.

In „Jurassic Park“ fühlte man sich manchmal wie ein Kind. In „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ fühlt man sich permanent zum Kind gemacht. Spielbergs Film hatte Dino-Dreck und Dino-Rotz am Stecken, seine Haut war rau und schuppig, er biss immer wieder kräftig zu. Dieser neue Film bleibt selbst in seinen kalkulierten Gewaltmomenten handzahm und stubenrein: ein makelloser, kreuzbraver Kassenschlager aus der Retorte. (and)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2018)

Mehr erfahren