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Außenpolitik

Muharrem Ince: Plötzlich ein Phänomen

Der ehemalige Physiklehrer Muharrem Ince kann stets auf großes Publikum hoffen.
Der ehemalige Physiklehrer Muharrem Ince kann stets auf großes Publikum hoffen.(c) APA/AFP/YASIN AKGUL (YASIN AKGUL)
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Der Kandidat der kemalistischen CHP könnte in der Stichwahl den erfolgsverwöhnten Präsidenten Erdoğan schlagen. Ince ist der Überraschungskandidat des türkischen Wahlkampfes: Er gibt sich als Versöhner einer tief gespaltenen Nation.

Am Montag vergangener Woche hatte Muharrem Ince einen Auftritt in Diyarbakır, der als ein bemerkenswertes Kapitel Eingang in die türkische Wahlkampfgeschichte finden dürfte. In der Hitze Südostanatoliens, mitten auf dem zentralen Boulevard, benannt nach Mehmet Âkif Ersoy, dem Dichter der türkischen Nationalhymne, rief Ince Tausenden Anhängern zu: „Unseren Kindern werden wir drei Sprachen beibringen. Die türkische Sprache, ihre Muttersprache und eine internationale Sprache.“

Sätze, die wie Balsam für die Seele Diyarbakırs wirken. Jahrzehntelang hat die Kurdenmetropole leidvoll ihren Platz in der Republik gesucht und scheint sie noch immer nicht gefunden zu haben. Kurdisch als Unterrichtsfach: Die Menge war außer sich.

Ince kam als großer Versöhner in das politisch komplexe Diyarbakır. Dabei vertritt er eine Partei, die die Wahrung des kemalistisch-laizistisch-nationalistischen Erbes an ihre Fahnen geheftet hat, die von Staatsgründer Atatürk gegründete CHP. In der Republik ist die Lehre des Türkischen als Muttersprache in der Verfassung verankert, aber es ist nicht das Einzige, das Ince nun herausfordern will. Auf den Bühnen quer durchs Land und auf dem Dach seines Wahlbusses, das zu einer Art offener Tribüne umfunktioniert wurde, verspricht Ince: Der geltende Ausnahmezustand wird abgeschafft. Die Verwandlung der Türkei in eine Präsidialrepublik wird gestoppt. Der Friedensprozess mit den Kurden wird im Parlament neu aufgenommen.