Washington rechnet mit "umfangreicher Abrüstung" bis 2020

Laut US-Präsidenten Donald Trump geht von Nordkorea keine "atomare Bedrohung" mehr aus.

US-Präsident Donald Trump hat sein historisches Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un als Erfolg gefeiert: Von Nordkorea gehe nun keine "atomare Bedrohung" mehr aus, schrieb Trump am Mittwoch im Onlinedienst Twitter.

US-Außenminister Mike Pompeo sagte, er rechne bis 2020 mit einer "umfangreichen Abrüstung". Nordkoreas Staatsmedien zufolge nahmen Kim und Trump gegenseitige Einladungen nach Washington und Pjöngjang "erfreut" an.

"Gerade gelandet - eine lange Reise, aber alle können sich nun viel sicherer fühlen als am Tag meines Amtsantritts", schrieb Trump bei seiner Rückkehr in die USA. Vorher hätten viele Menschen vermutet, "dass wir gegen Nordkorea Krieg führen werden", erklärte Trump in einem weiteren Tweet. Sein Vorgänger Barack Obama habe Nordkorea noch das "größte und gefährlichste Problem" der USA genannt. "Nicht mehr", fügte Trump hinzu. "Schlaft heute Nacht gut!"

"Unser Tag zusammen war historisch"

Auf dem Flug hatte Trump sich bereits per Twitter beim "Vorsitzenden Kim" bedankt. "Unser Tag zusammen war historisch!", schrieb Trump. Die Welt habe "einen großen Schritt zurückgemacht von einer möglichen atomaren Katastrophe". "Keine Raketenabschüsse, Atomtests oder Forschung mehr!", twitterte der Präsident.

Kim hatte bei dem Gipfel am Dienstag in Singapur in die komplette atomare Abrüstung seines Landes eingewilligt. Nähere Definitionen, ein Zeitplan oder Kontrollmaßnahmen wurden dabei zunächst nicht genannt. US-Außenminister Pompeo sagte in Seoul, die Denuklearisierung werde "ganz bestimmt" bis zum Ende der derzeitigen Amtszeit von Trump erfolgen. "Wir sind hoffnungsvoll, dass wir dies in zweieinhalb Jahren schaffen können."

"Lassen Sie mich versichern, dass 'komplett' für alle Beteiligten auch überprüfbar sein muss", sagte Pompeo weiter. Er erklärte, "recht bald" nach der Rückkehr der Nordkoreaner und US-Vertreter in ihre Heimatländer werde es zu weiteren Gesprächen kommen - womöglich bereits in der kommenden Woche.

Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete, die schlechten Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA hätten nun "über den längsten Zeitraum auf Erden" angedauert. Mit ihren Treffen hätten Kim und Trump "Geschichte geschrieben".

Die Zeitung "Rodong Sinmun", Sprachrohr der regierenden Arbeiterpartei Nordkoreas, schrieb, das "Treffen des Jahrhunderts" habe "eine neue Geschichte" in den Beziehungen beider Länder eingeleitet. Das Blatt zeigte auf vier seiner sechs Seiten nicht weniger als 33 Bilder des Treffens.

Gegenseitige Einladungen ausgesprochen

Kim habe die Einladung Trumps in die USA angenommen und wolle Trump "zu gegebener Zeit" auch nach Pjöngjang einladen. Beide hätten die gegenseitigen Einladungen "erfreut angenommen". Sie seien überzeugt, dass dies "als weiterer wichtiger Anlass für verbesserte Beziehungen" zwischen beiden Ländern diene, hieß es bei KCNA.

Trump hatte bei dem Gipfel überraschend auch ein Ende der Militärmanöver mit Südkorea angekündigt - eine langjährige Forderung Pjöngjangs. Das Pentagon versicherte am Dienstag, US-Verteidigungsminister Jim Mattis sei dabei nicht von Trump übergangen worden. "Er war nicht überrascht, er war gefragt worden", versicherte eine Sprecherin. "Es gab keine Überraschungen", fügte sie hinzu.

US-Beamte sagten jedoch, sie seien von der Ankündigung völlig überrascht worden. Pentagon-Mitarbeiter hätten den ganzen Morgen in Sitzungen verbracht, um die Folgen der Entscheidung auszuloten.

Ende der Militärmanöver "besorgniserregend"

Auch Seoul und US-Armeevertreter in Südkorea deuteten an, von der Ankündigung Trumps überrumpelt worden zu sein. Die Zeitung "Korea Herald" nannte die Entscheidung in einem Leitartikel "besorgniserregend".

Auch Japan zeigte sich besorgt. Verteidigungsminister Itsunori Onodera sagte, die Militärübungen der USA mit Südkorea und die dortige US-Truppenpräsenz seien "unerlässlich" für die Sicherheit in der Region. Japans Nordkorea-Politik bleibe vorerst unverändert, kündigte Onodera an. Tokio verlangt von Pjöngjang demnach konkrete Schritte zur Abrüstung und Angaben zum Verbleib entführter Japaner.

 

(APA/DPA)

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