Rüdiger Proksch: "Er hat sicher hie und da geschossen"

Udo Prokschs jüngerer Bruder Rüdiger war sein Assistent, Archivar – und Kritiker.

Diese Woche wird er nach Wien kommen. Weil Robert Dornhelms Film über seinen Bruder Premiere hat. Rüdiger Proksch und seine Geschwister Roderich und Rotraud werden dabei sein (Schwester Rotlinde verstarb schon als Kind). In die Bundeshauptstadt wurde der nur um ein Jahr jüngere Bruder von Udo Proksch schon einmal gebeten. Von Udo selbst, wem sonst?

Damals, 1963, war in der Firma Wilhelm Anger, für die Proksch als Brillendesigner tätig war, der Werbeleiter tödlich verunglückt. Einige Zeit später bat Udo Proksch den jüngeren Bruder um Hilfe. „Das, was der konnte, kannst du auch, hat er gesagt“, erinnert sich Rüdiger Proksch. „Ich habe damals als Zeitschriften- und Maschinsetzer bei den ,Salzburger Nachrichten‘ gearbeitet.“ Mit seiner Frau und den zwei Kindern zog er also von Salzburg nach Wien und half zuerst im Designstudio in der Walfischgasse, ab 1972 war er Prokschs rechte Hand im Demel am Kohlmarkt. „Ich habe so weit wie möglich geschaut, dass der Demel der Demel bleibt“, sagt er.


Mittelpunkt-Mensch. Im Gespräch über den Bruder, dessen Lebensgeschichte durch den neuen Film wieder in aller Munde ist, schlägt gleichermaßen Bewunderung wie Distanz durch. Er lobt ihn als genialen kreativen Kopf, der „die Demel-Auslagen so anders gemacht hat“. Aber er gibt auch zu, dass die Zeit in Wien für ihn und seine Familie nicht immer leicht war. „Er war doch ein Mittelpunkt-Mensch“, sagt er. „Aber ich konnte immer noch Nein sagen, weil ich der Bruder war. Das konnten andere nicht.“ Er erzählt von der Zeit, als Udo Proksch Probleme mit dem Alkohol hatte. „Aber das haben wir auch hinter uns gebracht.“

Die Frage nach dem Waffentick des großen Bruders beantwortet der 74-jährige Rüdiger Proksch, der heute in Paasdorf bei Mistelbach lebt, ohne Umschweife: „Ja, er hat sicher hie und da geschossen. Er hat ganz gern mit seinem Revolver herumgeschossen.“ In der Walfischgasse 12 etwa, wo die Back- und Verpackungsstuben des Demel waren und wo er nach der Trennung von Erika Pluhar auch eine kleine Wohnung im vierten Stock bewohnte.

Rüdiger Proksch war maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Udo-Proksch-Archiv mit 100.000 Einzelstücken vor einigen Jahren an Galerie-Westlicht-Chef Peter Coeln gegangen ist. Der plant damit 2011 eine große Ausstellung im MAK. Die Rüdiger Proksch sicher wieder nach Wien führen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2010)

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