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Hintergrund: Armenier-Völkermord von einem Dutzend Staaten anerkannt

Während die Türkei einen Genozid an den Armeniern in den Jahren 1915/16 bestreitet, zweifeln Historiker nicht daran. Mehr als ein Dutzend Staaten haben Vorfälle als Völkermord anerkannt.

Im Osmanischen Reich, das nach dem Ersten Weltkrieg unterging, lebten gegen Ende des 19. Jahrhunderts etwa 2,5 Millionen Armenier. Der planmäßige Mord an der armenischen Bevölkerung in den Jahren 1915/16 gilt als erster Genozid der modernen Geschichte.

Franz Werfel hat dem Leiden des armenischen Volkes in seinem Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" ein Denkmal gesetzt. Unter Sultan Abdulhamid II. kam es schon 1895 zu ausgedehnten Pogromen, weit mehr als 100.000 Armenier wurden getötet.

Verhaftungswelle unter Intellektuellen

Den Auftakt zum Massenmord bildete am 24. April 1915 eine Verhaftungswelle unter den führenden armenischen Intellektuellen in Konstantinopel. Unmittelbar darauf begannen die Massendeportationen aus den Siedlungsgebieten der Armenier in Ostanatolien. In Todeskarawanen zogen monatelang Hunderttausende in Richtung der Wüsten Mesopotamiens und Syriens. Neben türkischen Sondereinheiten und Pöbel beteiligen sich auch kurdische Kommandos aktiv am Massenmord an den Armeniern. Dem Völkermord fielen nach Schätzungen von Historikern bis zu 1,5 Millionen Armenier zum Opfer.

Von türkischer Seite wird der Genozid bis heute bestritten. "Es ist eine historische Tatsache, dass während des Ersten Weltkriegs die Armenier 1915 aufbegehrten und schwere Gewalttaten gegen Zivilisten und den Staat verübten. Während der deshalb angeordneten Umsiedlung der Armenier mussten beide Seiten erhebliche Verluste hinnehmen", schrieb 1998 der damalige türkische Präsident Süleyman Demirel dem französischen Präsidenten Jacques Chirac.

Historiker zweifeln nicht an Genozid

Nach Ansicht von Historikern steht die Verantwortung der damaligen türkischen Führung an dem Völkermord außer Zweifel. Sie zitieren etwa den Generalsekretär der Jungtürken, Nazim Bey: "Es ist dringend erforderlich, das armenische Volk vollständig auszurotten, so dass kein Armenier auf unserer Erde übrigbleibt und der Begriff 'Armenien' ausgelöscht wird." Der Genozid war präzise geplant, zu schriftlichen Anordnungen kamen mündliche Geheimbefehle. Schon Monate vor Beginn der Deportationen wurden Sonderkommandos aufgestellt.

Die Gräueltaten an den Armeniern haben mehr als ein Dutzend Staaten als Völkermord eingestuft. Dazu gehören Frankreich, die Schweiz und die Niederlande. Die Türkei beharrt entschieden auf ihrer Position, wonach die Vertreibung mit ihren Folgen nicht als Genozid zu bewerten ist. In der Türkei ist das Thema hochsensibel. So wurde der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk nach kritischen Äußerungen dazu auf Grundlage des Staatsschutzparagrafen 301 wegen "Verunglimpfung des Türkentums" angeklagt. Der Prozess wurde aber Anfang 2006 eingestellt. Der durch ähnlich kritische Äußerungen bekannte türkisch-armenische Journalist Hrant Dink wurde 2007 in Istanbul ermordet.

(APA)