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Verbund-Manager Christian Kern wird neuer ÖBB-Chef

(c) APA (PETRA SPIOLA)
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Der bisherige Bahn-Boss Peter Klugar zieht sich zurück. Christian Kern, seit knapp drei Jahren Vorstand im Stromkonzern Verbund, wird den heiklen Job machen. Die ÖBB-Chefetage bleibt damit rot.

wien. Eine schlanke Presseaussendung um 15.32 Uhr am gestrigen Donnerstag: Peter Klugar, seit Mai 2008 Chef der Bundesbahnen, hatte in dem Text kundgetan, dass er „für eine weitere Periode als Vorstandssprecher der ÖBB-Holding nicht zur Verfügung steht“. Sein Vertrag läuft im Herbst dieses Jahres aus.

Der Inhalt von Klugars Aussendung kommt ganz und gar nicht überraschend. Klugar galt von Anfang an als „Notlösung“ in den ÖBB. Im Frühling 2008 war ÖBB-Chef Martin Huber beim Eigentümervertreter – Verkehrsminister Werner Faymann – in Ungnade gefallen, und ein Nachfolger musste schleunigst her.

Vor allem einer, der im Gegensatz zu Huber der roten Reichshälfte angehört. Klugar, ein jahrelanger ÖBBler und fachlich unumstritten, war da gerade richtig.

Aber halt nicht auf Dauer: Klugar gilt generell als ziemlich introvertiert. Jedenfalls ist er keiner, der auf den Tisch haut – was in der „Schlangengrube“ ÖBB sicher erforderlich ist: Da muss einerseits politischen Begehrlichkeiten Paroli geboten werden.

Andererseits muss auch die mächtige Eisenbahnergewerkschaft im Zaum beziehungsweise bei Laune gehalten werden. Ein schwer zu meisternder Drahtseilakt – zumal die wirtschaftliche Situation der Bundesbahnen mehr als klamm ist.

 

Thema im Aufsichtsrat

Schon seit Monaten wird also nach einem geeigneten Klugar-Nachfolger Ausschau gehalten. Am kommenden Dienstag sollen im ÖBB-Aufsichtsrat Nägel mit Köpfen gemacht werden. Einen SPÖ-Kandidaten hat man auch schon an der Hand: Christian Kern, seit knapp drei Jahren Vorstand im Stromkonzern Verbund, wird den heiklen Job machen. Vor wenigen Tagen erklärte Kern zwar der „Presse“, dass er „kein Interesse an einem Jobwechsel“ habe. In den vergangenen Wochen soll es aber bereits intensive Gespräche zwischen Kern und ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker gegeben haben – in denen Kern allerdings eine Reihe von Bedingungen stellte, um das „Himmelfahrtskommando“ zu übernehmen. Kern war offenbar in einer starken Position: Die SPÖ soll sich auf den 44-jährigen Manager geradezu kapriziert haben.

 

Mächtiger neuer ÖBB-Chef

Dem Vernehmen nach soll daher all seinen Forderungen entsprochen werden: Kern wird ein Dirimierungsrecht im Vorstand erhalten, kann in Hinkunft personelle Wünsche im Konzern durchsetzen und darf bei Bestellungen in den Aufsichtsräten von ÖBB-Tochtergesellschaften mitreden. Christian Kern gilt schon lange als „Zukunftshoffnung“ der SPÖ für wirtschaftlich heikle Jobs – als Manager genießt er einen hervorragenden Ruf, in der Partei ist er auch bestens vernetzt. Zuletzt war er als Post-Generaldirektor gewünscht, Kern winkte allerdings ab.

In den ÖBB läuft also alles nach SPÖ-Plan – bis auf die gestrige Aussendung Klugars. Die war so nicht vereinbart gewesen. Am Sonntagvormittag ist nämlich SPÖ-Verkehrsministerin Doris Bures zu Gast in der Fernseh-„Pressestunde“.

Vereinbart war, dass Klugar seine öffentliche Mitteilung erst danach macht – um Bures die Gelegenheit zu geben, „ihre“ Themen im Interview unterzubringen. Doch Klugar dürfte aufgrund ständiger Querelen im Konzern der Kragen geplatzt sein. Und machte Bures einen Strich durch die Rechnung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2010)