Arbeitgeber locken mit mehr Freizeit

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Symbolbild.(c) imago/Becker&Bredel (imago stock&people)

Nach den öffentlichen Flughäfen führt auch die Handelskette Hornbach die sechste Urlaubswoche ein. Arbeitszeitverkürzung liegt in Österreich im Trend. Die Unternehmervertreter sehen das kritisch.

Wien. Man hat bei Hornbach nicht über Nacht entschieden, eine sechste Urlaubswoche einzuführen. „Wir beschäftigen uns schon seit zwei Jahren mit dem Thema“, sagt Stefan Goldschwendt, der die österreichische Tochter der deutschen Baumarkt-Kette führt. Am gestrigen Mittwoch verkündete man die Neuigkeit dann öffentlichkeitswirksam auf einer Pressekonferenz. Verständlich: Es gibt kaum ein Thema, das einem so sicher Sympathiepunkte einbringt. Ab 1. Juli erhöht Hornbach den Jahresurlaub von fünf auf sechs Wochen. Sowie das Einstiegsgehalt von 1750 auf 1820 Euro brutto. Das gilt für alle, die seit mindestens einem Jahr im Unternehmen beschäftigt sind.

Schon jetzt gibt es in Österreich sechs Wochen Urlaub – für alle, die mindestens 25 Jahre in der selben Firma arbeiten. Das trifft aber nur auf ein Zehntel der Arbeitnehmer zu. Bei einem Jobwechsel werden höchstens fünf Jahre Vordienstzeit angerechnet. Arbeitnehmervertreter fordern eine leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche für alle Beschäftigten. Entsprechend zufrieden zeigte sich Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl auf der Pressekonferenz. Sie hoffe, dass möglichst viele Unternehmen diesem Beispiel folgen werden.

 

30 Stunden bei vollem Lohnausgleich

Arbeitszeitverkürzung ist schwer en vogue. Wer kennt sie nicht, die Geschichten von der Generation „Y“, für die Freizeit schwerer wiegt als Gehaltserhöhungen. Teilzeit ist in Österreich auf dem Vormarsch. Frauen arbeiten heute doppelt, Männer vier Mal so oft in Teilzeit wie vor 20 Jahren. Gleichzeitig geht die Zahl der Vollzeitstellen zurück.

Der Unternehmer Klaus Hochreiter hat mit dem Thema im Februar einen Medienhit gelandet. In seiner Firma eMagnetix arbeiten seit diesem Monat alle Mitarbeiter Teilzeit, und das bei vollem Lohnausgleich. Im Herbst wird die Arbeitszeit noch einmal von 34 auf 30 Stunden gesenkt. Seit er das bekannt machte, rennen ihm die Bewerber die sprichwörtliche Tür ein: „Es kennt uns jetzt jeder“, sagt Hochreiter. Spezialisten im Onlinemarketing sind in Österreich Mangelware. Noch mehr für Firmen, die wie eMagnetix auf dem Land sitzen. Monatelang suchte man vergeblich einen Projektmanager. „Dann hatten wir allein für diesen einen Job plötzlich 20 Bewerbungen“. Für den 23-Mitarbeiter-Betrieb mit Sitz im oberösterreichischen Bad Leonfelden ist das viel.

Das Symbol für Status, glaubt Hochreiter, sei heute nicht mehr das Geld, sondern die Zeit. Seine Mitarbeiter seien jetzt motivierter, ausgeruhter, fitter, als damals, als sie noch in Vollzeit gearbeitet hätten. Die wenigen Fachkräfte wüssten, dass sie begehrt sind. „Da muss man sich als Firma heutzutage etwas einfallen lassen“, sagt Hochreiter.

 

„Wir halten davon gar nichts“

Aber nicht nur die Jungen wollen weniger arbeiten. Bei Hornbach Österreich ist laut Geschäftsführer Goldschwendt ein Fünftel der Belegschaft älter als 50. „Die Menschen werden älter und müssen länger arbeiten. Da ist es wichtig, für Entlastung zu sorgen.“ Der Trend gehe außerdem immer mehr in Richtung Spezialisierung. Dafür brauche man qualifizierte Leute. „Da muss man Angebote machen, um die Mitarbeiter zu bekommen und zu halten.“ Umfragen im Unternehmen hätten gezeigt, dass es in der Belegschaft ein sehr starkes Bedürfnis nach mehr Freizeit gebe. „Natürlich wollen wir auf dem Arbeitsmarkt attraktiv sein“. Hornbach hat in Österreich 14 Filialen und 1650 Mitarbeiter. Zuletzt setzte die Baumarktkette hierzulande 360 Mio. Euro um.

Eine sechste Urlaubswoche gibt es seit Mai auch für die rund 10.000 Beschäftigten bei den öffentlichen Flughäfen in Österreich. Darauf hatten sich Gewerkschaft und Wirtschaftskammer in den Kollektivvertragsverhandlungen im April geeinigt.

Die Hoffnung der AK-Präsidentin, dass möglichst viele Betriebe dem Beispiel Hornbachs folgen mögen, teilt Peter Buchmüller ganz und gar nicht. Der Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer will die Entscheidung des Unternehmens zwar nicht kommentieren. Aber mit seiner generellen Position hält er nicht hinter dem Berg: „Von einer Arbeitszeitverkürzung halten wir grundsätzlich einmal gar nichts.“ Das führe zu mehr Druck und Stress, weil man entweder zusätzliche Leute einstellen oder das bestehende Personal mehr belasten müsse. Für treue Mitarbeiter gebe es ohnehin schon sechs Urlaubswochen. Und das Einstiegsgehalt im Handel sei mit 1663 Euro brutto überdurchschnittlich hoch.

Außerdem liege die Normalarbeitszeit im Handel bei 38,5 Stunden. Das sei im Vergleich zu vielen anderen Branchen schon eine Arbeitszeitverkürzung. „Wir schenken unseren Mitarbeitern 84 Stunden im Jahr. Das sind umgerechnet zwei Wochen mehr Urlaub.“

AUF EINEN BLICK

Weniger arbeiten. Die Österreich-Tochter der deutschen Baumarktkette Hornbach erhöht den Jahresurlaub von fünf auf sechs Wochen und das Einstiegsgehalt von 1750 auf 1820 Euro. Erst kürzlich wurde die sechste Urlaubswoche im Kollektivvertrag der öffentlichen Flughäfen Österreichs verankert. Die oberösterreichische Firma eMagnetix machte im Februar Schlagzeilen, weil sie ab Herbst eine 30-Stunden-Woche bei vollen Bezügen einführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2018)