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Österreich

Grün ist die Hoffnung: Das lange Warten auf den Cannabis-Boom

In den Lagerhallen bei Wien brauchte Alexander Kristen noch „so viel Strom wie eine Kleinstadt“ für seine Plantagen. In der Toskana reicht die Sonne.
In den Lagerhallen bei Wien brauchte Alexander Kristen noch „so viel Strom wie eine Kleinstadt“ für seine Plantagen. In der Toskana reicht die Sonne.(c) Clemens Fabry
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Während Kanada als erste große Industrienation Marihuana vollständig legalisiert, will Österreichs Politik das global blühende Hanfgeschäft bei uns verbieten. Die Branche reagiert: Österreichs größter Cannabisbauer zieht die Produktion ab und übersiedelt nach Italien.

Den herrlichen Frühling in Wien hat Alexander Kristen verpasst. Seit Wochen ist Österreichs größter legaler Marihuana-Produzent nur noch in der Toskana anzutreffen. Kein Wunder: Der Mittvierziger, der als einer der ersten im Land den Cannabis-Boom für sich entdeckt hat, verlagert seine Produktion vom Wiener Umland in die Hügellandschaft Mittelitaliens. Denn während international große Staaten Cannabis gänzlich freigeben (Kanada) oder als Medizin in Apotheken verkaufen (z. B. Deutschland), legt Österreich beim Thema Hanf den Rückwärtsgang ein.

„Wir wollten wachsen“, sagt Kristen zur „Presse am Sonntag“. „In Österreich war das leider nicht möglich.“ Am mangelnden Interesse seiner Kunden lag es nicht. 25.000 Hanf-Stecklinge hat er mit seinem Unternehmen Flowery Field jede Woche als Zierpflanzen verkauft. Wie die meisten in der Branche wandelte auch der frühere Jusstudent dabei stets am Rande des juristischen Graubereichs. Denn der Besitz von Cannabispflanzen ist nur erlaubt, solange sie nicht blühen. In der Blüte wird der verbotene psychoaktive Wirkstoff THC entwickelt. Dass viele Hobbygärtner genau dafür Hanfstecklinge kaufen, ist ein offenes Geheimnis.

Dreimal mehr Grow-Shops. Getragen vom globalen Boom war die Cannabisbranche in Österreich zuletzt stark im Aufwind. In zwei Jahren hat sich die Zahl der einschlägigen Grow-Shops fast verdreifacht. Während THC tabu bleibt, wird Light-Gras mit dem erlaubten Wirkstoff Cannabidiol (kurz CBD) inzwischen legal verkauft. Eine ganze Branche ist in Lauerstellung, wartet auf die weitere Liberalisierung und das große Geschäft. Vorbilder gibt es genug: So nehmen einige US-Bundesstaaten mittlerweile mehr mit der Besteuerung von Hanf ein als mit Steuern auf Alkohol. Zudem erlauben Dutzende Länder Marihuana zumindest als Medizin.