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XXXLutz: Marke Kika/Leiner würde jedenfalls erhalten bleiben

Kika Leiner
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Spekulationen über eine Übernahme von Kika/Leiner durch XXXLutz machen die Runde. Für ein konkretes Angebot ist es jedoch noch viel zu früh.

XXXLutz-Unternehmenssprecher Thomas Saliger hat die grundsätzliche Zustimmung der Bundeswettbewerbsbehörde zu einer möglichen Übernahme des finanziell angeschlagenen Möbelhändlers Kika/Leiner durch Lutz begrüßt, für Überlegungen über Auflagen wie etwa die Schließung einzelner Standorte sei es aber noch viel zu früh, sagte Saliger am Mittwoch im ORF-"Morgenjournal".

Kika/Leiner habe mit seinen Standorten den österreichischen Markt gut abgedeckt, "wir haben da und dort noch weiße Flecken", erläuterte Saliger das Interesse von Lutz an einer Übernahme des Mitbewerbers, "zum Beispiel am Standort in Wolfsberg, wo Kika gerade geschlossen hat, wo wir an einem neuen Projekt dran sind, wäre eine Möglichkeit". Man sei zu Gesprächen bereit, für ein konkretes Angebot sei es aber noch zu früh. Die Marke Kika/Leiner würde es jedenfalls auch künftig geben, sagte Saliger.

Derzeit würden nur Spekulationen angeheizt, sagte Saliger dem "Kurier" (Mittwochausgabe). "Wenn es um einzelne Standorte geht, müssen wir darüber nachdenken, was für uns überhaupt Sinn macht."

Kika/Leiner wird derzeit als nicht kreditwürdig eingestuft. Aus informierten Kreisen hieß es gegenüber der APA, dass beurteilende Stellen derzeit keine Kreditempfehlung für Darlehen an Kika/Leiner geben. Es wird demnach auf die derzeit laufenden Gespräche des Unternehmens mit finanzierenden Stellen verwiesen - und dabei bleibe die Entwicklung abzuwarten.

"Viele Kolleginnen und Kollegen machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz", so Kika-Betriebsratsvorsitzende Sonja Karner. Sie hofft, dass die Auszahlung der Gehälter und des im Juni anstehenden Urlaubsgeldes für die mehr als 5.000 Mitarbeiter nicht gefährdet sind. "Wir gehen davon aus, dass die Geschäftsführung uns zeitnah über alle weiteren Entwicklungen informiert."

Der Gläubigerschützer Hans-Georg Kantner vom KSV zeigte sich am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz immerhin "vorsichtig optimistisch mit dem Unternehmen, das es im Jänner schon einmal geschafft hat". Eine "Schwelle" seien aber Urlaubsgelder, die im laufenden Monat zu bezahlen seien. "Das Management ist gefordert, seine Hausaufgaben zu machen", so Kantner.

Am Freitag hatte ein großer Kreditversicherer die Notbremse gezogen und beschlossen, etwaige Forderungsausfälle nicht mehr abzusichern. Bei Kika/Leiner versucht man nun, die Lieferanten bei der Stange zu halten und ist seither auf der Suche nach einer Lösung.

 

Zusammen über 50 Prozent Marktanteil

Die Nummern eins und zwei der Einrichtungsbranche haben zusammen über 50 Prozent Marktanteil, zeigen Zahlen von Kreutzer Fischer & Partner. Demnach haben XXXLutz 30 Prozent, Kika/Leiner 21,8 Prozent und die Nummer drei Ikea weitere 15,4 Prozent Marktanteil. Zusammen sind das zwei Drittel des Möbelhandels. Das alleine ist aber kein Ausschluss einer Übernahme, sagte Handelsexperte Andreas Kreutzer im Gespräch mit der APA. Erst vor kurzem wurde im Bereich der Büromöbel ein Zusammenschluss genehmigt - die Bundeswettbewerbsbehörde BWB erlaubte den Eigentümern von Bene und Neudörfler, dass sie Hali und Svoboda kaufen -, "da war das ziemlich ähnlich und da war das auch kein Problem", so Kreutzer.

Es sei aber lange noch nicht so weit. "Man kann optimistisch sein, dass sie (Kika/Leiner, Anm.) intern eine Lösung finden" für die Finanzierungen und Garantielinien. Denn "an und für sich gibt es nicht wirklich eine Notwendigkeit, dass sie verkauft werden", so Kreutzer. Die Marktanteile von Kika/Leiner seien in den letzten Jahren stabil gewesen, das Geschäft sei in Ordnung, in Wahrheit bräuchten sie nur einen Eigentümer, der "in ruhigere Fahrwasser kommt".

"Dass die Standorte geschlossen und nicht mehr geöffnet werden, das ist unvorstellbar", sagt Kreutzer. Abgesehen davon, dass das Geschäft gesund sei, sei auch das Interesse der Konkurrenz zu hoch. Denn es gebe sonst nirgendwo in Europa einen Player mit über 20 Prozent Marktanteil. Sonst müssten Marktanteile in mühsamer Kleinarbeit erst zusammengekauft werden. Die hohe Konzentration in Österreich sei sehr untypisch.

Zumindest einen Teil von Kika/Leiner könnte XXXLutz sicher übernehmen, erwartet Kreutzer. Der Rest würde dann möglicherweise von anderen übernommen werden. Kreutzer ortet aber auch Interesse aus Deutschland, konkret von den Firmen Höffner und Tessner, die in ihrem Heimatland durch die Expansion von XXXLutz unter Druck kommen und wohl gerne in Österreich zurückschlagen würden. XXXLutz liege inzwischen in Deutschland mit Höffner auf Augenhöhe. Höffner ist Nummer zwei mit etwa sechs bis sieben Prozent Marktanteil, hinter Ikea (12 Prozent).

Die große Frage sei aber, ob ein potenzieller Käufer nur an den Standorten oder auch an der Marke interessiert ist. Wolle er nur die Standorte, wäre es finanziell attraktiv, Kika/Leiner in die Insolvenz zu schicken und dann die Aktiva aus der Masse herauszukaufen. Wolle man hingegen auch die Marke, dann würde man den laufenden Betrieb übernehmen, um die Marke nicht zu schädigen.

Neues XXXLutz-Logistikzentrum

Die XXXLutz-Gruppe investiert im deutschen Erfurt rund 90 Millionen Euro in ein neues E-Commerce-Logistikzentrum. Von hier aus sollen Waren von XXXLutz und Mömax versendet werden, teilten die deutschen Unternehmen Arbor und Anzinger mit, die das Projekt konzipieren und planen. Auf einem 25 Hektar großen Areal sollen 200.000 Quadratmeter Lagerfläche entstehen. Bis zu 400 Jobs sollen dabei in der Region entstehen.

Der erste Bauabschnitt mit rund 75.000 Quadratmetern Betriebsfläche soll im Spätsommer 2019 fertig sein, das Gesamtprojekt inklusive Büro- und Schulungsräumen 2022, bestätigte XXXLutz-Sprecher Thomas Saliger der APA. Von Erfurt aus sei die Auslieferung in Deutschland geplant, in Österreich bleibe diese im Zentrallager in Vorchdorf. "Wir nehmen gerne auch auf dem Online-Markt den Kampf gegen die große Konkurrenz aus den USA und Europa auf", so Saliger. Es gebe rund 3.000 reine online-Anbieter im Möbelmarkt, längst gehe es nicht mehr um "drei Konkurrenten auf der anderen Straßenseite".