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Die Cloud: Der Maschinenraum der Digitalisierung

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Cloud Computing hält Einzug in den Unternehmen - und wird nicht nur den Firmenalltag, sondern die Welt verändern.

Mit Amazon, dem globalen Schaufenster, hat Gründer Jeff Bezos  unseren (Einkaufs-)Alltag bereits revolutioniert. Mit Amazon Web Services (AWS) setzt der reichste Mann der Welt jedoch an, die Welt zu verändern. Denn wenn die ehrgeizigen Pläne auch umgesetzt werden, geht ohne AWS bald gar nichts mehr. Die Idee ist einfach: Bei Amazon Web Services erwirbt der Kunde keine Konsumartikel, sondern IT-Infrastruktur. Er kann Speicherplatz kaufen, um große Datenmengen abzulegen, oder Bandbreite nutzen, um eine Webseite zu hosten oder Rechenleistung, um komplexe Software aus der Entfernung zu betreiben.

 „Eine schier unendlich skalierbare, standardisierte, auf Knopfdruck verfügbare Infrastruktur“, nennt es Heiko Henkes von der IT-Beratungsagentur ISG. Die Zeiten, in denen Unternehmen eigene IT-Heerscharen beschäftigt haben, in der sie eigene Hardware kaufen und servisieren musste, neigen sich dem Ende zu. Die Digitalisierung erlaubt die Verlagerung der IT-Prozesse in die Cloud, das heißt auf externe Serverfarmen. Deren exakte Standorte hält AWS  geheim. Nur so viel darf man wissen: In 13 Ländern weltweit betreibt Amazon 18 sogenannte Cloud-Regions, darunter in Frankfurt, Irland, London sowie Paris. Und weil die Welt nach Rechenleistung giert, sind weitere fünf in Planung.

Machine Learning und KI

Der weltweite Markt für Public Cloud Computing soll bis 2020 mehr als 400 Milliarden Dollar erwirtschaften, also mehr als das aktuelle österreichische Bruttoinlandsprodukt. Die Wolke kann unabhängig des Standorts Unmengen an Daten verarbeiten und analysieren, sie bringt Vereinfachung und Kostenreduktion – kurz, sie verspricht Fortschritt. Ohne ihre hochpotenten Rechenzentren wären die Innovationen in der Künstlichen Intelligenz, im Maschinenlernen und im Internet der Dinge - also der eigenständigen Kommunikation unter Geräten - nicht denkbar. „Bei AWS liegt der Fokus zum einen darauf, Machine Learning und künstliche Intelligenz für möglichst viele Entwickler und Unternehmen verfügbar zu machen, zum anderen in der Nutzung von KI in der Entwicklung eigener Dienste“, heißt es aus dem Unternehmen. Die Serverfarmen sind der Maschinenraum der Digitalisierung.

Amazon Web Services stellt Schätzungen zufolge 70 Prozent der Cloud-Infrastruktur weltweit zur Verfügung und gibt damit die technischen Standards für die IT-Dienstleistungen vor. „Durch den schier unendlich großen Speicherplatz und speziell durch die Möglichkeit, diese sicher und weltweit verteilt den Kunden zur Verfügung zu stellen, hat AWS neue Maßstäbe gesetzt“, sagt Christopher Anderlik vom IT-Dienstleister EBCONT, der eigene AWS-Treffen organisiert (siehe Interview).

Trillionen Objekte gespeichert

Microsoft und Google bieten ebenfalls Cloud-Dienstleistungen an, hinken hinter Amazon Web Services aber hinterher. „Wir haben das gigantische Wachstum noch vor uns“, sagte Amazon Web Services-Chef Andy Jassy im Oktober gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Jedes relevante Wirtschaftssegment trete in die Wolke über: Ölfirmen wie Shell, Finanzdienstleister, die Technikbranche sowieso. Der amerikanische Geheimdienst CIA ist schon da (siehe Subgeschichte). Der Schritt in die Cloud sei der „größte Technologiewandel“ unserer Zeit, sagt Jassy. Das weltweite Datenvolumen verdoppelt sich alle 40 Monate, mittlerweile speichert alleine Amazon Web Services Trillionen Objekte von mehreren Millionen Kunden, das ist eine Zahl hoch 18. „Das, was in der IT-Branche insgesamt derzeit Wachstum bringt, das ist die Cloud. Solche Dienstleistungen wachsen gerade 25 Prozent im Jahr“, erklärt Frank Strecker, der bei der deutschen Telekom für das weltweite Cloud-Geschäft im Konzern verantwortlich zeichnet (siehe Interview).

Risiko oder Vorteil?

Doch: „Die Entscheidung für die Cloud wird nicht immer strategisch getroffen“, meint der IT-Experte Heiko Henkes. Bei einer Befragung der Wirtschaftskammer Österreich gaben knapp 70 Prozent von 240 Wiener Unternehmen an, nicht zu wissen, wo ihr Dienstleister die Daten speichert. Früher haben die IT-Abteilungen auf das eigene Unternehmen zugeschnittene Softwarelösungen programmiert, statt des eigenen Süppchens wird jetzt eine standardisierte, zentralisierte Lösung aus der Cloud serviert. Der Kostendruck und die Notwendigkeit schnellere Abläufe zu gewährleisten, spielt hier mit hinein. „Wenn Daten in externen Infrastrukturen landen, dann kann dies in übereilten Fällen zu Herausforderungen in der Einhaltung von branchenspezifischen Regularien oder gar Sicherheitsrisiken führen, sollte das Personal nicht ausreichend geschult sein. Es kann jedoch auch Sicherheitsvorteile bedeuten, da die meisten Clouds ein höheres Sicherheitsniveau als die unternehmensinterne IT vorweisen“, sagt Henkes.