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Kika/Leiner: Eine Krise und ihre vielen guten Helfer

Ein internationaler Kreditversicherer kündigte Kika/Leiner vergangenen Freitag abrupt den Vertrag.APA/HELMUT FOHRINGER
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Der Möbelhändler bat um eine Woche Schonfrist, um seine akuten Probleme zu lösen. Die Öffentlichkeit hyperventiliert - und verschafft ihm das genaue Gegenteil.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell das geht: Wenn Kika/Leiner-Chef Gunnar George am morgigen Freitag bekannt gibt, wie es mit seiner angeschlagenen Möbelkette weitergehen soll, ist eigentlich bereits alles gesagt.

Seit ein internationaler Kreditversicherer Kika/Leiner vergangenen Freitag abrupt den Vertrag kündigte und die Lieferanten der Möbelkette ohne Sicherheitsnetz zurückließ, meldeten sich viele zu Wort: So wissen wir bereits, dass die Wettbewerbshüter einer Übernahme durch den Rivalen XXXLutz unter Auflagen zustimmen würden. Also nur für den Fall, dass Kika/Leiner die Möbel von seinen verunsicherten Lieferanten jetzt nur mehr gegen Vorauszahlung bekommt und sich mit diesen Summen finanziell übernehmen würde.

Wir wissen aber auch schon, dass XXXLutz im Fall der Fälle „grundsätzlich“ interessiert ist – großzügigerweise sagte man dort gleich dazu, dass es für konkrete Angebote zu einzelnen Filialen noch zu früh ist.

Während das Fell des wankenden Bären verteilt wird und Interessenten aus dem In- und Ausland ins Spiel gebracht werden, haben wir Kunden von den Konsumentenschützern auch schon erfahren, dass wir unsere Gutscheine lieber früher als später in den Kika/Leiner-Filialen in werthaltige Töpfe, Vasen und Polster anlegen sollten. Man weiß ja nie. Und die Anzahlung auf die neuen Küche von Leiner sollten wir vielleicht auch nochmals überdenken.

Konsumentenschützer schützen Konsumenten. Das ist ihre Aufgabe. Genauso wie die Gläubigerschützer die Interessen potenzieller Gläubiger – sprich in dem Fall vor allem die der betroffenen Lieferanten - wahren müssen.

Wohl dosierte Warnungen sind mehr als angebracht, wenn ein Kreditversicherer seinem Händler aus heiterem Himmel die Freundschaft kündigt. Aber es gibt eine feine Linie zwischen angebrachter Vorsicht und Alarmismus. An ihr schrammen die aufgeregten Beobachter – befragt von ebenso aufgeregten Medien – diese Woche mit ihren Tipps, Tricks und guten Ratschlägen hart entlang.

Bis morgen hat sich Gunnar George Zeit von seinen Lieferanten erbeten. Ob er einen neue Kreditversicherer ins Boot holen, Bankgarantien oder wieder eine Geldspritze von der Mutter aufstellen kann – man wird sehen. Aber diese Woche sollte man ihn arbeiten lassen und das Karussell aus gut gemeinten Ratschlägen nicht weiter anstoßen. Wir wissen auch, dass Ende des Monats doppelte Gehälter für die 5000 Mitarbeiter anstehen und so eine Zahlung zum Lackmustest für die Insolvenzresistenz eines Unternehmens werden kann. Weder ihnen, noch den Lieferanten – oder uns Kunden selbst – tun wir mit einer übermäßigen Alarmbereitschaft einen großen Gefallen.