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Weinstein plädiert auf „nicht schuldig“

Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein.
Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein.(c) REUTERS (BRENDAN MCDERMID)
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Ex-Filmmogul Harvey Weinstein drohen wegen sexueller Übergriffe bis zu 25 Jahre Haft.

New York. Im dunkelblauen Anzug mit dunkler Krawatte erschien Harvey Weinstein vor Gericht. Der einstige Filmproduzent plädierte am Dienstag vor dem Supreme Court in New York auf „nicht schuldig“. Die Vorwürfe gegen den 66-Jährigen lauten: Vergewaltigung und erzwungener Oralverkehr in mindestens drei Fällen.

Der 66-Jährige wirkte abwesend, auf die Fragen von Richter James Burke antwortete er nur leise und knapp. Begleitet wurde Weinstein von seinem Anwalt Benjamin Brafman. Rund 100 Besucher saßen im Saal, Dutzende Reporter drängelten sich vor dem Saal. Weinsteins Anwalt hatte schon zuvor erklärt, dass sein Mandant die „unbegründeten Anschuldigungen entscheiden zurückweise“.

Der frühere Hollywood-Produzent war Ende Mai wegen sexueller Übergriffe angeklagt worden, nachdem er sich den den Behörden gestellt hatte – mehr als sieben Monate nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe gegen ihn. Weinstein war gegen eine Kaution von einer Million Dollar freigekommen, musste sich aber eine Fußfessel anlegen lassen und seinen Pass abgeben. Bis auf weiteres darf er sich nur noch in den Bundesstaaten New York und Connecticut aufhalten.

Stars klagen an

Die Vorwürfe gegen den mächtigen Mann in Hollywood reißen nicht ab: Erst kürzlich haben drei Frauen eine neue Sammelklage eingereicht. Eine der Frauen wirft ihm vor, sie 2011 bei einem geschäftlichen Treffen vergewaltigt zu haben. Eine weitere Schauspielerin gab zu Protokoll von Weinstein 1996 in ihrer Wohnung und beim Filmfestival in Cannes attackiert und bedroht worden zu sein. Eine weitere Schauspielerin schildert einen Übergriff in einem Hotelzimmer. Weinsteins Anwalt spricht von einvernehmlichem Sex und davon, dass eines der Opfer mehr als zehn Jahre lang eine Beziehung zu Weinstein hatte.

Nach Enthüllungen in der Zeitung New York Times – die Journalisten erhielten dafür den renommierten Pulitzer-Preis – sind mehr als hundert Frauen, darunter Stars wie Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow, an die Öffentlichkeit gegangen und schilderten, wie immer wieder die Besetzungen von weiblichen Rollen gehandhabt wurden.
Die Welt des Harvey Weinstein geriet damit ins Wanken und liegt nun in Scherben: Er verlor seinen Job in der Produktionsfirma Weinstein Company, die mittlerweile Konkurs angemeldet hat. Seine Frau, die Designerin Georgina Chapman, ließ sich scheiden. Und im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 25 Jahre Haft. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2018)