Die lass ich jetzt schmoren, die Künstler. Haben mich die doch tatsächlich nicht zur Kokoschka-Preisverleihung eingeladen, sagt mein Pressesprecher. An diesen Pettidingsbums aus Amerika mit den brutalen Zeichnungen. An den hat sich gleich die City-Chefin rangeschmissen. Dabei findet die Kunst und Sex schon so grauslich... Naja. War eh bei der Regierungsklausur an dem Tag. Und die Kollegen aus dem Büro wollen alle keine Einladung bekommen haben, wie praktisch...
Also fragen, das werde ich jedenfalls keinen mehr. Bin schon für die Expertengespräche vor der Museumsreform so geschimpft worden. Jetzt suche ich eben allein aus, wer das Mumok leitet. Egal, was der Alte vom Flakturm sagt. Die wilde Theaterfrau wird's nicht. Und noch einen Los-Angeles-Flug, noch einmal zehn Stunden Kunst und Revolution vom Nebensitz halt ich seelisch nicht aus.
Da flieg ich lieber nach Leipzig zur coolen Schwarzhaarigen – hat die nicht ihr Museum ein Jahr lang an die Privatwirtschaft vermietet? Das klingt einmal nach einer vernünftigen Person. Oder ich fahr nach Berlin zur Ex-Secessions-Kuratorin, die jetzt dort diese Biennale kuratiert. Oj. Das geht sich gar nicht mehr aus! Mumok-Kuratoriumssitzung ist ja schon heute.
Vielleicht sollt ich doch schnell den adrett Gekleideten aus der Kunsthalle bestellen...der freut sich. Oder ich ärger ihn ein bisschen und frag den Hausmeister vom MQ... Aber der will ja lieber Kulturstadtrat werden. Oder wird das jetzt der Lange von der Designagentur? Bei dem weiß man nie, ob der einer von den unsrigen ist oder nicht... Aber wer wird dann der Nachfolger für die Auslandskultur? Schad, das ist nicht mein Problem. Dabei hab ich ein so gutes Händchen beim Personellen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2010)