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Manager: Halt zum Abschied schön die Hand auf

Franz Pinkl
(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Alle regen sich über die Millionenabfertigung von Hypo-Chef Franz Pinkl auf. Dabei ist das in Österreich gute, alte Tradition: Die Liste der Manager, die vom Staat mit reichlich Geld in die Wüste geschickt wurden, ist lang.

Zweifellos das Geschäft seines Lebens: Seit etwas mehr als einem halben Jahr sitzt Franz Pinkl an der Spitze der arg gebeutelten Kärntner Hypo Alpe Adria Bank. Nicht mehr lange allerdings: Die Vorstandsposten der im Dezember notverstaatlichten Bank sind neu ausgeschrieben, und Pinkl, der eigentlich über einen Fünfjahresvertrag verfügt, wird/darf sich nicht mehr bewerben.

Wozu auch? Finanziell ist für ihn eh alles im grünen Bereich. Rund 4,5 Millionen Euro Abfertigung wird Pinkl aufs Händchen kriegen. Vielleicht wird's auch ein bisschen weniger, das hängt vom Verhandlungsgeschick von Hypo-Aufsichtsratschef Johannes Ditz ab. Einfach wird das nicht, denn Vertrag ist Vertrag. Und der ist wasserdicht: 2009 holte die Bayerische Landesbank – damals noch Hypo-Eigentümer – Pinkl als Chef in die Kärntner Bank. Der Passus, der dafür sorgt, dass er fortan keinerlei finanzielle Nöte hat, lautet „Change of control“. Der besagt, dass Pinkl bei einem Eigentümerwechsel gehen kann – unter Wahrung aller Ansprüche.

Blöd halt, dass diese Ansprüche dank der dramatischen Ereignisse der letzten Monate mittlerweile nicht mehr bei den Bayern, sondern bei der Republik Österreich geltend gemacht werden können. Doch die Regierungsspitze kostet das bloß ein Achselzucken: Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) verweist auf den Vertrag, der „unter bayerischer Verantwortung“ abgeschlossen wurde (wiewohl das Land Kärnten als Miteigentümer da auch mitzureden hatte). Und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) legt Wert auf die Feststellung, dass Pinkl nicht für das Hypo-Debakel verantwortlich sei. Ob das etwas geändert hätte? Immerhin haben die früheren Hypo-Vorstände Wolfgang Kulterer und Günter Striedinger bei ihrem Abgang mehr als eine Million eingestreift.

Die Österreicher haben halt über die Jahre mit zwei Grundregeln zu leben gelernt. Regel Nummer eins: Manager in staatsnahen Unternehmen haben eine relativ kurze Halbwertszeit. Eh klar: Die Posten werden politisch besetzt und die Politik ist bekanntlich eine Schlangengrube. Regel Nummer zwei: Der vorzeitige Abgang solcher Manager kostet Länge mal Breite. Auch klar: Entlassungsgründe werden nie gefunden. Ein Manager, der einen Scherbenhaufen hinterlässt, kann stets auf die schützende Hand seiner politischen Mentoren vertrauen – zumindest in finanziellen Belangen.

Die Aufregung darüber ist meist nur von kurzer Dauer. Ein paar „böse“ Medienberichte, ein paar schimpfende Oppositionspolitiker – das war's dann. Bis zum nächsten, ähnlich gelagerten Fall.

Wetten, dass Franz Pinkl in wenigen Wochen vergessen ist? Da wird nämlich Herbert Kaufmann für Furor sorgen. Der Flughafenchef wird seinen Job verlieren (siehe Bericht unten), was mit mehr als einer Million Euro zu Buche schlagen soll. Zwar ist Kaufmanns Abfindung im Vergleich zu Pinkls geradezu okkasionell, trotzdem sind die Umstände seines teuren Abgangs eine Erwähnung wert: Kaufmanns Vertrag wurde nämlich erst im Herbst 2009 um fünf Jahre verlängert. Da war sein nunmehriger Rücktrittsgrund – die Baukostenexplosion beim Terminal „Skylink“– schon längst bekannt. Nicht nur das: Sein Vorstandskollege Christian Domany hatte zu dem Zeitpunkt wegen „Skylink“ bereits den Hut nehmen müssen.

