Andritz-Chef Leitner: „Wir sind gut aufgestellt“

(c) Andritz

Der Konzern profitierte 2009 von Aufträgen für Wasserkraftwerke – die Dividende wird aber gekürzt. Der Umsatzrückgang von 11,4 Prozent entspricht den Erwartungen der Analysten.

Wien (eid). Wolfgang Leitner, Miteigentümer und Chef des börsenotierten steirischen Anlagenbauers Andritz, ist ein notorischer „Tiefstapler“. Um 15 Prozent werde der Umsatz im Krisenjahr 2009 sinken, auch der Ertrag werde deutlich nach unten gehen, kündigte Leitner im Herbst des Vorjahres an. Ganz so schlimm ist es nicht gekommen: Mit einem Umsatzrückgang von 11,4 Prozent und einem Konzernergebnis von 96,8 Mio. Euro (minus 30,7 Prozent) liegt das Unternehmen in den Erwartungen der Analysten. Während in den ersten neun Monaten teils hohe Gewinnrückgänge verbucht wurden, brachte das vierte Quartal die Trendumkehr. Die Kostensenkungen zeigten Wirkung, und der Nettogewinn legte erstmals seit über einem Jahr wieder zu. Die Aktie verlor dennoch auf 40,91 Euro.

Nicht ganz überraschend kommt die Kürzung der Dividende von 1,10 auf einen Euro. Das bedeutet angesichts des deutlich geschrumpften Gewinns jedoch eine Erhöhung der Ausschüttungsquote von 40 auf 52 Prozent. Der Grund: „Wir glauben, dass es heuer wieder viel besser läuft“, sagte Leitner am Freitag bei der Bilanzpräsentation. Außerdem hat der Konzern im Vorjahr nur kleinere Akquisitionen gemacht. „Unsere Hoffnung, dass sich in der Krise einige gute Kaufgelegenheiten bieten werden, hat sich nicht erfüllt“, erklärte Leitner. Heuer werde man weiter Ausschau halten, aktuell gebe es kein Projekt. Andritz hat 1,1 Mrd. Euro auf der hohen Kante.

Der Treiber ist und bleibt die Wasserkraft (Pumpen, Turbinen und Generatoren für Wasserkraftwerke). Während der Auftragseingang in der Sparte Metals (Anlagen für die Stahlindustrie) um mehr als 50 Prozent einknickte, legte er im Bereich Hydro noch um knapp zehn Prozent zu. In Summe hatte Andritz zum Jahresende Aufträge im Wert von 4,4 Mrd. Euro in den Büchern, um 3,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

„Wir sind gut aufgestellt“, meinte Leitner im Hinblick auf das laufende Jahr. Er rechnet mit einer leichten Umsatzsteigerung, das Ergebnis sollte sich dank Kostensenkungen auch wieder verbessern. Im Vorjahr schlugen Restrukturierungsaufwendungen (Wertberichtigungen und Personalabbau) mit 29 Mio. Euro auf das Ergebnis.

 

Bei Ilisu dabei

Bei zwei sehr großen und nicht minder umstrittenen Wasserkraftprojekten ist Andritz in Warteposition. Beim Ilisu-Staudamm am Tigris hat die Türkei nach dem Rückzug der Exportgarantien Österreichs, Deutschlands und der Schweiz nun selbst die Finanzierung aufgestellt. Ab Jahresmitte soll gebaut werden. „Wenn alle Auflagen eingehalten werden, sind wir wieder mit dabei“, kündigte Leitner an. Das Projekt hat ein Volumen von 300 Mio. Euro.

In weiter Ferne sei hingegen ein Liefervertrag für das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, das in Belo Monte im brasilianischen Amazonas-Gebiet entstehen soll. „Wir werden nur anbieten, wenn alle Gesetze eingehalten werden“, betonte Leitner.

AUF EINEN BLICK

Der Anlagenbauer Andritz startet mit einem dicken Auftragspolster von 4,4 Mrd. Euro in das Jahr 2010. Weil im Vorjahr der Gewinn um ein Drittel gesunken ist, wird die Dividende von 1,1 auf einen Euro gekürzt. Andritz hat 1,1 Mrd. Euro auf der hohen Kante.

Treiber des Geschäfts ist die Sparte Wasserkraft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2010)