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Jahrelange Ergebnisrückgänge: Morawa Pressevertrieb sperrt zu

Morawa stellt den Pressevertrieb ein
Morawa stellt den Pressevertrieb einFOLTIN Jindrich / WB
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Morawa stellt das Tochterunternehmen Morawa Pressevertrieb, das den Einzelhandel mit Zeitungen und Magazinen beliefert, mit Jahresende 2018 ein. Verlegerverband VÖZ will rasch Alternativen finden.

Am Montag hat Morawa mitgeteilt, die Pressevertriebstochter per Jahresende einzustellen. Das wurde vom Management vor allem mit "stark rückläufigen Verkäufen von Zeitungen und Zeitschriften im Einzelhandel" wegen der Digitalisierung erklärt. Dass sich das Geschäft nicht mehr rechnet, bestätigen auch die Unternehmenszahlen.

Gerald Grünberger, geschäftsführer des Verlegerverbandes VÖZ, sagt im Ö1-"Mittagsjournal", man werde "bis zum Jahresende sicher eine Alternative gefunden haben." Das große Geschäft sei der Einzelhandel zwar nicht, weil Österreich eine starke Abonnement-Leserschaft, aber es sei "eine Infastrukturleistung im Sinne der Demokratie", die es zu erhalten gilt. Eine mögliche alternative buietet der Salzburger Großvertrieb PGV Austria, die bisher nur deutsche Zeitungen vertrieben haben. Dem "Mittagsjournal" gegenüber hieß es, man traue sich zu, das Geschäft von Morawa zu übernehmen.

Aber wieso hört der Wiener Morawa mit der Presse-Zustellung auf? "Es ist so, dass sich das Geschäft kurz- bis mittelfristig nicht mehr rechnen würde", so Morawa-Geschäftsführer Emmerich Selch gegenüber der APA. "Die Kosten, die der Vertrieb verursacht, sind so hoch, dass die Verkaufserträge diese à la longue nicht mehr decken würden." Nun bemühe man sich um ein geordnetes Ende, denn es solle nicht passieren, dass der Weg Richtung Insolvenz führe, so Selch. "Wir ziehen uns vom Markt zurück, weil die Verkäufe insgesamt rückläufig sind."

Umsatzrückgang

Laut Daten, die bei der aktuellsten Jahrestagung des Morawa Pressevertriebs vor rund einem Jahr präsentiert wurden, ging der Absatz im Jahr 2016 um 8,8 Prozent zurück und der Umsatz um 3,2 Prozent auf laut Firmencompass 125,42 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2017 (konkret Kalenderwoche 1 bis 24) brach der Absatz um weitere 9,1 Prozent ein und der Umsatz um 12,6 Prozent. 2016 habe "stark begonnen und ebenso stark verloren". 2017 gab es einen "katastrophalen Start in das neue Jahr". Die Umsatzverluste österreichischer Titel waren "wesentlich größer" als bei deutschen Titeln, vor allem bei Tageszeitungen, aber auch bei wöchentlich und monatlich erscheinenden Titeln.

2016 wurde laut Firmencompass bei Morawa Pressevertrieb auch erstmals ein negatives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von minus 2,64 Millionen Euro verzeichnet. 2015 hatte es noch ein mit 0,11 Millionen Euro minimal positives EGT gegeben. Kein Vergleich zu den Jahren zur Mitte der 2000er-Jahre - 2003 belief sich das EGT auf 4,78 Millionen Euro, 2004 auf 5,38 Millionen Euro, 2005 auf 3,22 Millionen Euro. Die Zahl der Beschäftigten ging im Vorjahr auf 69 zurück. Seit dem Höchststand 2006 mit 423 Mitarbeitern wurde jährlich abgebaut.

In den Unterlagen von der Jahrestagung heißt es unter anderem weiters, dass vor allem auch Tankstellen das "Sorgenkind" beim Absatz seien. Die Tankstellen sind mit 4,3 Prozent 2016 immerhin Nummer 3 im Umsatzanteil nach Absatzorten. Am wichtigsten sind Fachgeschäfte (dazu gehören die Trafiken) mit dem Umsatzanteil von 50 Prozent, wo der Umsatz - nach Rückgängen in den Jahren zuvor - von 2016 auf 2017 um 12 Prozent einbrach. Bei den Supermärkten (Umsatzanteil knapp 35 Prozent) gab es ein Umsatzminus von 11,4 Prozent, bei den Tankstellen um 27,3 Prozent, in sonstigen Fachgeschäften um 18,8 Prozent, in Fachmärkten um 10,8 Prozent.

VÖZ beruhigt

Der Verein Österreichischer Zeitungsverleger (VÖZ) beruhigt rund um das kommende Aus des Morawa Zeitungsvertriebs. "Wir werden mit Sicherheit bis zum Jahresende eine alternative Lösung gefunden haben", sagte VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger am Dienstag im Ö1-"Mittagsjournal". Antworten seien aber rasch zu finden. Dann könnten "Zeitungen und Magazine am Point of Sale, also Trafik, Kiosk, Supermärkte, Tankstellen auch weiterhin verfügbar" sein, "weil wir der Überzeugung sind, dass das eine Art der Infrastrukturleistung ist, im Sinne auch der Demokratie", so Grünberger. Ein großes Geschäft sei der Einzelhandel nicht, er mache nur fünf Prozent des Verkaufs aus. Zeitungen würden überwiegend über Abos an den Kunden gebracht, bekräftigte Grünberger eine Aussage von Morawa-Geschäftsführer Emmerich Selch im APA-Gespräch gestern.

Eine Option für die Übernahme der Vertriebstätigkeit ist der Salzburger Pressegroßvertrieb PGV Austria, wie Morawa-Chef Selch gestern erklärte. Eine Alternative wäre, dass Verlage künftig - wie es die Mediaprint macht - selbst ausliefern, sagte VÖZ-Geschäftsführer Grünberger. Bei weniger Anbietern könnten die Preise für den Vertrieb prinzipiell steigen. "Wenn es eklatant teurer wird, wird man sich etwas überlegen müssen. Aber ich geht jetzt zum heutigen Zeitpunkt nicht zwingend von einer Preiserhöhung aus."

 

(APA/red.)