Aufnahme weinender Kinder in US-"Käfigen" befeuert Wut gegen Trump

Hundreds rally to protest the federal policy of separating children from their parents at the Southe
Menschen demonstrieren in Los Angeles gegen die Praxis, Kinder an der US-Grenze von ihren Eltern zu trennen und in "Käfige" zu stecken.imago/UPI Photo

Eine Audio-Aufnahme, in der man an der Grenze von ihren Eltern getrennte Kinder weinen hört, bringt den US-Präsidenten weiter unter Druck. Der verteidigt die Praxis der Familientrennungen.

Die Trump-Administration gerät wegen der umstrittenen Praxis, Einwanderer, die die US-Grenze von Mexiko aus passieren, von ihren Kindern zu trennen, zunehmend unter Druck. Die nationale Empörung wurde am Montag von einer Audioaufnahme befeuert, die die investigative Rechercheplattform "ProPublica" aus einem Auffanglager erhalten hat.

Sieben Minuten lang hört man darin Kinder - laut ProPublica stammen sie vor allem aus El Salvador und Guatemala - schluchzen und nach ihren Eltern rufen. "Mami! Ich will mit Papa mitgehen", ist ein kleines Mädchen zu hören, das so heftig weint, dass es kaum Luft holen kann. Ein anderes Mädchen schluchzt: "Ich will nicht von meinem Papa getrennt werden." Einen US-Grenzschutzbeamten hört man auf Spanisch scherzen: "Wir haben hier ein Orchester. Fehlt nur noch der Dirigent."

 

Die Aufnahme - wie auch Fotos aufgelöster Kinder in eingezäunten Auffanglagern, die als "Käfige" beschrieben werden - hat Trump-Kritiker weiter gegen den US-Präsidenten aufgebracht. Vier ehemalige First Ladys haben sich gegen die Praxis der Familientrennungen ausgesprochen, Laura Bush nannte sie "grausam" und "unmoralisch". Selbst Melania Trump "hasst es zu sehen, wie Kinder von ihrer Familie getrennt werden", ließ sie über ihre Sprecherin ausrichten. Auch von Trumps eigener Republikanischer Partei wird die Kritik an der rigorosen Praxis immer laute: Der einflussreiche Republikaner John McCain twitterte am Montag, das Vorgehen sei ein "Affront gegen den Anstand des amerikanischen Volkes". Die Regierung habe die Macht, diese Politik außer Kraft zu setzen und "sollte dies jetzt tun".

Auch die UNO hat die Familientrennungen am Montag scharf kritisiert, die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von "Folter". 

Trump: "Sie könnten Mörder sein"

Donald Trump verteidigte seine "Null-Toleranz"-Politik am Montag vehement: "Sie könnten Mörder und Diebe und so viel mehr sein", sagte er über die Einwanderer. "Wir wollen ein sicheres Land, und das beginnt an der Grenze." Auch US-Justizminister Jeff Sessions, der die "Null-Toleranz"-Politik an der Grenze zu Mexiko im Mai verkündet hatte, hielt daran fest: "Wir können und werden Menschen nicht ermutigen, Kinder mitzubringen und ihnen eine weitgehende Immunität angesichts unserer Gesetze geben." Wenn eine Grenzmauer gebaut werde, müsse die Regierung keine "schrecklichen Entscheidungen" mehr treffen.

Auch Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen verteidigte das Vorgehen: "Wir werden uns nicht dafür entschuldigen, dass wir unseren Job machen." Sie gab dem Kongress Schuld an der Lage: Dieser müsse das Einwanderungsgesetz ändern. Am Sonntag hatte Nielsen auf Twitter noch behauptet, es gebe die Praxis der Familientrennungen an der Grenze nicht. Tatsächlich haben US-Beamte an der Grenze zu Mexiko innerhalb von fünf Wochen von Anfang Mai bis Anfang Juni mehr als 2342 Migrantenkinder von ihren Eltern getrennt. Betroffen sind damit im Schnitt mehr als 66 Kinder pro Tag. Damit hat das Ministerium seine Angaben der vergangenen Woche nach oben korrigiert: Zuvor hieß es noch, es wären 47 Kinder pro Tag gewesen.

"Caging": Kinder dürfen nicht mit Eltern zusammen inhaftiert werden

Im Zuge der "Null-Toleranz"-Politik werden systematisch alle Menschen, die illegal die Grenze überqueren, als Gesetzesbrecher behandelt und festgenommen. Da Kinder nicht mit ihren Eltern inhaftiert werden dürfen, werden die Familien auseinandergerissen.

Dass die Kinder in den "Käfigen" schlecht behandelt würden, wies Heimatschutzministerin Nielsen am Montag zurück. Die Kinder würden "gut behandelt", sagte sie in Washington.

>>> "ProPublica"

(Red./APA)