Märkte erwarten Straffung

EZB-Chef Mario Draghi muss die Weichen für die Zukunft der Geldpolitik stellen.
EZB-Chef Mario Draghi muss die Weichen für die Zukunft der Geldpolitik stellen. (c) APA/AFP/EMMANUEL DUNAND (EMMANUEL DUNAND)
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Kommende Woche trifft sich der EZB-Rat zur Zinssitzung. Aussagen von Chefvolkswirt Praet bewegten gestern den Euro.

Wien. Kommenden Donnerstag könnte es auf den Kapitalmärkten ziemlich spannend werden. Denn am 14. Juni trifft sich der Rat der Europäischen Zentralbank zu seiner traditionellen Zinssitzung, diesmal in Riga. Viele erwarten, dass die Notenbank einen Fahrplan zum im September auslaufenden Anleihenprogramm vorlegen könnte. Viel Zeit hat sie bis dahin ohnehin nicht mehr.

Erwartungen in diese Richtung schürte der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, am Mittwoch. Er ortete Fortschritte bei dem von der Zentralbank angepeilten Inflationsziel (unter, aber nahe zwei Prozent). Vor diesem Hintergrund werde sich der EZB-Rat nächste Woche damit befassen, ob die billionenschweren Anleihenkäufe dieses Jahr auslaufen sollten, sagte er. Ob das Vorgehen nur diskutiert wird oder sich die Notenbanker bereits zu einer Entscheidung durchringen, bleibt vorerst abzuwarten. Ebenso wie Zeitpunkt und Umfang des sogenannten Tapering.

Derzeit kauft die EZB monatlich Anleihen im Volumen von 30Mrd. Euro. Bereits seit März 2015 pumpt sie Geld in das Eurosystem. Damals waren es allerdings noch 60 Mrd. Euro pro Monat, im heurigen Jänner wurde das Volumen schließlich halbiert. Praets Aussagen blieben an der Börse freilich nicht ungehört: Die Gemeinschaftswährung Euro stieg am Donnerstag im frühen Handel auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 1,1808 zum Dollar. Auch die Verzinsung der deutschen zehnjährigen Bundesanleihe zog an.

Vorsichtiger Ausstieg

Die EZB trug mit ihren milliardenschweren Ankäufen zu einer deutlichen Verzerrung des Anleihenmarktes bei. Denn die Länder konnten neue Schulden zu günstigen Konditionen aufnehmen. Von den Staaten der Eurozone forderte sie im Gegenzug immer wieder Reformen ein. Doch die Aufforderungen der EZB verhallten meist ungehört. Und so kann ein zu schneller Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik durchaus zum Problem werden. Da die Schuldenberge nicht abgebaut wurden und die Aufnahme neuer Schulden in Zukunft teurer werden könnte, bleibt am Ende ein noch größerer und teurerer Schuldenberg stehen. Das ist für Länder wie Deutschland kein Problem, für Italien aber schon.

Steigt die EZB nicht auf die Bremse, hat sie wiederum kaum Spielraum, um einer möglichen neuen Finanzkrise den Garaus zu machen. (ag./nst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2018)

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