Wenigstens war Domanys Vertrag nicht kurz vorher verlängert worden – er musste sich mit der gesetzlichen Abfertigung von drei Monatsgehältern zufrieden geben. Dafür bekommt er ab dem 60. Lebensjahr eine Firmenpension von rund 7900 brutto pro Monat.

Der Fall Herbert Kaufmann erinnert uns doch glatt an die Ereignisse des Jahres 2007. Damals waren gleich alle drei Vorstände der staatlichen Straßenbaugesellschaft Asfinag in die Wüste geschickt worden. Offenbar unvermeidbar: Der Eigentümer war schlicht „unzufrieden“ mit der Performance von Christian Trattner, Franz Lückler und Mathias Reichhold, was aber nichts daran änderte, dass sie zum Abschied insgesamt 2,2 Millionen Euro bekamen.

Das lag daran, dass sie über druckfrische Verträge verfügten: Erst ein Jahr davor hatte der damalige BZÖ-Verkehrsminister Hubert Gorbach dafür gesorgt, dass Parteifreund Reichhold den feinen Asfinag-Job bekommt. Und weil man schon dabei war, wurden die Verträge der anderen beiden Asfinag-Vorstände auch gleich um fünf Jahre verlängert.

Ja, die Fünfjahresverträge sind für Manager im Dienste der Republik echt fein. Die Wenigsten erleben zwar das Vertragsende in der Firma, doch die langen Laufzeiten sorgen verlässlich dafür, dass die Geschassten ihr Dasein nicht anspruchslos fristen müssen. Egal, wie groß der „Murks“ ist, den sie zeit ihres Wirkens gebaut haben.

Alfred – „die AUA ist saniert“ – Ötsch beispielsweise hat als Chef der Airline keine besonders gute Figur gemacht. Deswegen musste er auch gut zwei Jahre vor Vertragsende gehen. Als „Dankeschön“ bekam er trotzdem 1,1 Millionen Euro mit auf den Weg. Verstehe das, wer will.

1998 erblickte die „Schablonenverordnung“ das Licht der Welt – ein (recht schwammig formuliertes) Regelwerk für Dienstverträge im öffentlichen Bereich. Bei der Laufzeit des Arbeitsverhältnisses wird etwa „eine Frist von längstens fünf Jahren“ gestattet. Die Frist wird im Staatsbereich gnadenlos ausgereizt. Während in der Privatwirtschaft üblicherweise Dreijahresverträge abgeschlossen werden, die in einer zweiten Amtszeit auf fünf Jahre adaptiert werden, sind fünf Jahre im Staatsbereich gang und gäbe. Warum? Philipp Harmer, Geschäftsführer beim Headhunter Egon Zehnder (der etliche Jobbesetzungen für ÖIAG-Firmen übernommen hat), entwaffnend ehrlich: „Viele Kandidaten sind zu einem Vertrag unter fünf Jahren Laufzeit gar nicht bereit.“ So einfach ist das.

Andererseits: Gute Manager haben ihren Preis – vor allem bei einem Himmelfahrtskommando wie den ÖBB. In keinem Staatskonzern werden die Chefs so oft vorzeitig abgelöst wie bei der Bahn. Deshalb lassen sich die Manager offenbar mit generösen Verträgen ködern. ÖBB-Chef Peter Klugar lässt seinen Vertrag heuer auslaufen – eine Ausnahme. Sein Vorgänger Martin Huber musste eineinhalb Jahre vor Vertragsende gehen und kassierte rund 500.000 Euro. Dessen Vorgänger Rüdiger vorm Walde hatte es besser: Auch er ging eineinhalb Jahre früher, bekam aber 1,2 Millionen.

Headhunter Herbert Unterköfler von Korn/Ferry findet das auch alles seltsam. Wie er solche Verträge gestalten würde? „Ich würde durchaus Fünfjahresverträge empfehlen, damit die Manager auch unabhängig arbeiten können.“ Im Falle einer Abberufung sei es aber ratsam, den Manager zu einem anderweitigen Verbleib im Konzern zu verpflichten. Unterköfler: „Das ist den meisten natürlich mühsam. Ich nehme an, dass sie dann bei ihrer Abfertigung zu Kompromissen bereit wären.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2010)